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Heizungsumwälzpumpen, die übersehenen Energievergeuder

Ref.: Lexikon-Artikel über Heizungs-Umwälzpumpe

Rüdiger Paschotta
Zentralheizung

Abbildung 1: Aufbau eines einfachen Zentral­heizungs­systems. Die Heizungsumwälzpumpe wälzt Heizwasser zwischen dem Wärmeerzeuger und den Heiz­körpern um.

Dass Elektroheizungen, Elektroboiler sowie Geräte wie Elektroherde, Waschmaschinen und Wäschetrockner viel elektrische Energie benötigen, ist gut bekannt. Heizungs-Umwälzpumpen dagegen werden oft völlig übersehen, obwohl sie erheblich zum Energieverbrauch eines Haushalts beitragen können. Anders als mit Waschmaschine und Herd geht man mit dieser Pumpe eben nicht direkt um; sie werkelt still im Keller vor sich hin. Sie sorgt dafür, dass das Heizwasser umgewälzt wird, womit die Wärme von der Heizungsanlage über die Heizkörper oder die Fußbodenheizung im Haus verteilt wird. Dabei macht sie nicht auf sich aufmerksam, außer wenn eine überdimensionierte ungeregelte Pumpe störende Strömungsgeräusche verursacht.

Um wie viel Energie geht es?

Eine alte Umwälzpumpe in einem Einfamilienhaus mag Tag und Nacht z. B. 70 Watt brauchen, was in 24 Stunden eine Energiemenge von ca. 1,7 Kilowattstunden ergibt. (In Mehrfamilienhäusern können es ohne Weiteres auch 100 W sein.) Vom elektrischen Gesamtverbrauch des Haushalts kann dieser Verbrauch über 15 % ausmachen. Das muss nicht sein: Eine neue differenzdruckgeregelte Pumpe für ein Einfamilienhaus erledigt dieselbe Aufgabe locker mit 10 bis 20 Watt, bei besonders energiesparenden Modellen teils noch etwas weniger. Wenn man auf diese Weise z. B. 50 Watt über 5000 Stunden im Jahr einspart, sind das 250 kWh pro Jahr, was bei einem Stromtarif von 25 ct/kWh pro Jahr 62,50 € ausmacht. Deswegen kann sich der Austausch einer solchen Pumpe in wenigen Jahren finanziell und ohnehin energetisch amortisieren, selbst wenn die alte Pumpe noch jahrelang klaglos funktioniert hätte.

Unnötiger Dauerbetrieb

Ein weiteres Problem ist, dass viele Umwälzpumpen unnötig im Dauerbetrieb arbeiten – teils sogar im Sommer, weil niemand daran denkt, sie abzustellen. Die elektronische Steuerung der Heizungsanlage sollte dies zwar sicher tun; moderne Steuerungen stellen die Pumpe z. B. auch nachts zeitweise ab, wenn es wegen einer Nachtabsenkung oder bei mildem Wetter ohnehin wenig umzuwälzen gibt. Jedoch sind manche Anlagen falsch eingestellt und verschwenden so viel Energie.

Dezentrale Heizungsumwälzpumpen: noch besser?

Im Prinzip ist es ineffizient, wie üblich eine zentrale Heizungspumpe laufen zu lassen und die Wasserflüsse in den einzelnen Heizkreisen durch Heizkörperthermostate auf das nötige Maß herunterzudrosseln. Bei alten Pumpen führt das Drosseln sogar zu einem erhöhten Strombedarf und oft auch zu Geräuschen. Bei neuen differenzdruckgeregelten Pumpen ist dies nicht mehr der Fall, aber es wäre natürlich trotzdem effizienter, die Leitungen immer voll offen (ungedrosselt) zu lassen und entsprechend weniger stark zu pumpen.

Dieser effizientere Ansatz funktioniert allerdings nur mit dezentralen Heizungspumpen: Jeder Heizstrang (z. B. für ein Zimmer) wird mit einer separaten Mini-Pumpe ausgestattet, die ein elektronischer Raumtemperaturthermostat je nach Bedarf stark, schwach oder gar nicht laufen lässt. Da moderne Thermostate und Mini-Pumpen sehr sparsam laufen können, ist damit ein noch geringerer Strombedarf als mit der üblichen zentralen Lösung möglich. Dem steht allerdings ein massiv höherer Aufwand für die Installation entgegen, allein schon weil jede Pumpe separat mit Strom versorgt werden muss. Es ist sehr fraglich, ob sich dies je lohnen kann, zumal gute zentrale Pumpen ja ohnehin nur recht wenig verbrauchen. Außerdem dürften auch technische Ausfälle bei dezentralen Systemen mit vielen Pumpen häufiger sein.

Warum nicht Schwerkraftsysteme?

Früher waren Schwerkraftsysteme üblich, zumindest für denjenigen Heizstrang, der die Badezimmer versorgt. Hier erfolgt die Umwälzung des Wassers allein aufgrund der Schwerkraft, und eine Pumpe wird gar nicht benötigt. Ist das nicht sinnvoller als das ständige Pumpen?

Leider nein: Schwerkraftsysteme benötigen nämlich eine höhere Temperaturdifferenz für eine ausreichende Umwälzung, selbst wenn die Leitungen stärker dimensioniert sind (was auch Geld kostet und Wärmeverluste vergrößert). Man benötigt also eine höhere Temperatur des Heizkessels, und dessen Bereitschaftsverluste steigen entsprechend an – was viel schlimmer ist als der Strombedarf einer kleinen Pumpe. Bei Wärmepumpenheizungen würde zudem die Effizienz der Wärmepumpe abnehmen.

Also: Umwälzpumpen sind kein echtes Problem, aber es sollten die richtigen sein: richtig dimensionierte, differenzdruckgeregelte und rundherum solide konstruierte Pumpen.

Dieser Artikel erschien als Teil des RP-Energie-Blogs von Dr. Rüdiger Paschotta. Sie können Links auf diese Seite setzen, da ihre Adresse permanent ist, und die Seite auch zitieren. Siehe auch das RP-Energie-Lexikon.

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