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Energiespeicher oder Stromnetze: Was ist die richtige Lösung?

Rüdiger Paschotta

Immer wieder wird in der öffentlichen Diskussion behauptet, dass Energiespeicher, insbesondere Speicher für elektrische Energie, für die Energiewende von entscheidender Bedeutung sind bzw. sein werden. Leider wird dabei häufig übersehen, dass der Bedarf an Speichern und deren Wichtigkeit sehr stark davon abhängen, wie die Energiewende insgesamt durchgeführt wird:

Eine rein nationale Lösung für 100 % Strom aus erneuerbaren Energien würde tatsächlich riesige Speicher voraussetzen.

Massenhaft verfügbare erneuerbare Energien werden leider nicht bedarfsgerecht, sondern wetterabhängig geliefert.

Je kleiner die zu versorgenden Einheiten, desto größer ist im Verhältnis der Bedarf für Speicher, und desto schwieriger ist deren Beschaffung.

Welcher andere Ansatz als ein europäisches Supergrid könnte denn ganz Europa kostengünstig voll mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgen??

Aus meiner Sicht ist der zuletzt genannte Ansatz, nämlich der gesamteuropäische mit einem Supergrid, der einzige, der auf realistische Weise die Vollversorgung Europas mit EE-Strom versprechen kann. Dieser Weg mag auch Probleme mit sich bringen, z. B. die Realisierung zusätzlicher Leitungstrassen – freilich in einem Umfang weit unterhalb dessen, was wir bereits haben – und die Notwendigkeit der Koordination mit vielen Partnern. Es erscheint aber geradezu als lächerlich, deswegen einen so vielversprechenden Ansatz unbeachtet zu lassen und stattdessen zu hoffen, weitere Forschung an Technologien wie Power to Gas oder gar die subventionierte Einführung von Solarstromspeichern auf Batteriebasis würden das Problem schon noch irgendwie lösen.

Weil die Frage “Speicher oder Netze” von so enormer Bedeutung ist, habe ich bereits mehrere Artikel dazu publiziert:

Leider hat sich die oben beschriebene Einsicht bisher noch wenig verbreitet, obwohl z. B. der Physiker Gregor Czisch in seiner Dissertation bereits in 2005 das Potenzial des Supergrid-Ansatzes detailliert aufgezeigt hat und die Probleme der Energiespeicher hinlänglich bekannt sind. Ich sehe hierfür diverse mögliche Gründe:

Was nicht finanzierbar ist, wird niemals unsere Energieprobleme lösen können. Wer eine Lösung will, wird die Finger davon lassen.

Wie motivieren wir Politiker für die Arbeit an echten Lösungen?

In dieser Lage sollte man die Akteure öfters daran erinnern, dass wir eine echte Problemlösung brauchen – und zwar bald. Wir haben vor allem wegen der Klimagefahren keine Zeit, viele Jahre auf Irrwegen zu verbringen und derweil weiter munter Kohle und anderes zu verbrennen. Es wäre bereits viel gewonnen, wenn die Frage “Speicher oder Netze” ernsthaft diskutiert würde, anstatt dass man den angeblichen dringenden Bedarf für neue Speicher unhinterfragt gelten lässt.

Dieser Artikel erschien als Teil des RP-Energie-Blogs von Dr. Rüdiger Paschotta. Sie können Links auf diese Seite setzen, da ihre Adresse permanent ist, und die Seite auch zitieren. Siehe auch das RP-Energie-Lexikon.

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