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Brennholz: ein sinnvoller Ersatz für Heizöl und Erdgas?

Ref.: Lexikonartikel über Holz und Holzpellets

Rüdiger Paschotta

Wenn ein Heizkessel mit Holz anstelle von Heizöl oder Erdgas betrieben wird, bedeutet dies, dass fossile Energieträger durch einen erneuerbaren Energieträger ersetzt werden, und dass Wärme annähernd CO2-neutral erzeugt wird.

Folgt daraus nun, dass es sinnvoll ist, möglichst viele Verbrennungsanlagen für Holz in Betrieb zu nehmen – gleich in welcher Größe? Um diese Frage sinnvoll zu beantworten, sind einige Überlegungen nötig, die im Folgenden ausgeführt werden.

Luftverschmutzung durch Holzverbrennung: abhängig von den Umständen

Die Verbrennung von Holz erzeugt Abgase, die erhebliche Konzentrationen sehr giftiger, teils auch krebserregender Stoffe enthalten können. Hierbei kommt es allerdings sehr stark darauf an, wie die Verbrennungsanlage gestaltet ist, wie sie betrieben wird, und welche Qualität das Brennholz hat:

  • Kleine von Hand beschickte Einzelöfen emittieren oft enorme Mengen von Schadstoffen – vor allem wenn sie unsachgemäß bedient werden und wenn das Brennholz nicht ausreichend getrocknet ist. In vielen Städten verursachen solche Öfen einen erheblichen Teil der gesamten Belastung mit Feinstaub, selbst wenn sie nur einen kleinen Teil des Wärmebedarfs decken. Leider ist immer noch wenig bekannt, wie man einen Holzofen richtig anfeuert: von oben, nicht etwa von unten. (Siehe hierzu den Lexikonartikel über Holz.) Ein weiteres Übel ist, dass in solchen Öfen manchmal gar noch Abfälle mit verbrannt werden. Mit solchen Aktionen lässt sich an einem Tag eine solche Luftverschmutzung verursachen, wie es ein Normalbürger in einem ganzen Jahr insgesamt täte (mit Heizung, Auto, etc.).
  • Mit Holzpellets betriebene Feuerungen sind weitaus besser, weil hier ein gut standardisierter Brennstoff mit einer hierfür optimierten Anlage verbrannt wird. Die Emissionen sind grob vergleichbar mit denen einer Ölheizung, also durchaus akzeptabel. Dies gilt auch für kleine Pelletöfen.
  • Moderne Holzheizkessel für Zentralheizungen – vor allem die etwas größeren für Mehrfamilienhäuser – können auch Stückholz ziemlich schadstoffarm verbrennen.
  • Dasselbe gilt sogar in höherem Ausmaß für große Holzfeuerungen, die z. B. für die Beheizung größerer Gebäude oder für Nahwärme verwendet werden. Hier können auch effektive Abgasreinigungsanlagen eingesetzt werden, die für Kleinanlagen unbezahlbar wären. Zudem ist eine kontinuierliche Überwachung der Anlage durch Fachleute möglich.

Begrenzte Ressourcen

Die Substitution fossiler Energieträger ist ein wichtiges Anliegen z. B. für den Klimaschutz. Es ist aber auch zu beachten, dass auch Holz eine begrenzte Ressource darstellt. Zwar wird es uns bei nachhaltiger Holzwirtschaft nie ausgehen, aber die jährlich gewinnbaren Mengen sind begrenzt. Deswegen hat die massive Zunahme der Nachfrage nach Brennholz in Deutschland bereits zu Holzimporten geführt – wobei manche offenbar aus nicht nachhaltigen Quellen stammen.

Es ist klar, dass dauerhaft (nachhaltig) verfügbare Brennholzmengen nicht ausreichen, um unseren Wärmebedarf größtenteils damit zu decken. Daraus folgt, dass das verfügbare Brennholz dort eingesetzt werden sollte, wo es am besten genutzt werden kann. “Am besten” heißt konkret:

  • Es sollte mit hoher Energieeffizienz genutzt werden, also z. B. nicht in Einzelöfen oder gar offenen Kaminen mit sehr hohen Abgasverlusten. Sonst trägt es weniger zur Substitution bei, als es eigentlich könnte.
  • Idealerweise sollte Kraft-Wärme-Kopplung betrieben werden, um einen Teil der Energie in höherwertiger Form (als elektrische Energie]) zu gewinnen. Es ist zu hoffen, dass die Anlagentechnik hierfür bald noch weitere Fortschritte macht.
  • Die verursachte Luftverschmutzung sollte minimiert werden.
  • Natürlich sollte der Einsatz auch kosteneffizient sein. Wenn eine viel kostengünstigere Lösung z. B. Gelder für zusätzliche Wärmedämmung übrig lässt, lässt sich mit dem gleichen Gesamteinsatz mehr für die Umwelt erreichen.

Diese Kriterien sprechen nun allesamt dafür, die Substitution fossiler Energieträger durch Holz vorzugsweise in großen Anlagen vorzunehmen. Solche bieten nämlich die höchste Energieeffizienz, ermöglichen auch die Kraft-Wärme-Kopplung, arbeiten viel schadstoffärmer als Kleinfeuerungen und sind pro umgesetzter Kilowattstunde viel kostengünstiger. Übrigens ist auch der Transportaufwand für das Holz viel geringer, als wenn die dieselbe Menge auf viele Kleinstverbraucher verteilt werden müsste.

Bei Heizöl und vor allem Erdgas ist es anders: Diese lassen sich auch in Kleinanlagen problemlos und effizient verwenden. Die Probleme der dezentralen Nutzung sind also bei Heizöl und Erdgas viel geringer als bei Holz.

Fazit

Die Verwendung von Brennholz in großen Anlagen sollte weiter vorangetrieben werden – wo möglich auch mit Kraft-Wärme-Kopplung. Für die Erzeugung großer Mengen von Heizwärme sind Erdgas und Heizöl schlicht zu wertvoll.

Die Verwendung in sehr kleinen Anlagen ist dagegen meist nicht sinnvoll. Von Hand beschickte Holzöfen für Stückholz und offene Kamine sollten verboten werden, da sie oft zu einer massiven Luftverschmutzung führen. Moderne Holzheizkessel z. B. für Mehrfamilienhäuser, idealerweise mit Holzvergasertechnik, sind diesbezüglich viel besser und auch effizienter. Ähnliches gilt für Pelletheizungen. Allerdings schlagen die Investitions- und Wartungskosten umso mehr zu Buche, je kleiner die Anlage ist.

Sehr unsinnig ist es jedenfalls, Brennholz in kleinen Öfen dezentral zu nutzen, während große Feuerungen weiterhin mit Erdgas oder Heizöl betrieben werden.

Nachtrag vom 13.01.2014

Ein Leser hat der Meinung widersprochen, dass von Hand beschickte Holzöfen für Stückholz und offene Kamine verboten werden sollten – schließlich feure er doch völlig korrekt. Das mag sein, jedoch ist mir keine andere Maßnahme bekannt, mit der man das weit verbreitete Problem der starken Luftverschmutzung durch solche Öfen lösen könnte. Und es sollte unbedingt gelöst werden, da damit erhebliche Gesundheitsgefährdungen verbunden sind. Die Feinstaubbelastung in Städten ist vielerorts höher als akzeptabel, und Öfen tragen hierzu erheblich bei.

Wenn die Umrüstung von Gas- auf Holzheizung wie besprochen problematisch ist, fragt sich natürlich, was man in kleinen Häusern denn sonst tun sollte. Die Reduktion des Wärmebedarfs ist meist der allerbeste Ansatz, und die energetische Sanierung mit Wärmedämmung ist in der Regel der richtige Weg – jedenfalls dann, wenn das Gebäude noch viele Jahre lang bestehen soll. Wenn man den Gas- oder Heizölverbrauch damit um einen Faktor 2 oder 4 reduziert, ist der Umwelt damit viel mehr gedient als bei einem kompletten Ersatz durch Holz.

Dieser Artikel erschien als Teil des RP-Energie-Blogs von Dr. Rüdiger Paschotta. Sie können Links auf diese Seite setzen, da ihre Adresse permanent ist, und die Seite auch zitieren. Siehe auch das RP-Energie-Lexikon.

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