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Elektromobilität am falschen Ort zum falschen Zweck

Ref.: Lexikonartikel über Elektromobilität, Elektroauto, Klimaschutz und CO2-Vermeidungskosten

Rüdiger Paschotta

Die Einführung bzw. Ausweitung der Elektromobilität wird häufig als ein entscheidendes Mittel für den Klimaschutz angesehen. Dies erscheint auch zunächst als plausibel, da in der Tat ein wesentlicher Teil der fossilen Energieträger im Verkehrsbereich verbraucht wird. Leider ist es aber nicht so einfach, und zwar aus mehreren Gründen.

Elektroautos mit Kohlestrom – nicht gerade sauber

Wenn Elektroautos mit Strom aus Kohlekraftwerken betrieben werden, ist der resultierende Umweltnutzen sehr fragwürdig. Beim durchschnittlichen Pkw im normalen Einsatz mag er manchmal sogar negativ sein: Die Emissionen der Kraftwerke wiegen schwerer als die entfallende Verbrennung von Benzin. In anderen Fällen ist zumindest der Umweltnutzen sehr beschränkt.

Im Prinzip kann man dieses Problem komplett beseitigen, indem man Elektroautos mit Ökostrom betreibt – aber nur, wenn es Ökostrom in einem substanziellen Sinne handelt. Offenkundig hilft es überhaupt nicht, den Elektroautos auf dem Papier z. B. einen Teil der Stromerzeugung aus Photovoltaik oder Wasserkraftwerken zuzuschreiben, wenn dadurch gleichzeitig der “Dreckstrom”-Anteil für andere Verbraucher entsprechend ansteigt. Nur speziell für die Elektroautos zusätzlich sauber erzeugter Strom macht Elektroautos wirklich sauber. Dies ist heute ohne Weiteres möglich, da es viele seriöse Ökostromanbieter gibt. Aber geschieht das auch in der Praxis? Konkret: Könnte man sich darauf verlassen, wenn mit staatlicher Förderung mehr Elektroautos auf den Markt gedrückt werden?

Extrem hohe CO2-Vermeidungskosten

Wer Klimaschutz ernsthaft will, wird ihn mit ökonomischen Sachverstand betreiben – schließlich kann Klimaschutz nur scheitern, wenn er unbezahlbar wird. Konkret muss man die CO2-Vermeidungskosten verschiedener Maßnahmen im Auge behalten. Leider schneiden gerade hierbei Elektroautos in der Regel sehr schlecht ab: Vor allem teure Batterien führen dazu, dass Mehrkosten von vielen tausend Euro entstehen, die oft nur wenige Tonnen CO2 pro Jahr vermeiden helfen. Wenn dagegen gut ausgewählte Projekte der energetischen Sanierung von Gebäuden durchgeführt werden, können viel geringere CO2-Vermeidungskosten resultieren – teils sogar negative!

Ökostrom hilft – braucht es zusätzlich noch das Elektroauto?

Wenn zusätzlicher Ökostrom hergestellt wird, kann dieser der Umwelt auch ganz anders nützlich werden: ganz einfach beim Ersatz von Kohlestrom. Der Umweltnutzen ist dabei ziemlich ähnlich dem, wie wenn man mit dem gleichen Strom Benzin in Autos ersetzt. Fazit: Ökostrom-Erzeugung hilft der Umwelt sehr, aber es hilft kaum zusätzlich, auch noch Elektroautos anzuschaffen, um diesen Strom damit zu verbrauchen und dafür Kohlekraftwerke weiterhin laufen zu lassen.

Dies gilt zumindest heute und für die nächsten Jahrzehnte. In einer fernen Zukunft, in der die fossilen Energieträger ohnehin schon weitestgehend aus der Stromerzeugung und der Heizwärmerzeugung verdrängt sind und hauptsächlich noch im Verkehr Einsatz finden, wird es anders sein: Dann gilt es, den Ausstieg aus den fossilen Energieträgern auch noch im Verkehrsbereich zu vollziehen.

Hilfreiche Formen der Elektromobilität

Es soll nun aber keineswegs der Eindruck erweckt werden, Elektromobilität tauge nichts für den Klimaschutz. Es kommt aber darauf an, wie man es macht:

  • Im öffentlichen Verkehr wird die Elektromobilität schon längst sehr nützlich eingesetzt: Es gibt elektrische Lokomotiven, Straßenbahnen und Elektrobusse. Es ist sehr sinnvoll, dies weiter auszubauen, z. B. Bahnen weiter zu elektrifizieren, ebenso Stadtbusse – manchmal über den Zwischenschritt des Hybridantriebs.
  • Elektrisch angetriebene leichte Fahrzeuge wie z. B. sehr kleine Autos für den Stadtverkehr und besser noch Elektro-Fahrräder (E-Bikes) sind sehr umweltfreundlich. Dies übrigens meist mehr wegen ihres geringen Gewichts und daher geringen Energieverbrauchs als wegen ihres elektrischen Antriebs. Übrigens ist hier das Kostenproblem auch nicht so groß, da man ja nur kleine Batterien braucht. Allerdings spart auch das E-Bike keine Energie, wenn es nur das konventionelle Fahrrad ersetzt.
  • Auch bei größeren Fahrzeugen wie Pkws und Lieferwagen ist der Elektroantrieb sehr hilfreich, soweit es um Fahrzeuge geht, die sehr viel im Stadtverkehr betrieben werden – z. B. beim Einsatz als Taxis und für den städtischen Post- und Lieferverkehr. Im Stadtverkehr kommt nämlich die höhere Energieeffizienz des elektrischen Antriebs (mit vermiedenem Leerlaufverbrauch und mit Bremsenergierückgewinnung) stärker zur Geltung, und die vielen Kilometer pro Jahr machen die Amortisation ebenfalls einfacher.

Was machen Politik und Autoindustrie?

Leider orientiert sich die Politik z. B. der deutschen Bundesregierung kaum an vernünftigen Wegen, sondern möchte einfach irgendwie mehr Elektroautos auf den Markt bringen, um damit ein Eintreten für Klimaschutz zu simulieren. Extrem stoßend ist, dass die Bundesregierung dabei sogar die Elektromobilität missbraucht hat, um Klimaschutzziele abzumildern. Konkret zeigt sich dies daran, dass für verkaufte Elektroautos sogenannte “Supercredits” vergeben werden sollen, die den Herstellern erlauben, den CO2-Ausstoß der konventionellen Fahrzeuge weniger stark zu senken. Die Elektroautos sollen so stark angerechnet werden, dass der CO2-Ausstoß insgesamt damit sogar höher ausfällt. Damit wird klar, was für die Bundesregierung und die sie offenkundig steuernde Autoindustrie die eigentliche Rolle der Elektromobilität ist: Es geht darum, die Auswirkungen des Klimaschutzes auf die Autoindustrie abzumildern. Und ausgerechnet dies wird uns Bürgern als Klimaschutz verkauft.

Dieser Artikel erschien als Teil des RP-Energie-Blogs von Dr. Rüdiger Paschotta. Sie können Links auf diese Seite setzen, da ihre Adresse permanent ist, und die Seite auch zitieren. Siehe auch das RP-Energie-Lexikon.

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