RP-Energie-Lexikon
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Fehlende Wärmedämmung schützt nicht vor sommerlicher Überhitzung

Rüdiger Paschotta

An heißen Sommertagen leiden viele Menschen unter unangenehm hohen Temperaturen in Wohnräumen. Vereinzelt wird geglaubt, in Häusern mit guter Wärmedämmung wäre das noch schlimmer, da die von Sonneneinstrahlung, Geräten und Menschen eingebrachte Wärme damit noch schwerer entweichen könne. Dies ist allerdings eine ziemlich falsche Vorstellung:

Grundlegend kommt es für den sommerlichen Hitzeschutz weniger auf die Wärmeleitung an, sondern vor allem darauf, den Wärmeeintrag in das Gebäude zu minimieren. Dafür braucht man vor allem einen äußeren Sonnenschutz (also z. B. Jalousien außerhalb der Glasscheiben) und sollte zusätzlich innere Wärmequellen (z. B. unnötig laufende ineffiziente Elektrogeräte) vermeiden. Die Belüftung sollte vorwiegend in den Zeiten mit niedrigeren Außentemperaturen (nachts und morgens) erfolgen. Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung in einem Wärmeübertrager minimiert den Wärmeeintrag auch an heißen Tagen, weil im Wärmeübertrager dann die Frischluft ausnahmsweise mit Hilfe kühlerer Abluft gekühlt anstatt vorgewärmt wird. Wunder darf man davon freilich nicht erwarten: Ist das Haus einmal heiß, hilft das Lüften auch damit nur noch in der Nacht.

Ein manchmal übersehener Faktor ist die Wärmekapazität der Baumaterialien. Wenn ein Raum im Dachgeschoss bestens wärmegedämmt ist, aber vorwiegend aus leichten Baumaterialien mit wenig Wärmespeicherfähigkeit gemacht ist, führt bereits ein geringer Wärmeeintrag z. B. durch nicht perfekten Sonnenschutz zu einer zunehmenden Aufwärmung im Laufe des Tages. Eine Klimaanlage könnte dieses Problem mit relativ geringem Energieaufwand lösen, da ja nur wenig Wärme entfernt werden muss. Eine elegantere Lösung sind freilich zusätzliche Wärmespeicherelemente, z. B. aus Wand- oder Deckenplatten mit eingebautem Latentwärmespeichermaterial.

Bewohner können viel falsch machen. Häufig denkt man z. B. nicht an das Betätigen des Sonnenschutzes, bevor die Räume zu warm werden. (Ein Ventilator könnte eine kühlende Luftbewegung besser besorgen.) Oder man reißt die Fenster gerade dann auf, wenn es draußen schon sehr heiß ist. Dann betreibt man womöglich im Esszimmer noch den Elektrogrill, anstatt Salate zu essen.

Jedenfalls zeigt die Erfahrung ganz klar, dass das sommerliche Schwitzen nicht speziell ein Problem von gut wärmegedämmten Neubauten ist, sondern in Altbauten genauso oft vorkommt. Wie gesagt hat die Wärmedämmung ja ohnehin nur beim Dach einen starken Einfluss auf die sommerlichen Temperaturen innen – und zwar einen positiven (senkenden). Wichtige andere Faktoren wie Sonnenschutz haben mit der Wärmedämmung gar nichts zu tun. Allenfalls hat die bei Altbauten oft bessere Wärmespeicherkapazität (dicke Steinwände) einen wesentlichen positiven Effekt, der vor allem leichten Fertighäusern und Holzhäusern oft fehlt.

Dieser Artikel erschien als Teil des RP-Energie-Blogs von Dr. Rüdiger Paschotta. Sie können Links auf diese Seite setzen, da ihre Adresse permanent ist, und die Seite auch zitieren. Siehe auch das RP-Energie-Lexikon.

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