RP-Energie-Lexikon
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Der RP-Energie-Blog

Unser Öl droht noch viel dreckiger zu werden

Rüdiger Paschotta

Die Gewinnung von Erdöl war schon immer oder zumindest in vielen Fällen ein sehr dreckiges Geschäft; man denke beispielsweise nur an die Ausbeutung von Ölvorkommen in Nigeria durch Shell ohne Rücksicht auf die dortige arme Bevölkerung, die nicht nur nicht davon profitiert, sondern sogar massiv geschädigt wird. Eine andere schlimme, immer noch verbreitete Praxis ist das nutzlose Abfackeln von schwer nutzbarem Begleitgas. Es geht aber durchaus noch wesentlich schlimmer, jedenfalls was die globalen ökologischen Folgen angeht: Die Gewinnung von Erdöl aus Teersanden in Kanada verwüstet großflächig Landschaften, zerstört Urwälder, vergiftet Böden und Gewässer und ist zudem sehr klimaschädlich. Auch die CO2-Emissionen sind bei dieser Art der Erdölgewinnung markant höher als bei der Nutzung konventioneller Vorkommen, selbst wenn man von der späteren Wiederherstellung der zerstörten Wälder ausgeht (was angesichts der massiven Vergiftung der Böden und Gewässer schwierig sein dürfte). Konsequenterweise hat Kanada die Mitwirkung z. B. am Kyoto-Protokoll abgelehnt und versucht weltweit, den Klimaschutz möglichst stark zu unterminieren, um sein Geschäft zu schützen.

Die EU hat nun mit Kanada das Freihandelsabkommen Ceta ausgehandelt, und kürzlich ist bekannt geworden, dass dieses nun auch den Import des dreckigen Öls aus Kanada nach Europa ermöglichen soll. Dies ist ein veritabler Erfolg der kanadischen Öllobby und steht in starkem Kontrast zu den vorherigen Behauptungen von EU-Politikern, Umweltstandards würden von diesen Abkommen keineswegs betroffen.

Freilich ist der Schaden noch nicht endgültig angerichtet: Das EU-Parlament und die Mitgliedstaaten werden sich zunächst noch mit der Sache befassen müssen. Es bleibt zu hoffen, dass das Vorhaben auf massive Widerstände in Politik und Bevölkerung treffen wird.

Womöglich wird das gesamte Ceta-Abkommen am Ende daran noch scheitern. Jedenfalls wird die Sache mit dem Drecksöl zu einer Steilvorlage für die Gegner solcher Freihandelsabkommen, was auch TTIP betreffen dürfte. Man muss ja gewiss kein eingefleischter Globalisierungsgegner sein, um die Durchsetzung dermaßen umweltschädlicher Praktiken für völlig inakzeptabel zu halten.

Leider wird man aber als Verbraucher von Erdölprodukten nie mehr ausschließen können, zur Nutzung extrem umweltschädlicher Fördermethoden beizutragen. Selbst wenn es uns gelänge, keinerlei Öl aus solchen Quellen zu kaufen, sondern nur solches aus vergleichsweise sauberen, würde durch unsere Käufe die generelle Ölnachfrage gestützt und damit auch der Anreiz für die Ausbeutung von Teersandvorkommen und ähnlichem gestärkt. Der einzige wirklich wirksame Beitrag gegen solche Probleme ist es, den Ölkonsum so weit wie möglich zu reduzieren. Dafür haben wir ja auch als Bürger etliche Möglichkeiten, beispielsweise den Kauf relativ umweltfreundlicher Autos, den verantwortlichen Einsatz derselben (z. B. Vermeidung unnötiger oder unnötig schneller Fahrten), die Vermeidung unnötiger Flugreisen und Kreuzfahrten (auf Unmengen von dreckigem Schweröl verbrennenden Schiffen) und die energetische Sanierung unserer Häuser. Dies mag mehr Einsatz erfordern, als z. B. nur gegen verantwortungslose Politiker zu protestieren, bringt dafür aber auch echte Vorteile.

Dieser Artikel erschien als Teil des RP-Energie-Blogs von Dr. Rüdiger Paschotta. Sie können Links auf diese Seite setzen, da ihre Adresse permanent ist, und die Seite auch zitieren. Siehe auch das RP-Energie-Lexikon.

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