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Zukünftige Kosten des Solarstroms

Ref.: Current and Future Cost of Photovoltaics, eine Studie des Fraunhofer-Instituts für solare Energiesysteme (ISE) im Auftrag von Agora Energiewende (2014), http://www.agora-energiewende.de/service/publikationen/publikation/pub-action/show/pub-title/current-and-future-cost-of-photovoltaics/

Rüdiger Paschotta

In den letzten Jahren sind die Kosten der Photovoltaik enorm gefallen – wesentlich mehr, als die meisten Fachleute erwartet hätten. So konnte die Einspeisevergütung für Solarstrom aus neuen Anlagen im Januar 2015 auf 8,7 ct/kWh gesenkt werden. Damit liegt man mit den Herstellungskosten bereits deutlich unter den Werten, die für Strom aus neuen Kernkraftwerken zu veranschlagen wären, und in etwa im Bereich der Werte, die für neue Kohle- oder Gaskraftwerke gelten würden.

Nun stellt sich natürlicherweise die Frage, ob die Kosten in den nächsten Jahrzehnten weiterhin massiv sinken können. Genau dieser Frage ist das Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme (ISE) nachgegangen im Rahmen einer Studie, die von Agora Energiewende in Auftrag gegeben worden war. Die Resultate sind sehr ermutigend. Man kam zum Schluss, dass Stromerzeugungskosten im Bereich von 4 bis 6 ct/kWh in 2025 und sogar nur 2 bis 4 ct/kWh in 2050 in Europa erreicht werden sollten. Somit würde die Photovoltaik in den nächsten Jahrzehnten zu einer der kostengünstigsten Quellen für elektrische Energie – obwohl sie vor kurzem noch bei Preisen lag, die für viele als praktisch unbezahlbar galten.

Natürlich hängen die Resultate einer solchen Studie entscheidend davon ab, wie optimistisch oder pessimistisch diverse Annahmen sind, auf die man sich stützt. Mir scheint, dass man durchaus nicht übertrieben optimistisch gearbeitet hat. Beispielsweise wird angenommen, dass sich die Kostenreduktion in den nächsten Jahrzehnten weitaus langsamer entwickeln wird als in den vergangenen Jahren. Ebenfalls betrachtet man nur die heute dominierende Technologie der Solarzellen auf der Basis von kristallinem Silizium; falls eine der anderen Technologien das Silizium überholen wird, werden die Kosten natürlich noch weiter fallen.

Interessant, aber auch sehr schwierig zu beantworten ist die Frage, welchen Anteil an der globalen Stromerzeugung die Photovoltaik zukünftig haben wird. Naiv betrachtet könnte man ja meinen, angesichts der so niedrigen Preise in Kombination mit den bei den konventionellen Erzeugungsarten steigenden Preisen müsse sich ein sehr hoher Anteil der Photovoltaik ergeben. Allerdings muss unbedingt berücksichtigt werden, dass der Solarstrom eben wetterabhängig und nicht bedarfsgemäß erzeugt wird. Wie groß sein Anteil werden wird, hängt deswegen von vielen Faktoren ab: nicht nur von der Steigerung des gesamten Strombedarfs, sondern vor allem auch vom Ausbau der Stromnetze (bauen wir ein europäisches Supergrid?) und der Speicher für elektrische Energie. Die vom ISE erarbeiteten Studien gehen allerdings ohnehin weitgehend von einem recht moderaten Anteil der Photovoltaik (Größenordnung von 20 %) aus, in dem der fluktuierende Charakter des Solarstroms noch gut tolerierbar bleiben sollte.

Insgesamt darf man wohl davon ausgehen, dass die Photovoltaik in den meisten Ländern der Erde in den nächsten Jahrzehnten einen deutlichen Anteil der Stromerzeugung übernehmen wird und dabei vermutlich zu den kostengünstigsten verfügbaren Stromquellen gehören wird. Trotzdem ist es derzeit nicht wahrscheinlich, dass in absehbarer Zeit ein Anteil von erheblich mehr als einem Viertel der globalen Stromerzeugung auf Photovoltaik basieren kann, oder dass sich manche Länder weitgehend damit versorgen; hierfür würden große und kostengünstige Speicherkapazitäten benötigt, deren Realisierung bislang nicht absehbar ist. Somit ist auch die Photovoltaik wohl nicht die Lösung aller Probleme im Strombereich, bringt aber langfristig doch einen sehr wesentlichen Beitrag.

Die breite Verfügbarkeit von ziemlich billigem Strom – wenn auch zeitlich leider kaum steuerbar – dürfte auch zu einer Ausweitung des Stromeinsatzes führen, insbesondere im Wärmesektor. Die Kapazitäten werden nämlich in absehbarer Zeit so hoch werden, dass die direkte Stromnutzung für die bisherigen Anwendungen an ihre Grenzen stößt. Voraussichtlich wird dann Power to Heat, also die Umwandlung überschüssigen Solarstroms in Wärme, zunehmend an Bedeutung gewinnen. Viele Öl- und Erdgasfeuerungen werden mit zusätzlichen elektrischen Heizelementen ausgestattet werden, um den Brennstoff einzusparen, immer wenn überschüssiger Strom anfällt.

Dieser Artikel erschien als Teil des RP-Energie-Blogs von Dr. Rüdiger Paschotta. Sie können Links auf diese Seite setzen, da ihre Adresse permanent ist, und die Seite auch zitieren. Siehe auch das RP-Energie-Lexikon.

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