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Heizungsaustausch vor oder nach der Gebäudesanierung?

Rüdiger Paschotta

Dieser Artikel ist geeignet als ein fundierter Ratgeber für Hausbesitzer.

Häufig wird gesagt, der Austausch einer alten Heizungsanlage sei eine weitaus lohnendere Maßnahme als eine umfassende energetische Sanierung eines Gebäudes, und dass man dies deswegen auf jeden Fall zuerst vornehmen sollte. Anderswo hört man aber genau das Gegenteil – was stimmt nun?

Richtig ist zunächst einmal, dass die Amortisationszeit bei einer Heizungserneuerung meistens deutlich geringer ist als bei der Ausstattung eines Gebäudes mit einer Wärmedämmung oder auch mit neuen Fenstern. Von erscheint es natürlich als vernünftig, diese Maßnahme als erste zu ergreifen.

Unsanierte Häuser noch jahrzehntelang weiter zu betreiben, ist mit dem Klimaschutz unmöglich vereinbar.

Andererseits muss man sich aber bewusst sein, dass der Heizungsaustausch allein bei vielen alten Gebäuden auf Dauer nie und nimmer genügen wird. Auch wenn man damit beispielsweise 30 % Heizenergie einspart, sind die verbleibenden 70 % häufig immer noch viel zu viel. Wenn beispielsweise ein älteres Einfamilienhaus 50 000 kWh Heizwärme pro Jahr benötigt und diese mit Erdgas erzeugt wird, wird auch der beste Heizkessel pro Jahr nicht weniger als 50 000 kWh Erdgas verbrauchen und somit übrigens auch mindestens zehn Tonnen klimaschädliches CO2 ausstoßen. (Der Klimaschutz erfordert, dass wir langfristig nur noch eine Tonne CO2 pro Person und Jahr ausstoßen – wohlgemerkt nicht für die Heizung, sondern für alles zusammen!)

Macht es Sinn, die energetische Sanierung eines Hauses jahrelang hinauszuzögern, wenn man auf Dauer ohnehin nicht darum herum kommt?

Momentan sind Heizöl und Erdgas zwar immerhin relativ preisgünstig, aber allzu lange dürfte diese Situation keinen Bestand haben, und dann werden einem steigende Heizkosten wieder jedes Jahr gründlich zusetzen – und dies mit einer kaum absehbaren Kostenentwicklung. Wenn das Gebäude nun aber noch für viele Jahrzehnte genutzt werden soll, wird man früher oder später ohnehin nicht mehr um eine grundlegende energetische Sanierung herumkommen; es ist nun einmal so, dass ein Gebäude alle paar Jahrzehnte erhebliche Investitionen braucht, um in gutem Zustand zu bleiben und den sich allmählich ändernden Anforderungen weiterhin zu genügen.

Was gewinnt man durch langes Hinauszögern?

Je später die Sanierung durchgeführt wird, desto weniger profitiert man von ihrem Nutzen.

Wenn man dies einmal verstanden hat, wird man sich überlegen, welchen Sinn es hat, die Sanierung noch möglichst lange hinauszuzögern; schließlich reduziert man damit nur den Nutzen, den man in der restlichen Betriebszeit des Gebäudes erzielen kann, aber wohl kaum die Kosten. Wenn beispielsweise ein Gebäude noch 50 Jahre lang genutzt werden soll und sich eine energetische Sanierung bei heutigen Energiepreisen innerhalb von 20 Jahren amortisiert (und danach richtig Gewinn abwirft), wäre es sicherlich dumm, diese Sache erst 25 Jahre später durchzuführen. Anders wäre es höchstens, wenn man mit sinkenden Preisen z. B. durch neue Wundertechnologien rechnen könnte – das wird jedoch gerade im Baubereich wenig realistisch sein.

Übrigens erleichtern die derzeit sehr niedrigen Zinsen natürlich jede Investition. Ob das in zehn oder zwanzig Jahren noch so sein wird, wissen wir nicht.

Sinnvoll koordinierte Maßnahmen durchführen!

Wenn nun aber eine energetische Sanierung in absehbarer Zeit erfolgen soll, ist es absolut anzuraten, den Heizungstausch als einen Teil davon zu betrachten und die verschiedenen Maßnahmen klug aufeinander abzustimmen. Je nach konkretem Fall können unterschiedliche Aspekt relevant sein – hier einige Beispiele:

  • Oft wird es erst durch eine gute Wärmedämmung möglich und sinnvoll, eine Wärmepumpenheizung einzusetzen. Da wäre es doch schade, einige Jahre vorher noch Geld für einen neuen Gasheizkessel auszugeben.
  • Wenn zukünftig ein Teil der Wärme für Heizung und Warmwasser mit Sonnenenergie erzeugt werden soll, kommt es wiederum günstiger, gleich eine Heizungsanlage mit Solarnutzung einzubauen, anstatt erst einen neuen Heizkessel (evtl. mit Warmwasserspeicher) zu installieren und erst später dann die benötigten zusätzlichen Komponenten (womöglich mit Ersatz des dann nicht mehr verwendbaren Warmwasserspeichers).
  • Wenn eine gründliche energetische Sanierung nach Einbau einer neuen Heizungsanlage erfolgt, ist letztere danach oft stark überdimensioniert. Das ist zwar im Falle eines Brennwertkessels meist kein besonderes Problem, da dieser gerade auch im Teillastbetrieb sehr effizient arbeiten kann. Wenn es dagegen ein Heizkessel für Holzpellets wäre, würde man einiges an Effizienz verlieren und womöglich auch unnötig viel für den Heizkessel und das Pelletlager zahlen.

In jedem Fall ist sehr zu raten, die Lage gründlich von einem kompetenten Energieberater analysieren zu lassen, bevor man erheblich Geld für Umbauten ausgibt. Wenn man an der falschen Stelle spart, wird es nämlich am Ende oft unnötig teuer.

Mein Fazit: Die Meinung, der Heizungstausch bringe das beste Verhältnis von Kosten und Nutzen und solle deswegen zuerst durchgeführt werden, ist zwar durchaus nicht unbegründet. Es ist aber trotzdem sinnvoll, erst einmal über die weitere Zukunft des Hauses nachzudenken. Sollen das noch viele Jahrzehnte sein, wird eine umfassende energetische Sanierung ohnehin kommen müssen – und dann sinnvollerweise besser früher als später und in Form eines durchdachten Gesamtpakets.

Siehe auch unseren Lexikonartikel über Heizungserneuerung. Übrigens habe ich beim Energieblogger Andreas Kühl einen interessanten Artikel zur Berichterstattung über energetische Gebäudesanierung gefunden.

Dieser Artikel erschien als Teil des RP-Energie-Blogs von Dr. Rüdiger Paschotta. Sie können Links auf diese Seite setzen, da ihre Adresse permanent ist, und die Seite auch zitieren. Siehe auch das RP-Energie-Lexikon.

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