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Ausgebaute oder zerstörte Dieselpartikelfilter: eine böse Umweltschweinerei

Rüdiger Paschotta

Bekanntlich ist vielerorts die Belastung der Atemluft mit schädlichem Feinstaub, insbesondere mit den besonders schädlichen Rußpartikeln von Dieselmotoren, viel zu hoch. Auch wenn die gesundheitlichen Folgen dieser Art von Luftschadstoffen noch längst nicht komplett erforscht sind, ist doch klar, dass es sich um eine schwere Gesundheitsgefährdung handelt und nicht etwa nur um eine gewisse lästige Sache, die man eben hinnehmen muss.

Aus diesem Grund wurden die Abgasgrenzwerte für Fahrzeuge bereits vor Jahren so verschärft, dass die geltenden Grenzwerte für Feinstaub-Emissionen von Fahrzeugen mit Dieselmotor nur noch mithilfe eines Rußpartikelfilters eingehalten werden können. Diese Filter sind mittlerweile ziemlich gut wirksam – entgegen mancherorts zirkulierenden Gerüchten durchaus nicht nur für groben Ruß, sondern auch für den gefährlichen Feinstaub. Interessanterweise können die Filter nämlich auch solche Partikel gut zurückhalten, deren Durchmesser weitaus kleiner ist als der der Filterporen, da die Partikel nämlich auf dem Weg durch den Filter früher oder später an eine Filterwand stoßen und dort hängen bleiben.

Von daher könnte man nun denken, dass dieses Problem nun erledigt sei und bei Dieselmotoren nur noch die Stickoxid-Problematik zu behandeln wäre. (Der in 2015 bekannt gewordene Diesel-Abgasskandal bezieht sich nur hierauf.) Leider ist dies aber durchaus nicht so. Vor allem in Internet-Foren für Autofahrer, kaum jedoch in der Presse findet man Informationen darüber, dass offenbar manche Werkstätten und Motortuning-Firmen den Autofahrern anbieten, den Dieselpartikelfilter entweder komplett auszubauen oder aber so zu durchbohren, dass er völlig unwirksam wird. Zusätzlich wird noch die Motorsteuerung so manipuliert, dass sie keine Störung meldet. (Letzteres ist meist gemeint, wenn von einer “Deaktivierung” des Filters gesprochen wird.)

Offensichtlich gibt es eine gewisse Nachfrage für dieses Angebot, welches nach der geltenden Rechtslage zwar für den Autobesitzer finanziell ziemlich gefährlich ist (siehe unten), offenbar aber nicht für denjenigen, der diese Arbeit durchführt. Es heißt, solche Leute ließen vom Kunden unterschreiben, dass er die alleinige Verantwortung für das Fahren ohne wirksamen Partikelfilter trägt, und damit seien sie sicher vor rechtlicher Verfolgung – obwohl sie ja ganz bewusst Maßnahmen durchführen, die zu massiven Umwelt- und Gesundheitsgefährdungen führen.

Warum tut man so etwas?

Natürlich hat niemand Lust, eine solche Maßnahme zu bezahlen, nur um die Umwelt und die menschliche Gesundheit massiv zu belasten. Jedoch haben offenbar viele Fahrer von Diesel-Autos (vor allem nach deutlich über 100 000 Kilometern) das Problem, dass ihr Partikelfilter trotz der immer wieder durchgeführten Regeneration für das Abgas nicht mehr genügend durchgängig ist – mit der Folge, dass die Motorleistung nachlässt und der Kraftstoffverbrauch steigt; sogar Motorschäden sind möglich.

Das dahinter steckende Problem ist offenbar im Kern, dass sich in Partikelfiltern mit der Zeit nicht nur Ruß absetzt, der bei einer Regeneration weitgehend verbrannt werden kann, sondern auch eine Art von Asche, bestehend aus metallischen und mineralischen Stoffen – etwa aus Abrieb im Motor, Verunreinigungen im Kraftstoff oder Additiven im Schmieröl. Diese Asche kann durch eine normale Regeneration nicht entfernt werden. Die Motorsteuerung versucht es aber dann mit häufigeren Regenerationen, die für sich genommen auch schon lästig sind und den Dieselverbrauch erhöhen.

Die Hersteller schlagen dann den Ersatz des Filters durch einen neuen Filter vor, was aber leider recht teuer ist. Es gibt auch Reinigungsverfahren, die in einer Werkstatt durchgeführt werden können (oder auch in einer Spezialfirma, der der Filter zugeschickt wird); hierfür muss der Filter ausgebaut, entsprechend gereinigt und wieder eingebaut werden. Fahrzeughersteller und auch der ADAC raten allerdings davon ab, da nicht klar ist, ob man damit den gewünschten Effekt nachhaltig erzielt.

Nun ist bisher nicht völlig klar, weshalb nicht immer einfach der Ersatz des Partikelfilters oder wenigstens ein Reinigungsverfahren vorgenommen wird, und vor allem wie häufig bestimmte Gründe hierfür sind. Es gibt jedoch verschiedene mögliche Gründe:

  • Die wohl beste Maßnahme – der Austausch des Partikelfilters – ist leider recht teuer. Gerade bei einem älteren Auto schmerzt dies sehr.
  • Auch die Kosten für eine wirksame Filterreinigung liegen erheblich höher als beim Ausbau oder der Zerstörung des Filters. Auch der Zeitaufwand kann deutlich höher sein – u. U. mehrere Arbeitstage. Hinzu kommt die Unsicherheit, ob das Problem damit auch wirklich behoben wird. Es kann nämlich sein, dass die Reinigung gar nicht funktioniert. Wohlgemerkt gibt es hierfür ganz unterschiedliche Verfahren, die die Firmen aber geheim halten; vermutlich funktionieren nicht alle davon wirklich gut, und darüber weiß man gerade als Kunde nichts.
  • Manchmal wurde der Filter ohnehin schon zerstört – etwa durch eine schiefgegangene Regeneration oder eine massive Überlastung beim Autobahn-Rasen.
  • Gewisse “Sportler” scheinen von der Hoffnung getrieben zu sein, ohne Partikelfilter noch ein paar mehr PS zu bekommen und damit mehr Spaß am Rasen.
  • Der Kraftstoffverbrauch kann ohne Filter etwas niedriger sein, vor allem wenn durch die Manipulation der Motorsteuerung keine Filterregenerationen mehr durchgeführt werden. Mancher mag sich daraus ein ökologisches Alibi konstruieren – mehr Ruß, dafür aber etwas weniger CO2-Emissionen.

Was sind die Folgen?

Die Folgen eines Ausbaus oder der gezielten Zerstörung eines Partikelfilters sind vielfältig:

  • Auf jeden Fall steigen die Feinstaub-Emissionen des Fahrzeugs ganz massiv an (zumindest bei Vollgas an dunklen Schwaden erkennbar). Sie können sogar deutlich höher sein, als wenn das Fahrzeug von vornherein (wie früher) ohne Partikelfilter konzipiert worden wäre. Die Motorsteuerung kann nämlich erhöhte Partikelemissionen des Motors z. B. zugunsten einer besseren Stickoxid-Verminderung in Kauf nehmen in der Annahme, dass die Partikel ohnehin vom Filter zurückgehalten werden – was dann aber eben nicht mehr der Fall ist. So oder so ist ein solches Verhalten extrem verantwortungslos, nachdem die massiven Gesundheitsgefahren von Feinstaub ja inzwischen jedermann bekannt sein müssten.
  • Es kann auch zu unerwarteten technischen Nebenwirkungen auf das Fahrzeug kommen. Beispielsweise könnte der ungewöhnlich niedrige Abgas-Gegendruck bei voller Motorlast eine Beschädigung des Turboladers verursachen, was am Ende vermutlich weit teurer käme als ein Austausch oder eine Reinigung des Filters.
  • Hinzu kommt das hohe rechtliche und finanzielle Risiko für denjenigen, der mit einer solchen Manipulation erwischt wird. Dies ist nämlich eine Straftat, zu der eine ganze Reihe von Aspekten gehören kann: das Fahren ohne Betriebserlaubnis, eine Urkundenfälschung (Verwendung eines Fahrzeugscheins, der nicht mehr der Realität entspricht), Steuerhinterziehung (reduzierte Kfz-Steuer ohne die zugehörige Schadstoffminderung), womöglich gar noch fehlender Versicherungsschutz (eine Katastrophe bei einem schweren Unfall) usw. Offenbar lassen sich manche Fahrer aber von all dem nicht abschrecken, weil sie nicht damit rechnen, erwischt zu werden.

Was ist zu tun?

Das Ausmaß des Problems ist leider schwer festzustellen. Für unsere Bundesbehörden dürfte dies nach den bisherigen Erfahrungen genügend Anlass zu sein, bis auf weiteres mal gar nichts zu tun; auch über den Stickoxid-Skandal wussten sie, wie inzwischen bekannt war, schon etliche Jahre vorher einiges, blieben aber völlig passiv. Jedoch wäre sicherlich eine Reihe von Maßnahmen geboten:

  • Zunächst einmal sollten Maßnahmen ergriffen werden, um die Wahrscheinlichkeit der Entdeckung solcher Manipulationen zu maximieren. Beispielsweise könnte sichergestellt werden, dass bei den regelmäßigen TÜV-Terminen überprüft wird, entweder ob der Partikelfilter vorhanden und unbeschädigt ist oder ob die Partikelemissionen auffallend hoch sind. Nach Berichten der englischen Zeitung “The Guardian” im April 2016 wurden in Großbritannien bereits mehr als 1000 Dieselfahrzeuge ohne den Partikelfilter durch Kontrollen erwischt und entsprechend gestraft. In Spanien habe man einen ganzen Ring von Garagen ausgehoben, die die Entfernung von Partikelfiltern anbieten. Von Deutschland ist mir so etwas nicht bekannt.
  • Außerdem würde man natürlich erwarten, dass nachgeforscht wird, wie viele Fahrzeuge davon betroffen sind. Solche Daten könnte man wohl nur durch entsprechende Kontrollen erheben.
  • Selbstverständlich sollte die Gesetzeslücke, die Werkstätten solche Schweinereien straflos ermöglicht, schnellstmöglich geschlossen werden.
  • Zudem gilt es, die Ursachen dieser Praxis zu bekämpfen. Man müsste der Problematik, dass die Regeneration von Partikelfiltern manchmal nicht mehr genügt, auch von staatlicher Seite entschieden nachgehen – allein schon aus Gründen des Verbraucherschutzes.

Übrigens ist zu befürchten, dass die Problematik defekter Partikelfilter bei Fahrzeugen von Volkswagen, die wegen manipulierter Abgas-Software umgerüstet werden, noch zunehmen könnte. Dies, weil besagte Software-Manipulationen natürlich nicht aus Spaß und Tollerei gemacht wurden. Man muss sich ja fragen, warum die Abgasreinigungsanlage eigentlich für eine wirksame Abgasreinigung geeignet wäre, in der Praxis aber nicht so betrieben wird. Dies liegt offenbar daran, dass dies unangenehme Nebenwirkungen hätte – eventuell nämlich genau für den Partikelfilter, der damit nicht die vorgesehene Lebensdauer erreichen würde. Nun ist nicht sicher, dass dies bei den VW-Fahrzeugen so sein wird, aber es gilt diese Möglichkeit jedenfalls zu überwachen.

Dieser Artikel erschien als Teil des RP-Energie-Blogs von Dr. Rüdiger Paschotta. Sie können Links auf diese Seite setzen, da ihre Adresse permanent ist, und die Seite auch zitieren. Siehe auch das RP-Energie-Lexikon.

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