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Zeitweilig abschalten – lohnt sich das überhaupt?

Rüdiger Paschotta

Oft begegnet man der Frage, ob bzw. ab wann es sich lohnt, ein Elektrogerät, eine Beleuchtung, eine Heizung oder einen Automotor zeitweilig abzuschalten. Hierzu möchte ich im Folgenden einige nützliche Informationen liefern.

Beleuchtung

Kürzlich hat mich ein Kollege darauf hingewiesen, dass er häufig der Behauptung begegnet, Energiesparlampen solle man keineswegs für kurze Zeit ausschalten, weil man wegen der erhöhten Stromaufnahme nach dem Einschalten sonst am Ende sogar mehr Energie brauche. Hier handelt es sich um kompletten Unsinn: Falls die Stromaufnahme überhaupt kurz nach dem Einschalten höher ist als im Normalbetrieb, dann nur für so kurze Zeit, dass dies überhaupt nicht ins Gewicht fällt. Das lässt sich schon mit einem einfachen Energiemonitor leicht überprüfen.

Daraus folgt freilich nicht, dass es sinnvoll wäre, solche Lampen z. B. wegen einer Minute unnützer Brenndauer abzuschalten. Das Problem ist nämlich, dass die Lebensdauer unter einem zusätzlichen Lampenstart wesentlich mehr leidet als unter einer Minute Betriebszeit. Außerdem wird die volle Leuchtkraft oft erst nach ein bis zwei Minuten erreicht. Zudem lohnt sich auch die Mühe nicht, solange sich nur um eine oder wenige solcher Lampen handelt; es geht nur um Bruchteile einer Wattstunde.

Ab wann es sich lohnt, eine Lampe (oder ein Elektrogerät) abzuschalten, hängt stark vom Einzelfall ab. Die folgenden Faustregeln dürften aber normalerweise zu sinnvollen Resultaten führen:

  • Bei Glühlampen einschließlich Halogenlampen lohnt es sich schon für wenige Minuten, weil hier der Stromverbrauch hoch ist, der Einfluss des Einschaltens auf die Lebensdauer jedoch eher gering.
  • Bei allen Leuchtstofflampen mit elektronischem Vorschaltgerät, zu denen auch die typischen Energiesparlampen (mit Kompakt-Leuchtstoffröhren) gehören, dürfte es ab ca. 5 bis 10 Minuten sinnvoll werden. Bei Leuchtstoffröhren mit einfachem Starter (die beim Einschalten oft mehrmals blinken) könnten 15 Minuten sinnvoller sein.
  • Noch längere Zeiten gelten für bestimmte Speziallampen wie Halogen-Metalldampflampen, die im Haushalt jedoch nicht eingesetzt werden (eher z. B. für Sportstadien).

Dies können nur grobe Anhaltspunkte sein, weil beispielsweise die Qualität von Vorschaltgeräten bezüglich der Anzahl der einschaltet Vorgänge innerhalb der Lebensdauer sehr unterschiedlich ist.

Automotor

Die wenigsten Leute sind sich bewusst, dass ein typischer Automotor (mit Benzin oder Dieselkraftstoff betrieben) bereits im Leerlauf eine Leistung in der Größenordnung von 10 kW (bezogen auf die Primärenergie) verbraucht. Hier geht es also um weit mehr als beispielsweise bei der Wohnzimmerbeleuchtung; man hört nicht viel, jedoch ist eine Kilowattstunde bereits nach einigen Minuten verbraucht.

Auch hier hört man häufig den Einwand, das Anlassen des Motors verbrauche dermaßen viel, dass sich das Abschalten z. B. für eine Minute nicht lohne. Das stimmt jedoch auch hier nicht: Das Abschalten lohnt sich energetisch im Prinzip bereits für ein paar Sekunden.

Nachteilig sind nur zwei Dinge: Die begrenzte Lebensdauer des Anlassers (wobei allerdings Anlasser nur recht selten defekt gehen) und die Abkühlung des Abgaskatalysators, die kurz nach dem Wiederanlassen erhöhte Schadstoffemissionen zur Folge hat. Deswegen mag sich das Abschalten bezüglich der Schadstoffemissionen erst bei einer etwas längeren Zeit lohnen – wobei man nur spekulieren kann, ab wann es sich diesbezüglich lohnt: je nach Motor vielleicht erst ab einer halben oder ganzen Minute.

Eine vernünftige Faustregel dürfte sein, dass man den Motor abschaltet, wenn er für mindestens 10 bis 20 Sekunden aus bleiben kann. Selbst wenn man die Schadstoffbelastung damit noch nicht reduziert, reduziert man den Kraftstoffverbrauch und die CO2-Emissionen.

Bei modernen Fahrzeugen erledigt dies ohnehin meist eine Start-Stopp-Automatik. Diese kann natürlich nicht “wissen”, wie lange es dauern wird, aber gemäß Untersuchungen lohnt sie sich auf jeden Fall, wenn der Fahrer nicht konsequent abgeschaltet hätte.

Heizung

Eine stark umstrittene Frage ist, ob es sich lohnt, eine Heizungsanlage beispielsweise bei Abwesenheit für etliche Stunden oder einige Tage abzuschalten oder wenigstens mit verminderter Leistung zu betreiben. Häufig hört man die Behauptung, das Wiederaufheizen der Wohnung würde dermaßen viel Energie verbrauchen, dass damit die Einsparung zunichte gemacht würde, außer vielleicht bei wirklich längerer Abwesenheit. Dies ist jedoch im Regelfall wiederum völlig falsch.

Man kann dies mit einer einfachen Überlegung verstehen: Die Heizungsanlage muss über die Heizperiode insgesamt gerade so viel Heizwärme zufügen, wie das Haus in dieser Zeit verliert. (Sonst hätte nämlich die Wohnung nach der Heizperiode eine völlig andere Temperatur als vorher.) Wenn nun die Durchschnittstemperatur im Haus durch gelegentliche Absenkungen niedriger ausfällt, geht auch weniger Wärme verloren (→ Transmissionswärmeverluste und Lüftungsverluste). Also wird auch entsprechend weniger Heizwärme gebraucht.

Das Wärmespeichervermögen des Hauses spielt hierfür nur insofern eine Rolle, dass es dadurch bei kurzzeitigen Absenkungen der Heizleistung zu keiner großen Temperaturabsenkung kommt, also auch zu keiner großen Energieeinsparung. Jedoch ist zu beachten, dass die Wärmespeicherfähigkeit an sich langfristig weder Wärme verbraucht noch erzeugt: Wärmespeicher geben bei Temperaturabsenkung Wärme ab und nehmen beim Aufheizen wieder genauso viel Wärme auf.

Nun gibt es allerdings Fälle, in denen die Energieeffizienz der Heizungsanlage beispielsweise durch eine Nachtabsenkung etwas vermindert wird. Dies gilt insbesondere für Luft/Wasser-Wärmepumpen: Da die Außentemperatur am frühen Morgen häufig am tiefsten ist, ist es ungünstig, ausgerechnet dann die Wärmepumpe verstärkt laufen zu lassen. Verstärkt würde dieser Effekt noch, wenn man eine erhöhte Vorlauftemperatur anwendet, um die morgendliche Aufheizung schnell genug zu gestalten. Für klassische Gas- oder Ölheizungen kommen solche Effekte jedoch kaum zum Tragen.

Bei gut wärmegedämmten Gebäuden bringt die Nachtabsenkung wenig, weil die Innentemperatur selbst bei völlig abgeschalteter Heizungsanlage ohnehin kaum absinkt. (Eine Ausnahme gilt natürlich, wenn man bei gekipptem Fenster schläft.) Bei älteren Gebäuden ohne Wärmedämmung lässt sich dagegen einiges mehr einsparen – prozentual gesehen und erst recht absolut.

Der Lexikonartikel über die Nachtabsenkung liefert zu diesen Dingen noch einige mehr Details.

Eine weitere Frage ist, ob man beim Fensterlüften die Heizkörper abstellen sollte. Wenn man, was absolut empfehlenswert ist, konsequent die sogenannte Stoßlüftung praktiziert, also jeweils nur für wenige Minuten, brächte das relativ wenig. Idealerweise würde man zwar die Heizung schon einige Zeit vor der Stoßlüftung abschalten, damit die Heizkörper bereits abgekühlt sind; daran wird jedoch kaum jemand rechtzeitig denken. Wenn man die Heizkörper aber erst kurz vor dem Lüften abstellt, sind sie ohnehin noch warm, werden also kaum weniger Wärme verlieren. Wer aber fürchtet, das Schließen des Fensters zu vergessen, schaltet besser vorsichtshalber wenigstens die Heizkörper ab. Besser noch setzt er eine Technik ein, um erinnert zu werden – etwa einen Wecker!

Falls Sie weitere Fragen zu diesem Themenbereich haben, schreiben Sie mir doch bitte einfach; ich würde dann erwägen, den auf der Website ebenfalls veröffentlichten Artikel nachträglich noch zu ergänzen.

Dieser Artikel erschien als Teil des RP-Energie-Blogs von Dr. Rüdiger Paschotta. Sie können Links auf diese Seite setzen, da ihre Adresse permanent ist, und die Seite auch zitieren. Siehe auch das RP-Energie-Lexikon.

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