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Kuriose neue Heizungsidee: Mikrowellen-Boiler, die getarnte Elektroheizung

Erschienen 2021-06-19 im RP-Energie-Blog (als E-Mail-Newsletter erhältlich!)

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Autor: , RP-Energie-Lexikon, RP Photonics Consulting GmbH

Inhalt: Eine britische Firma bietet Mikrowellen-Boiler als Ersatz für Gasheizungen und Ähnliches an. Effektiv bedeutet das eine Elektroheizung, nur zu deutlich höheren Kosten und sicherlich ohne Vorteile. Da aber die Nachteile der Elektroheizungen längst ziemlich bekannt sind, muss man diese offenbar nun so verschleiern.

Rüdiger Paschotta

Nachdem allmählich noch den Letzten klar wird, dass wir ein Klimaproblem haben und zumindest im privaten Sektor die Gebäudeheizungen hier die größte Rolle spielen, ist die Suche nach neuen CO2-freien Methoden der Beheizung längst im Gange. Gelegentlich führt dies auch zu ziemlich kuriosen neuen Vorschlägen, von denen ich eine hier vorstellen möchte.

Die britische Firma Heat Wayv hat kürzlich einen neuen Boiler für die Verwendung in Zentralheizungsanlagen (und ggf. auch Etagenheizungen) vorgestellt, der auf der Basis von Mikrowellen arbeitet. Die Mikrowellen können im Wasser absorbiert werden, dieses dabei aufwärmen, und es entsteht kein CO2. Soweit so schön, aber woher kommt die Energie? Natürlich ist es wie bei jedem gewöhnlichen Mikrowellenofen elektrischer Energie aus dem Stromnetz.

Hatten wir nicht schon einmal etwas, was Elektroheizung genannt wird, lokal emissionsfrei ist, aber ziemlich große Mengen von CO2 bei der Stromerzeugung verursacht? Natürlich. Und der Mikrowellen-Boiler wird für dieselbe Menge Heizwärme natürlich nicht weniger Strom verbrauchen können als jedes simple Elektroheizungs-Gerät, etwa ein Elektro-Durchlauferhitzer – eher noch ein wenig mehr, da es vermutlich schwieriger ist, Energieverluste zu vermeiden.

Im Vergleich zur Elektrospeicherheizung verliert man außerdem den wesentlichen Vorteil, wenigstens deutlich billigeren (wenn auch nicht unbedingt umweltfreundlicheren) Niedertarifstrom nutzen zu können. Immerhin könnte das Teil wenigstens billiger werden als eine Elektrospeicher-Zentralheizung – aber sicher viel teurer als ein Elektro-Durchlauferhitzer.

Worin besteht also nun der Vorteil, Strom mithilfe des Umwegs über Mikrowellen in Wärme zu verwandeln anstatt wie bisher mit einem einfachen Elektroheizstab? Technisch gibt es sicherlich keinen Vorteil, und die Kosten werden sicherlich erheblich höher ausfallen. Ein Vorteil könnte aber (zumindest für den Anbieter) von großem Wert sein: Die neue Technik könnte etliche Interessenten darüber hinwegtäuschen, dass sie am Ende einfach eine Elektroheizung mit allen bekannten Nachteilen kaufen.

Eigentlich sollte man es kaum für möglich halten, dass sich eine so idiotische Erfindung verkaufen lassen wird. Andererseits hätten wir ja auch nicht gedacht, dass der Brexit von einer Mehrheit verlangt wird, die nun große Schäden verschiedener Arten erleidet (aber es zum Teil immer noch nicht merkt). Bei vielen gilt eben offenbar die Regel: Warum sich ins Knie schießen, wenn man sich genauso gut in den Kopf schießen kann?!

Als ich im März 2021 zum ersten Mal auf die Geschichte mit dem Mikrowellen-Boiler HEAT WAYV ONE stieß, dachte ich zuerst an einen verfrühten Aprilscherz. Interessanterweise findet man beim Googeln zwar leicht eine ganze Reihe von Berichten über diese neue Wundertechnologie, jedoch nicht ohne weiteres eine richtige Aufklärung über die Sachlage. Auch beim Guardian hatte man das offenbar nicht durchschaut und verbreitete munter die Nachricht, diese neue Technologie könnte helfen, die klimaschädlichen Emissionen der Heizungsanlagen zu reduzieren. Zwar wird in manchen Artikeln immerhin erwähnt, dass das Teil auch Strom braucht, und teils sogar, dass das teuer kommen könnte, aber ich konnte innerhalb einiger Zeit der Suche keinen einzigen Artikel finden, der das Naheliegende klipp und klar sagt: Gegenüber einem simplen elektrischen Durchlauferhitzer sind keine Vorteile erkennbar, sondern nur Nachteile, und für den Klimaschutz ist mit dieser Technik auch nichts erreicht, solange die Stromerzeugung mit erheblichen Emissionen verbunden ist.

Die Sache erinnert mich an den Trick mit der Wärmewellenheizung; siehe auch den Artikel “Infrarotheizungen: bessere Energieeffizienz durch Wärmestrahlung statt Konvektion?”.

Dieser Artikel erschien als Teil des RP-Energie-Blogs von Dr. Rüdiger Paschotta. Sie können Links auf diese Seite setzen, da ihre Adresse permanent ist, und die Seite auch zitieren. Siehe auch das RP-Energie-Lexikon.

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