www.energie-lexikon.info, enlex.info
RP-Energie-Lexikon
fachlich fundiert, unabhängig von Lobby-Interessen

Solare Heizungsunterstützung

<<<  |  >>>  |  Feedback

Definition: die Unterstützung einer Heizungsanlage mit Wärme aus Sonnenkollektoren

Englisch: solar central heating support

Kategorien: erneuerbare Energie, Grundbegriffe, Haustechnik, Wärme und Kälte

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 18.12.2012; letzte Änderung: 17.08.2016

Thermische Solaranlagen (mit Sonnenkollektoren) dienen häufig nicht nur der solaren Warmwasserbereitung, sondern auch der Heizungsunterstützung. Dies bedeutet, dass die Anlage im Sommer meist den Großteil des Warmwasserbedarfs deckt, im Winter dagegen einen (meist kleineren) Teil des Heizwärmebedarfs.

Auslegung der Anlage

Anlagen mit Heizungsunterstützung beinhalten meist eine größere Kollektorfläche als reine Warmwasseranlagen – beispielsweise rund 10 m2 statt 6 m2 für ein Einfamilienhaus. Damit decken sie z. B. in einem Niedrigenergiehaus typischerweise rund 20 bis 30 % des gesamten Wärmebedarfs. Der größte Teil des Heizenergiebedarfs wird immer noch mit einem anderen Wärmeerzeuger abgedeckt, z. B. mit einem Heizkessel oder einer Wärmepumpe.

Eine noch größere Kollektorfläche könnte den solaren Anteil der Wärmebereitung im Prinzip erhöhen. Jedoch entsteht dann das Problem großer Wärmeüberschüsse im Sommer, die dann nicht genutzt werden können; die Wirtschaftlichkeit kann darunter leiden. Wünschenswert wäre ein saisonaler Speicher, mit dem diese sommerlichen Überschüsse für die Nutzung im Herbst oder Winter verfügbar gemacht würden. Dies ist jedoch zumindest für kleinere Häuser schwer realisierbar. Deswegen erfolgt die Auslegung meist so, dass im Sommer moderate Überschüsse an besonders sonnigen Tagen erfolgen, aber nicht ein wesentlicher Teil der erzeugten Wärme ungenutzt bleibt.

Ein großzügig bemessener Pufferspeicher (Solarspeicher) kann diese Problematik ein Stück weit reduzieren, auch wenn er nicht als saisonaler Speicher geeignet ist. Er hilft nämlich, Überschüsse an einzelnen heißen Tagen zu speichern und so den Nutzungsgrad zu erhöhen. Allerdings nehmen für größere Speicher auch die Wärmeverluste zu, während der Grenznutzen abnimmt.

Ein hoher Anstellwinkel der Sonnenkollektoren ist für die Heizungsunterstützung günstig, da so die Wärmeausbeute im Winter erhöht wird. Eine dadurch etwas verminderte Wärmeausbeute im Sommer ist kein Problem, wenn dann ohnehin eher Überschüsse auftreten.

Vorteil: Niedrigeres Temperaturniveau für die Heizung

Ein wichtiger Vorteil der Heizungsunterstützung ist, dass im Winter die Wärme von den Kollektoren auch auf einem tieferen Temperaturniveau nutzbar ist – vorausgesetzt, dass das Zentralheizungssystem mit einer niedrigen Vorlauftemperatur auskommt (also eine Niedertemperaturheizung ist). Dies ist der Fall, wenn eine Flächenheizung eingesetzt wird, z. B. eine Fußbodenheizung, oder wenn der Wärmebedarf durch sehr gute Wärmedämmung stark abgesenkt wurde.

An kalten Wintertagen mit nicht allzu viel Sonne könnten Kollektoren, die nur für Warmwasser nutzbar sind, unter Umständen gar keine Produktion erlauben, weil sie die nötige Temperatur aufgrund ihrer Wärmeverluste nicht erreichen. Für die Heizung bei z. B. nur 30 °C dagegen ergibt sich dann immer noch eine gute Energieausbeute. Die Kollektoren arbeiten in Heizperiode dann immer auf diesem niedrigeren Temperaturniveau, und der Wärmebedarf für Warmwasser wird in dieser Zeit größtenteils von der Heizungsanlage bedeckt.

Solare Heizungsunterstützung nur im Niedrigenergiehaus?

Der Anteil des gesamten Wärmebedarfs, der sinnvoll durch solare Heizungsunterstützung gedeckt werden kann, ist naturgemäß bei gut wärmegedämmten Gebäuden höher als bei unsanierten Altbauten. Bei letzteren ist nämlich der Heizwärmebedarf sehr viel höher als der Wärmebedarf für Warmwasser, so dass das oben genannte Problem der Auslegung verschärft auftritt.

Es ist allerdings falsch, daraus zu folgern, dass die solare Heizungsunterstützung beim unsanierten Altbau grundsätzlich weniger sinnvoll wäre. Entscheidend ist nämlich für eine Kosten-Nutzen-Rechnung nicht der prozentuale Anteil der eingesparten Menge fossiler Energie, sondern die absolute eingesparte Menge. Und diese absolute Einsparung ist beim Altbau nicht geringer – außer wenn die Vorlauftemperatur der Heizung höher ist, was die Effizienz der Sonnenkollektoren im Heizbetrieb vermindert. Das wesentliche Kriterium für die Eignung der solaren Heizungsunterstützung ist also die Vorlauftemperatur und nicht der Heizwärmebedarf.

Staatliche Förderung und Richtlinien

In Deutschland sind für die Errichtung von thermischen Solaranlagen Zuschüsse vom BAFA möglich, aber nur für solche Anlagen, die außer der Warmwasserbereitung auch Heizungsunterstützung (oder eventuelle eine andere Wärmenutzung) ermöglichen [1].

Wenn in Deutschland eine Heizungsanlage neu gebaut oder erneuert wird, gilt (mit diversen Ausnahmen) eine Nutzungspflicht für erneuerbare Energien gemäß dem Gesetz zur Förderung Erneuerbarer Energien im Wärmebereich [2]. Diese Pflicht kann dadurch erfüllt werden, dass mindestens 15 % des Wärmebedarfs mit einer thermischen Solaranlage gedeckt werden. Bei solarer Heizungsunterstützung ist dies in der Regel ohne Weiteres möglich. Bei einem Passivhaus würde im Prinzip schon die reine solare Brauchwasserbereitung dafür genügen.

Literatur

[1]Richtlinien der BAFA zur Förderung von Maßnahmen zur Nutzung erneuerbarer Energien im Wärmemarkt (2011)
[2]Gesetz zur Förderung Erneuerbarer Energien im Wärmebereich

(Zusätzliche Literatur vorschlagen)

Siehe auch: Solarheizung, Sonnenkollektor, solare Warmwasserbereitung
sowie andere Artikel in den Kategorien erneuerbare Energie, Grundbegriffe, Haustechnik, Wärme und Kälte

Kommentare von Lesern

Hier können Sie einen Kommentar zur Veröffentlichung vorschlagen. Über die Annahme wird der Autor des RP-Energie-Lexikons nach gewissen Kriterien entscheiden. Im Kern geht es darum, dass der Kommentar für andere Leser potenziell nützlich ist.

Ihr Name:
(freiwillige Angabe – auch Pseudonyme sind erlaubt)
Ihre E-Mail-Adresse:
(freiwillige Angabe)
Ihr Hintergrund:
(freiwillige Angabe, z. B. Energieberater, Handwerker oder Journalist)
Ihr Kommentar:
Spam-Prüfung:   (bitte die Summe von fünf und zwölf hier als Ziffern eintragen!)

Bem.: Mit dem Abschicken geben Sie Ihre Einwilligung, Ihren Kommentar hier zu veröffentlichen. (Sie können diese später auch widerrufen.) Da Kommentare zunächst vom Autor durchgesehen werden, erscheinen sie verzögert, z. B. erst am Folgetag oder evtl. noch etwas später.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Ihr Gesamteindruck: weiß nicht unbefriedigend in Ordnung gut ausgezeichnet
Fachliche Qualität: weiß nicht unbefriedigend in Ordnung gut ausgezeichnet
Lesbarkeit: weiß nicht unbefriedigend in Ordnung gut ausgezeichnet
Verdient dieser Artikel (oder das Energie-Lexikon insgesamt) Ihrer Ansicht nach Links von anderen Webseiten?
  nein eventuell ja
Kommentar:

Vielleicht haben Sie auch konkrete Vorschläge für inhaltliche Ergänzungen, nützliche Literaturangaben etc. Falls Sie eine bessere Website für dieses Thema kennen, sind wir dankbar für einen Hinweis darauf.

Wenn Sie einen Kommentar zur Veröffentlichung auf unserer Seite vorschlagen möchten, verwenden Sie dazu bitte das Formular im Kasten "Kommentare von Lesern".

Spam-Prüfung: (bitte den Wert von 5 + 8 hier eintragen!)

Wenn Sie eine Antwort möchten, können Sie Ihre E-Mail-Adresse im Kommentarfeld hinterlassen oder direkt eine E-Mail senden. Letztere Methode führt meist zu schnelleren Antworten.

Wenn Ihnen das RP-Energie-Lexikon gefällt, möchten Sie vielleicht auch den RP-Energie-Blog als E-Mail-Newsletter abonnieren.

Teilen Sie den Link auf diesen Artikel mit anderen:

Wo kommt mein Strom her?

Das sind keine einfache Fragen:

Um solche Fragen zu klären, brauchen Sie eine kompetente und verlässliche Informationsquelle – am besten das RP-Energie-Lexikon. Es bietet hochwertige Artikel zu den genannten Themen. Siehe auch den Extra-Artikel "Wo kommt mein Strom her?".

– Alle Banners –

– Ihr eigenes Banner! –

Die Startseite gibt Ihnen den Einstieg in das RP-Energie-Lexikon, auch mit Tipps zur Benutzung.
Hier finden Sie diverse Ratgeber-Artikel, insbesondere im Bereich der Haustechnik.
Hiermit wird Ihnen ein zufällig ausgewählter Lexikonartikel angezeigt.
Der RP-Energie-Blog präsentiert Interessantes und Aktuelles zum Thema Energie. Er ist auch als E-Mail-Newsletter erhältlich.
Hier finden Sie die Kontaktinformationen und das Impressum.
Werden Sie ein Sponsor des RP-Energie-Lexikons – des besten deutschsprachigen Energielexikons im Internet!
Hier erfahren Sie mehr über den Autor des RP-Energie-Lexikons und seine Grundsätze.
Hier können Sie die Artikel des RP-Energie-Lexikons nach Kategorien geordnet durchstöbern.
Verbreitete Irrtümer zu Energiefragen werden hier detailliert aufgedeckt.
Der Glossar fasst die Definitionen von Fachbegriffen aus den Artikeln zusammen.
Mit dem Energie-Quiz können Sie Ihr Wissen im Energiebereich testen und vertiefen.
Hier werden die Hintergründe des Projekts beschrieben, auch die gewählten Grundsätze.
Mit zigtausenden von Nutzern pro Monat ist das RP-Energie-Lexikon zu einer interessanten Werbeplattform geworden.
Vom Autor des RP-Energie-Lexikons können Sie auch Beratung erhalten, insbesondere zu Energie-Technologien.
Hier finden Sie die Liste aller Artikel zu einem bestimmten Anfangsbuchstaben.
Hier können Sie nach Artikeln suchen, deren Titel ein bestimmtes Stichwort enthalten.
(Beachten Sie auch die Volltextsuche beim Menüpunkt "Suche"!)