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Solarthermie

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Definition: die Gewinnung von Wärme aus der Sonneneinstrahlung

Englisch: solar heat

Kategorien: erneuerbare Energie, Haustechnik, Wärme und Kälte

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta (G+)

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 06.06.2010; letzte Änderung: 01.09.2017

Der Begriff Solarthermie bezeichnet die thermische Nutzung von Sonnenenergie, d. h. die Nutzung der Sonneneinstrahlung für die Erzeugung von Wärme. Sie dürfte zukünftig eine wesentliche Rolle bei der Realisierung einer Wärmewende als Teil der Energiewende spielen. Wenn zumindest ein Teil der Wärmemenge, die beispielsweise für Heizzwecke und Warmwasser benötigt wird, durch Solarthermie gewonnen wird, ist dies einerseits ein Beitrag zum Klimaschutz und dient andererseits der Erhöhung der Kostensicherheit, d. h. der Verminderung der wirtschaftlichen Verwundbarkeit durch Preissteigerungen bei fossilen Energieträgern.

Solarthermie in Gebäuden

Besonders gebräuchlich ist die Solarthermie in Form der solaren Warmwasserbereitung mit Sonnenkollektoren. Oft wird aber auch eine etwas größere Anlage für die solare Heizungsunterstützung realisiert. Dies erlaubt die Deckung eines wesentlich höheren Anteils des jährlichen Wärmebedarfs (z. B. 20 %).

Die Realisierung einer Solarheizung, die den größten Teil des jährlichen Wärmebedarfs deckt (z. B. 80 %), ist wesentlich aufwendiger. Dieses Konzept funktioniert nur in Verbindung mit einem durch sehr gute Wärmedämmung massiv reduzierten Heizwärmebedarf. Es wird ein großer saisonaler Wärmespeicher benötigt, der z. B. in das Gebäude integriert werden kann.

thermische Solaranlage

Abbildung 1: Eine thermische Solaranlage mit Sonnenkollektoren für die solare Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung. Bild: Hans Hauri.

Es gibt auch Solar-Wärmepumpen-Systeme, bei denen Solarthermie mit einer Wärmepumpe kombiniert wird, um den Primärenergie eines Wärmepumpensystems zu reduzieren oder auch überhaupt eine für die Wärmepumpe nutzbare Wärmequelle zu erhalten. In der Regel erfordert der Betrieb einer Wärmepumpe eine zusätzliche Quelle von Exergie – beispielsweise elektrische Energie, die aus Windenergie, mit Photovoltaik und Wasserkraft gewonnen wird. Wenn ein wesentlicher Teil der benötigten Wärmemengen mithilfe eines Brennstoffs gewonnen wird, kann die damit gewonnene Wärme auf einem hohen Temperaturniveau erzeugt werden, um damit eine Absorptionswärmepumpe zu betreiben. Auf diese Weise wird die Exergie des Brennstoffs besser genutzt, und zwar dazu, die Energieausbeute der Sonnenkollektoren deutlich zu erhöhen.

Große Solarthermie

Eine besonders wirtschaftliche Möglichkeit der Nutzung von Sonnenwärme stellt die sogenannte große Solarthermie dar. Hier werden große Felder von Sonnenkollektoren genutzt, deren Gesamtfläche bei vielen tausend Quadratmetern liegen kann. Dieser Maßstab erlaubt nicht nur eine kostengünstigere Gewinnung von solarer Wärme, sondern erleichtert auch wesentlich die Wärmespeicherung, die für die Erhöhung des solaren Anteils an der jährlichen Wärmeerzeugung unabdingbar ist. Die Wärmeausbeute der Kollektoren ist nämlich in der Regel in den warmen Monaten am höchsten, in denen der Wärmebedarf am geringsten ist. Die dann überschüssige Wärme wird in einen saisonalen Energiespeicher geleitet und für die spätere Nutzung aufbewahrt. Solche Speicher sind im Kleinstmaßstab für einzelne Gebäude kaum rentabel realisierbar, im großen Maßstab jedoch schon, allein schon weil dort das Verhältnis von Oberfläche und Volumen viel günstiger ist. Beispielsweise kommen einfach gebaute Erdbeckenspeicher zum Einsatz.

Die im Rahmen der großen Solarthermie gewonnenen Wärmemengen dienen der Versorgung beispielsweise ganzer Wohnviertel. Die einzelnen Gebäude sind dabei durch ein Fernwärme- oder Nahwärmenetz verbunden, welches dem Transport der Wärme dient. In vielen Fällen wurde ein solches Wärmenetz zunächst mit fossilen Energieträgern betrieben und dann zumindest teilweise auf erneuerbare Energie umgestellt. In ein Wärmenetz können auch andere Anlagen integriert werden, beispielsweise für die Kraft-Wärme-Kopplung oder für die Erzeugung negativer Regelenergie mithilfe von Elektrodenheizkesseln.

Die große Solarthermie ist keineswegs eine nur für südliche Länder geeignete Form der Nutzung erneuerbarer Energie. Sie wird insbesondere auch in nördlichen Ländern wie Schweden und Dänemark bereits in erheblichem Umfang genutzt. Ihre Wirtschaftlichkeit dürfte der völlig dezentralen Nutzung der Solarthermie in einzelnen Häusern in der Regel klar überlegen sein. Ein Nachteil liegt allerdings darin, dass ein Wärmenetz gebraucht wird, welches bei der ursprünglichen Erschließung eines Wohngebiets oft nicht vorgesehen wurde und deswegen nur relativ kostspielig nachträglich errichtet werden kann. Außerdem werden für die Sonnenkollektoren oft zusätzliche Flächen benötigt, da man nicht ohne Weiteres ohnehin vorhandene Dachflächen nutzen kann; hierfür würden wesentlich mehr Leitungen benötigt als für große Kollektorfelder.

Prozesswärme

Prozesswärme für verschiedene industrielle Prozesse kann mit Sonnenkollektoren in der Form von Flachkollektoren oder Röhrenkollektoren erzeugt werden, soweit kein allzu hohes Temperaturniveau benötigt wird. Im Vergleich zur Nutzung im Haus ergeben sich mehrere wichtige Vorteile:

Es ist deswegen z. B. in Deutschland und in Dänemark möglich, solare Prozesswärme für deutlich unter 5 ct/kWh herzustellen, was auch bei heutigen Brennstoffkosten in etwa konkurrenzfähig ist. Solare Wärme kann auch in Fernwärme- und Nahwärmenetze eingespeist werden.

Für höhere Temperaturen bis zu mehreren hundert Grad Celsius kann konzentrierende Solarthermie eingesetzt werden, z. B. mit Parabolrinnenkollektoren. Hierbei ist allerdings nur die direkte Sonneneinstrahlung nutzbar, weswegen die Ausbeute bei ungünstigem Wetter schneller einbricht als mit nicht konzentrierenden Kollektoren. Außerdem ist die Nachführung (automatische Ausrichtung auf die Sonne) hier unentbehrlich.

Bisher werden die Möglichkeiten für die solare Prozesswärmeerzeugung in Deutschland noch kaum genutzt. Das längerfristige Potenzial dürfte über 10 % des gesamten Prozesswärmebedarfs sein und somit bei über 10 Terawattstunden pro Jahr liegen.

Jahresarbeitszahl bei Solarthermie

Solarthermische Anlagen brauchen eine gewisse Menge elektrischer Energie, insbesondere für den Betrieb von Umwälzpumpen und die elektronische Steuerung. Dieser Energieaufwand ist allerdings in aller Regel sehr gering im Vergleich zur Menge der gewonnenen Wärme. Die Energieeffizienz von Anlagen kann durch die Jahresarbeitszahl beziffert werden, d. h. durch das Verhältnis der in einem Jahr gewonnenen Wärmemenge zu der diesem Zeitpunkt verbrauchten elektrischen Energie. Auch kleine Anlagen können ohne weiteres Jahresarbeitszahlen in der Größenordnung von 20 bis 30 erreichen; mit konsequenter Optimierung (z. B. mit hocheffizienten Umwälzpumpen) sind selbst Werte in der Größenordnung von 100 möglich.

Solarthermische Kraftwerke

Es gibt solarthermische Kraftwerke, die solare Wärme für den Betrieb von Wärmekraftmaschinen und schließlich für die Erzeugung elektrischer Energie nutzen. Eine häufig verwendete Bauart ist die des Parabolrinnenkraftwerks (Abbildung 2). Außerdem gibt es Kraftwerke mit einem Absorber auf einem Turm, auf den viele Spiegel gerichtet werden.

Parabolrinnen-Kraftwerk

Abbildung 2: Montage des Parabolrinnen-Kraftwerks Nevada Solar One bei Boulder City. Siemens-Pressebild.

Nicht zur Solarthermie gehört die Photovoltaik, die der Erzeugung elektrischer Energie ohne den Zwischenschritt über die Wärmeerzeugung dient. Da jedoch die Kosten bei der Photovoltaik stark gesunken sind, wird die Photovoltaik inzwischen auch für die Erzeugung von Wärme (vor allem auch bei höheren Temperaturen) interessant – sowohl mit Verwendung einer Wärmepumpe als auch in einfachen elektrischen Heizelementen (z. B. Elektroheizstäben).

Der Artikel über Photovoltaik enthält am Ende einen Abschnitt über den Vergleich von Photovoltaik mit Solarthermie. Es gibt auch die Verbindung beider Konzepte im photovoltaisch-thermischen Solarkollektor (Hybridkollektor).

Literatur

[1]Solar Toolbox (http://www.solartoolbox.ch/simulation) von Solar Campus zur Simulation des solaren Deckungsgrads von Sonnenkollektoranlagen für die Warmwasserbereitung mit und ohne Heizungsunterstützung
[2]Elmar Bollin, Klaus Huber und Dirk Mangold, “Solare Wärme für große Gebäude und Wohnsiedlungen”, BINE-Fachbuch, http://www.bine.info/presse/pressemitteilungen/archiv/pressemitteilung/die-sonne-im-grossen-stil-nutzen/
[3]Ralf Radloff, Wärmewende-Info, http://www.aktivregion-shs.de/entwicklungsstrategie/waermewende-aktivregion.html

(Zusätzliche Literatur vorschlagen)

Siehe auch: Sonnenkollektor, Sonnenenergie, Wärmewende, solare Warmwasserbereitung, solare Heizungsunterstützung, Thermosiphonanlage, Solarheizung, Solarspeicher, Solar-Wärmepumpen-System, Prozesswärme, solarthermisches Kraftwerk
sowie andere Artikel in den Kategorien erneuerbare Energie, Haustechnik, Wärme und Kälte

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