www.energie-lexikon.info, enlex.info
RP-Energie-Lexikon
fachlich fundiert, unabhängig von Lobby-Interessen

Der deutsche Stromanbietermarkt: Entwicklung und Bedeutung von Vergleichsportalen für Verbraucher

Autor: Markus Müller

Die Struktur des Strommarkts lässt sich in vier unterschiedliche Arten von Stromversorgungsunternehmen unterteilen, die eng miteinander verknüpft sind und nahtlos ineinander übergehen müssen, um eine ununterbrochene Versorgung der Endverbraucher zu gewährleisten:

Monopole blieben trotz entsprechender Gesetzesänderungen erhalten

Die Interessen der in dieser Struktur beteiligten Unternehmen werden maßgeblich vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) vertreten. Der BDEW und die Landesorganisationen sehen sich selbst als Beratungsinstanz gegenüber seinen Mitgliedsunternehmen, welchen den Großteil des Stromabsatzes ausmachen. Zu den Mitgliedern zählen im Grunde alle wichtigen und derzeit bekannten Versorger.

Früher galt der Wirtschaftszweig der Stromversorgung noch als natürlich entstandenes Monopol, was unter anderem deshalb geduldet wurde, weil eine weitere Überziehung der Landschaft mit Hochspannungsleitungen vermieden werden wollte. Diese Ansicht änderte sich mit den stetig wachsenden Globalisierungsprozessen, was sowohl die Politik als auch die Wirtschaft betraf. In der Bundesrepublik kritisierte beispielsweise die unabhängige Expertenkommission zum Abbau markwidriger Regulierungen die Monopolstellung einiger Unternehmen in bestimmten Gebieten. Nach zahlreichen Diskussionen innerhalb der Europäischen Union einigten sich schließlich die Energieminister der EU 1996 auf eine Richtlinie zur Liberalisierung des Strommarktes. Durch die Richtlinie sollte die Monopolsituation des Strommarktes behoben werden. Weitere Informationen gibt es hierzu auch unter eu-verbraucher.de. Seit 1998 ist es deutschen Stromverbrauchern durch das Gesetz zur Neuregelung des Energiewirtschaftsrechts möglich, den Stromanbieter frei zu wählen und nach Belieben zu wechseln. Diese beiden Änderungen hatten zur Folge, dass bis heute etliche hundert Stromanbieter auf den Markt strömten, um als Versorger die Endkunden zu beliefern und von der Position als letztes Bindeglied in der Wertschöpfungskette zu profitieren. Die Monopolstellung der vier großen Stromerzeuger E.ON, Vattenfall, RWE und EnBW hat sich entgegen der Zielsetzung der Gesetzesänderungen allerdings noch ausgebaut.

Anzahl Stromversorger in Deutschland

Abbildung 1: Die Anzahl in der deutschen Elektrizitätsversorgung tätiger Unternehmen ist seit 1980 von etwa 600 bis 2013 auf ca. 1250 gestiegen. (Quelle: Statistisches Bundesamt über Statista.com; zur Statistik)

Für Erzeuger, die ihre Investitionskosten in der vergleichsweise risiko- und kostenarmen Zeit vor den Gesetzesänderungen bereits abzahlen konnten, fallen in Relation zu eventuellen neuen Anbietern nahezu keinerlei Aufwendungen für den Auf- oder Ausbau einer Infrastruktur mehr an. Dies maximiert zusätzlich den Ertrag, der mit dem Verkauf von Überkapazitäten aus der damit noch günstigeren Energieproduktion möglich ist. Zudem treten viele Stromanbieter unter einem anderem Namen auf, sind allerdings eigentlich Tochterfirmen der Marktriesen, was letztlich deren Monopolstellung weiter stärkt.

elektronischer Stromhandel

Abbildung 2: Der Handel erfolgt in dieser Branche heutzutage häufig über EDV-Systeme. Quelle: ©geralt - Pixabay.com (CC0 1.0)

Die unzähligen Stromanbieter kaufen die Überkapazitäten der großen Stromerzeuger zum Teil auf der Energiebörse und hauptsächlich jedoch (etwa zu 75%) über OTC-Handel, also – meist ohne ausreichende Aufsicht hinsichtlich Kartellen – außerhalb der Börse, was eine Kontrolle schlicht weg unmöglich macht. Sogar der Monopolkommissions-Vorsitzende, Justus Haucap, war bereits 2010 der Ansicht, die Energieproduktion in Deutschland unterläge keinem funktionstüchtigem Wettbewerb, was ebenso in einem Politikversagen begründet sei, wie die übertriebene Marktmacht der vier Monopolisten. Es ist davon auszugehen, dass ungefähr vier Fünftel des Stromangebotes sowie der Großteil des gesamten Handels von diesen kontrolliert wird.

Die Bedeutung von Vergleichsportalen und Tariffallen der Anbieter

Aus Verbrauchersicht kann der Strommarkt aufgrund von unzähligen Tarifoptionen und Angeboten nicht als transparent deklariert werden. Das wiederum erweckt den Eindruck eines undurchsichtigen Marktes. Die Relevanz der mittlerweile weit verbreiteten Vergleichsportale nimmt für viele Endverbraucher aufgrund dieser Situation deutlich zu – besonders aufgrund der steigenden Häufigkeit von Stromanbieterwechseln. In detaillierten und sortierbaren Listen werden dort Angebote entsprechend der angegebenen Wunschkriterien der Verbraucher angezeigt, und auf manchen dieser Portale wird auch ein kostenloser Wechsel angeboten.

Allerdings hat sich in den Jahren ein weiterer Trend entwickelt, wie Stromanbieter ihre Attraktivität gegenüber den Verbrauchern steigern. So geben viele Internetportale bei den Vergleichen lediglich den Gesamtpreis für das Strompaket auf den ersten Blick an, aus denen sich die Nutzer das günstigste Angebot aussuchen. Allerdings verbirgt sich dahinter nicht selten ein Neukundenbonus, der nach einer bestimmten Zeit wieder verfällt und letztlich den Strompreis verfälscht. Umso wichtiger ist es bei der Recherche, auch wichtige Details zu hinterfragen, sei es die jeweilige Vertragslaufzeit oder andere Vertragsklauseln. Aus diesem Grund sollte die Wahl auf ein Vergleichsportal fallen, das solche Faktoren berücksichtigt. Unter strompreisvergleich.net können Nutzer beispielsweise Aspekte wie Boni oder Pakettarife berücksichtigen lassen bzw. ausschließen, so dass ein selektiveres Ergebnis entsteht.

Richtung Ökostrom

Abbildung 3: Für immer mehr Verbraucher spielt Ökostrom beim Wechsel eine zunehmende Rolle. Quelle: ©RalphGL - Pixabay.com (CC0 1.0)

Eine weitere Gefahr, die in den vergangenen Jahren häufiger für negative Schlagzeilen sorgte, stellen die Jahresvorauszahlungen dar: Mit hervorstechend günstigen Angeboten werden auf diese Weise Verbraucher geködert, die die voraussichtlichen Leistungen des Lieferanten für ein gesamtes Jahr in Vorkasse zahlen sollen. Wenn sich diese Unternehmen damit übernehmen und anschließend Insolvenz anmelden müssen, verliert deren Kundschaft oftmals das vorausgezahlte Geld größtenteils oder vollständig und muss zudem noch die tarifüblichen Abschläge des nachfolgend benötigten Vertrags zahlen, um ungeachtet dieses Schadens auch weiterhin mit Strom versorgt zu werden. Dementsprechend ist eine umfassende Einholung von sämtlichen Informationen bei der Wahl des Stromanbieters von Bedeutung.

Insgesamt konnten die Ziele der Liberalisierung des Strommarktes durch die EU nur zum Teil umgesetzt werden. Durch den globalisierten Markt ist schlichtweg eine vollständige Entmonopolisierung des Marktes kaum möglich, zu bedeutsam sind dabei außereuropäische Marktgeschehnisse sowie die Bedeutung der großen Anbieterunternehmen. Für den Verbraucher haben sich durch die Liberalisierung weitere Optionen bei der Wahl des Stromversorgers ergeben, was allerdings durch die große Anzahl an Anbietern auch zu einer Intransparenz des Marktes geführt hat. Für die Verbraucher bedeutet dies, mithilfe von Vergleichsportalen im Internet passende Anbieter zu suchen und die genauen Vertragsbedingungen zu hinterfragen, bevor letztlich eine Entscheidung gefällt wird.

Kommentare von Lesern

Hier können Sie einen Kommentar zur Veröffentlichung vorschlagen. Über die Annahme wird der Autor des RP-Energie-Lexikons nach gewissen Kriterien entscheiden. Im Kern geht es darum, dass der Kommentar für andere Leser potenziell nützlich ist.

Ihr Name:
(freiwillige Angabe – auch Pseudonyme sind erlaubt)
Ihre E-Mail-Adresse:
(freiwillige Angabe)
Ihr Hintergrund:
(freiwillige Angabe, z. B. Energieberater, Handwerker oder Journalist)
Ihr Kommentar:
Spam-Prüfung:   (bitte die Summe von fünf und zwölf hier als Ziffern eintragen!)

Bem.: Mit dem Abschicken geben Sie Ihre Einwilligung, Ihren Kommentar hier zu veröffentlichen. (Sie können diese später auch widerrufen.) Da Kommentare zunächst vom Autor durchgesehen werden, erscheinen sie verzögert, z. B. erst am Folgetag oder evtl. noch etwas später.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Ihr Gesamteindruck: weiß nicht unbefriedigend in Ordnung gut ausgezeichnet
Fachliche Qualität: weiß nicht unbefriedigend in Ordnung gut ausgezeichnet
Lesbarkeit: weiß nicht unbefriedigend in Ordnung gut ausgezeichnet
Verdient dieser Artikel (oder das Energie-Lexikon insgesamt) Ihrer Ansicht nach Links von anderen Webseiten?
  nein eventuell ja
Kommentar:

Vielleicht haben Sie auch konkrete Vorschläge für inhaltliche Ergänzungen, nützliche Literaturangaben etc. Falls Sie eine bessere Website für dieses Thema kennen, sind wir dankbar für einen Hinweis darauf.

Wenn Sie einen Kommentar zur Veröffentlichung auf unserer Seite vorschlagen möchten, verwenden Sie dazu bitte das Formular im Kasten "Kommentare von Lesern".

Spam-Prüfung: (bitte den Wert von 5 + 8 hier eintragen!)

Wenn Sie eine Antwort möchten, können Sie Ihre E-Mail-Adresse im Kommentarfeld hinterlassen oder direkt eine E-Mail senden. Letztere Methode führt meist zu schnelleren Antworten.

Wenn Ihnen das RP-Energie-Lexikon gefällt, möchten Sie vielleicht auch den RP-Energie-Blog als E-Mail-Newsletter abonnieren.

Teilen Sie den Link auf diesen Artikel mit anderen:

Die Startseite gibt Ihnen den Einstieg in das RP-Energie-Lexikon, auch mit Tipps zur Benutzung.
Hier finden Sie diverse Ratgeber-Artikel, insbesondere im Bereich der Haustechnik.
Hiermit wird Ihnen ein zufällig ausgewählter Lexikonartikel angezeigt.
Der RP-Energie-Blog präsentiert Interessantes und Aktuelles zum Thema Energie. Er ist auch als E-Mail-Newsletter erhältlich.
Hier finden Sie die Kontaktinformationen und das Impressum.
Werden Sie ein Sponsor des RP-Energie-Lexikons – des besten deutschsprachigen Energielexikons im Internet!
Hier erfahren Sie mehr über den Autor des RP-Energie-Lexikons und seine Grundsätze.
Hier können Sie die Artikel des RP-Energie-Lexikons nach Kategorien geordnet durchstöbern.
Verbreitete Irrtümer zu Energiefragen werden hier detailliert aufgedeckt.
Der Glossar fasst die Definitionen von Fachbegriffen aus den Artikeln zusammen.
Mit dem Energie-Quiz können Sie Ihr Wissen im Energiebereich testen und vertiefen.
Hier werden die Hintergründe des Projekts beschrieben, auch die gewählten Grundsätze.
Mit zigtausenden von Nutzern pro Monat ist das RP-Energie-Lexikon zu einer interessanten Werbeplattform geworden.
Vom Autor des RP-Energie-Lexikons können Sie auch Beratung erhalten, insbesondere zu Energie-Technologien.
Hier finden Sie die Liste aller Artikel zu einem bestimmten Anfangsbuchstaben.
Hier können Sie nach Artikeln suchen, deren Titel ein bestimmtes Stichwort enthalten.
(Beachten Sie auch die Volltextsuche beim Menüpunkt "Suche"!)

Wärme von der Sonne

Verstehen Sie, wie Sonnenenergie genutzt wird, beispielsweise als Solarthermie oder mit Photovoltaik.

Sonnenkollektor

Das RP-Energie-Lexikon hilft bei der Klärung vieler Fragen:

Siehe auch die Seite über Irrtümer zu erneuerbaren Energien.

– Alle Banners –

– Ihr eigenes Banner! –