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Stromlücke

Definition: ein Engpass bei der Versorgung mit elektrischer Energie

Englisch: electricity shortage

Kategorien: elektrische Energie, Energiepolitik, Grundbegriffe

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta (G+)

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 03.11.2012; letzte Änderung: 22.02.2017

Der Begriff Stromlücke ist kein technischer Begriff, wird aber in der energiepolitischen Diskussion immer wieder verwendet; er bezeichnet einen für die Zukunft befürchteten Engpass in der Erzeugung mit elektrischer Energie aufgrund eines zu niedrigen Bestands an Kraftwerken. Wenn dies eintrifft, können Stromausfälle die Folge sein, oder auch geplante Abschaltungen z. B. gewisser Industriebetriebe zur Vermeidung allgemeiner Ausfälle; mehr oder weniger starke wirtschaftliche Schäden können die Folge sein. Es geht also um eine Gefährdung der Versorgungssicherheit.

Erfahrungen der Vergangenheit

Solche Befürchtungen basieren grundsätzlich auf Annahmen über die zukünftige Entwicklung des Kraftwerkparks wie auch des Stromverbrauchs (einschließlich dessen zeitlicher Struktur), können zusätzlich aber auch durch wirtschaftliche und politische Interessen beeinflusst sein. In der Vergangenheit wurden gelegentlich Stromlücken vorhergesagt, die dann aber nicht eintrafen:

Technische Szenarien und politische Instrumentalisierung

Vergangene Erfahrungen sind freilich nicht geeignet, Befürchtungen zukünftiger Stromlücken grundsätzlich zu diskreditieren. Es ist insbesondere zu unterscheiden zwischen einer Stromlücke als Element eines Szenarios (“Was geschähe, wenn …”) und einer Stromlücke als definitiver Prognose. Szenarien sind oft hilfreiche Werkzeuge zur Planung; es geht dann gerade darum, das Eintreten gewisser Szenarien mit Hilfe geeigneter Maßnahmen zu vermeiden bzw. zu klären, wie umfangreiche die benötigten Maßnahmen sind. Beispielsweise ist es durchaus sinnvoll, die für die nächsten Jahre geplanten Abschaltungen im Kraftwerkspark (z. B. wegen des Atomausstiegs oder einfach wegen zu hohen Alters und zu geringer Energieeffizienz) zu ermitteln, ebenfalls die bereits geplanten Kraftwerksprojekte und auch Prognosen über die Entwicklung des Strombedarfs, um dann alles zusammen zu betrachten. Daraus ergeben sich häufig Aussagen der folgenden Art: Es dürfte ab dem Jahr X zu Engpässen (einer Stromlücke) kommen, falls sich der Verbrauch entsprechend der Prognose Y entwickelt, Kraftwerke wie geplant außer Dienst gehen und nur die bereits geplanten Kraftwerke gebaut werden. Dies ist nicht identisch mit der Prognose einer Stromlücke, sondern im Kern eine Aussage darüber, was zusätzlich zu den bereits geplanten Entwicklungen geschehen muss, um Probleme zu vermeiden. Hierbei können die im Einzelnen gemachten Annahmen freilich strittig sein, auch unter Fachleuten.

Die klare Unterscheidung zwischen technisch vernünftigen Szenarien und politischen Drohkulissen kann verwischt werden durch Akteure aus Politik und Wirtschaft, die die Szenarien entsprechend instrumentalisieren. Eine solche Politisierung geht oft damit einher, dass eine ganz bestimmte Maßnahme (etwa der Verzicht auf einen Atomausstieg) als unbedingt nötig gefordert wird, diverse andere Optionen ausgeblendet werden und diverse gemachte Annahmen nicht thematisiert werden.

Optionen zur Vermeidung einer Stromlücke

Grundsätzlich gibt es ganz verschiedene technische Möglichkeiten, eine zukünftige drohende Stromlücke zu vermeiden:

Der Vergleich dieser Optionen ist naturgemäß eine komplexe Angelegenheit. Die Bemühung um sorgfältige Abwägungen der Optionen ist charakteristisch für ein sachlich fundiertes Vorgehen im Unterschied zu rein politisch motivierten Stromlücken-Debatten.

Siehe auch: Stromausfall, gesicherte Kraftwerksleistung, Versorgungssicherheit, elektrische Energie, Atomausstieg, Energiewende, Energiepolitik, Lastmanagement, Energiearmut
sowie andere Artikel in den Kategorien elektrische Energie, Energiepolitik, Grundbegriffe

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