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Stromrechnung

Definition: eine Rechnung für die Lieferung elektrischer Energie

Englisch: electricity bill

Kategorie: elektrische Energie

Autor:

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 20.04.2012; letzte Änderung: 22.02.2017

Wenn ein Endkunde von einem Energieversorgungsunternehmen (EVU) elektrische Energie bezieht, erhält er von diesem in regelmäßigen Abständen Stromrechnungen. Deren Höhe richtet sich nach dem mit einem oder mehreren Stromzählern gemessenen Stromverbrauch und dem Stromtarif entsprechend dem geltenden Liefer- bzw. Versorgungsvertrag.

Typische Struktur der Stromrechnung

Eine Stromrechnung enthält zuerst die Verbrauchsermittlung, also die Ermittlung der verbrauchten Energiemengen (u. U. auch der abgerufenen Spitzenleistung), und darauf basierend dann die Betragsermittlung.

Verbrauchsermittlung

Die Verbrauchsermittlung ergibt die verbrauchten Mengen elektrischer Energie in Kilowattstunden. Sie basiert in der Regel auf der Differenz von Zählerständen (Anzeigen des Stromzählers) zwischen Anfang und Ende des Abrechnungszeitraums. Da die Ablesung der Zählerstände einen gewissen Aufwand verursacht und es nicht möglich ist, z. B. die Zählerstände aller Kleinverbraucher zum Jahresende zu ermitteln, wird häufig stattdessen auch mit Schätzwerten gearbeitet: Der Zählerstand am Ende des Abrechnungszeitraums wird hierbei gemäß dem bisherigen Verbrauch hochgerechnet. Dies kann zwar zu gewissen Fehlern führen, jedoch gleicht sich dies bei der nächsten Rechnung, die auf dem tatsächlichen Zählerstand beruht, wieder aus. Manchmal werden auch Zählerstände benutzt, die vom Kunden selbst ermittelt und an das EVU gemeldet werden. Auch hier gilt, dass eine falsche Angabe zu einem späteren Ausgleich führen würde, und überdies bei fehlender Plausibilität vom EVU kontrolliert werden könnte.

Im Falle von zeitabhängigen Tarifen (mit Hochtarif und Niedertarif je nach Uhrzeit) werden die Verbräuche zu den unterschiedlichen Tarifzeiten separat ermittelt.

Betragsermittlung

Bei der Betragsermittlung werden die einzelnen Verbrauchszahlen (z. B. für Hoch- und Niedertarifzeiten) mit den jeweiligen Tarifsätzen multipliziert und aufaddiert. Hinzu kommt ggf. der verbrauchsunabhängige Grundpreis. Die Betragsermittlung bei einer Rechnung für ein Kalenderjahr könnte bei einem Kleinverbraucher vereinfacht z. B. so aussehen:

Verbrauch Tarif Betrag
Hochtarif 2250 kWh 0,25 €/kWh 562,50 €
Niedertarif 4640 kWh 0,16 €/kWh 742,40 €
Grundgebühr 6,90 €/Monat 82,80 €
Summe 6890 kWh 1387,70 €

Abbildung 1: Beispiel für die Betragsermittlung in einer einfachen Stromrechnung.

Diverse Faktoren können die Rechnung allerdings komplizierter machen:

  • Die Umsatzsteuer wird normalerweise separat ausgewiesen, d. h. alle Posten werden zunächst ohne Umsatzsteuer aufaddiert, und auf die Summe wird dann die Umsatzsteuer berechnet.
  • Manche EVU verrechnen Posten wie z. B. die Stromsteuer (Ökosteuer) separat und nicht als Teil des Arbeitspreises. Alternativ kann nachträglich ausgewiesen werden, welche Kostenfaktoren in welcher Höhe in den Grund- und Arbeitspreis eingeflossen sind.
  • Beliebt (bei EVU mehr als bei den Kunden) sind nicht allgemein verständliche Abkürzungen (siehe unten).
  • Meist werden vor der endgültigen Abrechnung monatliche Abschlagszahlungen verlangt, die dann in der Endabrechnung abgezogen werden.
  • Wenn innerhalb des Abrechnungszeitraums der Tarif geändert wurde, werden die Beträge für mindestens zwei Zeiträume separat addiert.
  • Bei Großverbrauchern gibt es meist noch einen Posten für die maximal abgefragte Leistung (mit einem Leistungspreis in €/kW) und u. U. einen weiteren für Blindstrombezug. Siehe hierzu den Artikel über Stromtarife.
kWh Kilowattstunde
HT Hochtarif
NT Niedertarif
WHT Verbrauch (“Work”) im Hochtarif
WNT Verbrauch im Niedertarif
BHT Blindleistung im Hochtarif
BNT Blindleistung im Niedertarif
LSTG Spitzenleistung
ZW Zählwerk (Stromzähler)
ET Eintarifzähler
MT Mehrtarifzähler
USt Umsatzsteuer
EEG Abgabe gemäß Erneuerbare-Energien-Gesetz
KWKG Abgabe gemäß Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz
EUR Euro (€)

Abbildung 2: Abkürzungen, die häufig auf Stromrechnungen verwendet werden. Darüber hinaus gibt es vom EVU abhängige Kürzel für bestimmte Tarife, z. B. H1 = Haushaltstarif 1 oder GL2 = Tarif 2 für Gewerbe und Landwirtschaft.

Mögliche Ursachen erhöhter Stromrechnungen

Wenn eine Stromrechnung unerwartet hoch ausfällt, sind ganz unterschiedliche Ursachen hierfür denkbar:

  • Wenn ein erhöhter Verbrauch angezeigt wird, dürfte dies in der Regel der Realität entsprechen; dass ein defekter Stromzähler dies nur simuliert, ist wenig wahrscheinlich. (Stromzähler können zwar nach jahrelangem Betrieb durchaus deutlich zu viel anzeigen, jedoch kaum sprunghaft massiv überhöhte Verbräuche anzeigen.) Ebenfalls denkbar, obwohl eher selten (und gut korrigierbar) ist eine falsche Zählerablesung. Ein erhöhter Verbrauch kann durch zusätzliche Elektrogeräte entstehen oder durch vermehrte Benutzung derselben. Beispielsweise kann sich der massive Einsatz eines Wäschetrockners deutlich in der Stromrechnung niederschlagen. Ein anderer Grund wäre ein defektes Gerät wie z. B. eine Elektrowärmepumpe, deren fehlende Funktion automatisch mit einem Elektroheizstab ausgeglichen wird.
  • Ein besonderer Grund für einen Mehrverbrauch wäre Stromdiebstahl: dass z. B. ein Nachbar im Mehrfamilienhaus einen Weg gefunden hat (etwa eine Abzweigung von einem Kabel außerhalb der Wohnung), Strom auf Kosten anderer Mieter oder des Vermieters zu beziehen.
  • Es kommt auch vor, dass der Verbrauch eines Geräts (z. B. eines Elektroboilers) durch eine falsch gehende Zeitschaltuhr von der Nacht in die Tageszeit (mit Hochtarif) verschoben wird. Das erkennt man leicht daran, dass der Hochtarif-Verbrauch gegenüber der letzten Abrechnung angestiegen und der Niedertarif-Verbrauch abgesunken ist.
  • Der Stromtarif könnte geändert worden sein. Auch dies lässt sich leicht durch Vergleich mit der letzten Rechnung kontrollieren. Manchmal ist es möglich, bei gleichem EVU auf einen günstigeren Stromtarif zu wechseln (wobei der Bezug von etwas teurerem Ökostrom wesentlich umweltfreundlicher ist, solange es sich um ein seriöses Ökostromangebot handelt). Ansonsten kann ein Stromanbieterwechsel helfen.

Siehe auch: Stromtarif, Stromzähler, elektrische Energie, Kilowattstunde, Stromanbieterwechsel, Ökostrom
sowie andere Artikel in der Kategorie elektrische Energie

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