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Suffizienz

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Definition: die Reduktion von Rohstoff- und Energieverbrauch durch Reduktion von Konsum- oder Komfortansprüchen

Englisch: sufficiency

Kategorien: Energiepolitik, Grundbegriffe, Umwelt und Ökologie

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 11.12.2012; letzte Änderung: 27.08.2016

Unter Suffizienz versteht man die freiwillige Einschränkung des Verbrauchs, d. h. die Bescheidung auf ein notwendiges, moderates Maß und der Verzicht auf übermäßigen Konsum. (Zum Wortursprung: lateinisch sufficere = ausreichen, genügen.) Der Ausgangspunkt ist eine entsprechende Geisteshaltung, die nicht nur eigene Bedürfnisse, sondern auch Bedürfnisse anderer Menschen (auch späterer Generationen) wahrnimmt und eine übermäßige Belastung der Natur zu vermeiden sucht. Da eine solche bewusste Lebensführung zu einem Verhalten führt, welches sich nach außen konkret oft durch den Verzicht auf bestimmte Dinge bemerkbar macht, wird Suffizienz oft mit Verzicht gleichgesetzt, was aber eine zu starke Verengung des Begriffs bedeutet.

Suffizienz bedeutet das Streben nach einer hohen Lebensqualität, die aber eben nicht hauptsächlich durch Konsum, sondern auf andere Weisen zustande kommt. Sie kann auch einhergehen mit Beruhigung durch Entschleunigung und Konzentration auf die wichtigsten Lebensumstände (beispielsweise menschliche Beziehungen). In diesem Sinne ist z. B. der Slogan “weniger ist mehr” zu verstehen: mehr Wohlbefinden mit weniger Konsum.

Ökologie spielt für die Suffizienz oft eine wichtige Rolle: Öko-Suffizienz versucht einen Beitrag zur Lösung ökologischer Probleme zu bringen, und sie verfolgt das Ziel der Nachhaltigkeit. Ein besonderes Anliegen ist oft der Klimaschutz.

Öko-Suffizienz in der Praxis

Einige Beispiele für Verhaltensweisen, zu denen Öko-Suffizienz im privaten Bereich führen kann:

Suffizienz im Energiebereich – dann auch als Energiesuffizienz bezeichnet – ist ein besonders wichtiger Aspekt für eine nachhaltige Lebensweise, da im Energiebereich ein wesentlicher Teil der Probleme von Ressourcenverknappung und Umweltbelastungen auftritt.

Vergleich mit anderen Ansätzen

Der Ansatz der Suffizienz kann in Konkurrenz mit anderen Ansätzen gesehen werden:

In manchen Fällen sind Suffizienz und Energieeffizienz nicht klar gegeneinander abgrenzbar. Beispielsweise kann eine ruhige, sparsame Fahrweise von einem suffizienten Fahrer als genügsam und entspannend empfunden werden, von einem anderen dagegen als sportlich/technische Optimierungsaufgabe. Die Energieeinsparung erfolgt teils durch Bescheidung mit einer geringeren Geschwindigkeit, teils durch Reduktion von Ineffizienzen. Effizienz und Suffizienz ergänzen sich auch sehr gut; beispielsweise können sonst bei Energieeffizienz drohende Rebound-Effekte vermieden werden, wenn ein an Suffizienz orientiertes Bewusstsein herrscht.

Substitution und verbesserte technische Energieeffizienz haben gegenüber der Suffizienz den Vorteil, dass sie im Prinzip keine (oder keine wesentliche) Änderung des Verbraucherverhaltens voraussetzen und auch keinen Konsumverzicht, falls sie kostengünstig realisierbar sind. Allerdings verursacht ihre Realisierung doch oft erhebliche Kosten, so dass dieser Unterschied entfällt; der Konsumverzicht erfolgt dann eben an anderer Stelle.

Suffizienz ist gerade in einer Wohlstandsgesellschaft schwer etablierbar, zum Teil weil sie anderen Bedürfnissen (etwa Freude und erhöhter sozialer Status durch Konsum) widerspricht und auch, weil Geisteshaltungen im Allgemeinen schwerer vermittelbar sind als Konsumangebote.

In den meisten Fällen dürfte eine überlegte Kombination von Suffizienz, Energieeffizienz und Substitution optimal sein – wobei die Bedeutung der einzelnen Faktoren sehr von den Umständen abhängen kann. Beispielsweise kommt in Entwicklungsländern häufig fast nur die Suffizienz in Frage, während zumindest die Mittel- und Oberklasse in einem Industrieland auch über andere Möglichkeiten verfügen kann. Eine nachhaltige Gesellschaft dürfte jedoch kaum ohne wesentliche Beiträge von Suffizienz möglich sein.

Staatliche Maßnahmen in Richtung Suffizienz

Für staatlichen Stellen gibt es kaum Instrumente z. B. der Energiepolitik, um Suffizienz gezielt zur Lösung von Problemen einzusetzen, da sich Geisteshaltungen nicht verordnen lassen. Es gibt aber etliche Maßnahmen, um Suffizienz als Ergänzung anderer Wege ein Stück weit zu unterstützen:

Suffizienz und Klimaschutz

Eine besondere Bedeutung gewinnt die Suffizienz als ein Mittel zur Abwendung einer Klimakatastrophe. Bisher wird beim Klimaschutz eher auf Substitution und Energieeffizienz gesetzt, allerdings mit sehr beschränktem Erfolg. Je länger entschiedene Maßnahmen in diesen Richtungen aufgeschoben werden, desto mehr bietet sich Suffizienz als eine sofort umsetzbare Strategie an.

Selbst bei weltweit optimalen Bemühungen in Richtung Energieeffizienz und Substitution wäre es kaum vorstellbar, dass ein ausreichender Klimaschutz erreicht wird, ohne dass Suffizienz ebenfalls praktiziert wird. Wenn nicht völlig unerwartete technologische Durchbrüche erreicht werden, ist es unmöglich, unbegrenzte Wünsche von Milliarden von Menschen auf nachhaltige und klimaverträgliche Weise zu erfüllen.

Suffizienz und Gerechtigkeit

Der Aspekt der globalen Gerechtigkeit und der Generationengerechtigkeit muss bei der Diskussion von Suffizienz eine wichtige Rolle spielen. Wenn Suffizienz nur von zukünftigen Generationen oder von Menschen auf anderen Kontinenten gefordert wird, während die heutigen Menschen in den Industrieländern ihre Bedürfnisse höher bewerten als alles andere, so wird nicht nur die Abwendung einer Klimakatastrophe sehr schwierig, sondern es erfolgt auch eine enorme Ungerechtigkeit. Es ist damit zu rechnen, dass die heute in den Industrieländern lebenden Generationen deswegen zukünftig als extrem verantwortungslos angesehen werden, falls sich die diesbezüglichen Einstellungen nicht massiv ändern.

Setzung von Prioritäten

Suffizienz kann immer auch in Kombination mit anderen Ansätzen zum Zuge kommen. Hierbei können allerdings sehr unterschiedliche Prioritäten gesetzt werden.

Manche Menschen schreiben der Vermeidung einer Klimakatastrophe die höchste Priorität zu. Hierzu gehört gemäß den wissenschaftlichen Erkenntnissen (nach Sicht der großen Mehrheit der Wissenschaftler) eine massive Reduktion von CO2-Emissionen. Wenn die zweite Priorität ein möglichst hoher materieller Wohlstand ist, wird man zunächst so viel wie möglich durch technische Energieeffizienz und durch Substitution zu erreichen suchen (unter weitest möglicher Vermeidung von Rebound-Effekten), und Suffizienz wird schließlich so weit eingesetzt, wie es die Zielerreichung erfordert. Wer dagegen der Technik eher skeptisch gegenüber steht, wird vielleicht in erster Linie auf Suffizienz setzen und Effizienz oder Substitution nur zur Unterstützung dieses Wegs punktuell zusätzlich einsetzen.

Für andere hat ein hoher materieller Wohlstand die höchste Priorität – im Zweifelsfall eine höhere als Klimaschutz. (Dies bedeutet effektiv eine kurzfristige Perspektive, da eine Klimakatastrophe dem Wohlstand extrem abträglich wäre, nur eben später.) Dann werden Energieeffizienz und Substitution eingesetzt, soweit sie den momentanen Wohlstand steigern, bewahren oder höchstens geringfügig vermindern. Suffizienz wird weitestgehend abgelehnt, und die langfristigen Folgen (für sich und andere) werden in Kauf genommen.

Literatur

[1]M. Linz et al., Von nichts zu viel. Suffizienz gehört zur Zukunftsfähigkeit, eine Publikation des des Wuppertal Instituts (2002)
[2]https://energiesuffizienz.wordpress.com/, eine Themenseite des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH (IFEU) mit Forschungsergebnissen und Informationen rund um das Thema Energiesuffizienz

(Zusätzliche Literatur vorschlagen)

Siehe auch: Nachhaltigkeit, Energiesparen, Klimagefahren, Klimaschutz, Energieeffizienz, Substitution, Energiepolitik
sowie andere Artikel in den Kategorien Energiepolitik, Grundbegriffe, Umwelt und Ökologie

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