www.energie-lexikon.info, enlex.info
RP-Energie-Lexikon
fachlich fundiert, unabhängig von Lobby-Interessen

Transparente Wärmedämmung

<<<  |  >>>  |  Feedback

Akronym: TWD

Definition: eine Wärmedämmung bestehend aus transparentem (lichtdurchlässigem) Material

Englisch: transparent thermal insulation

Kategorien: Energieeffizienz, Haustechnik, Wärme und Kälte

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 22.09.2014; letzte Änderung: 07.03.2015

Häufig ist eine “transparente Wärmedämmung” in Wirklichkeit nicht transparent (durchsichtig) sondern transluzent (durchscheinend)!

Die meisten Wärmedämmmaterialien (d. h. Materialien mit geringer Wärmeleitfähigkeit) sind opak, d. h. nicht lichtdurchlässig. Vereinzelt werden jedoch auch gut lichtdurchlässige Materialien verwendet. Meist sind sie nicht transparent wie ein Fenster, sondern weisen eine starke Streuung des Lichts auf, sodass man nicht hindurch sehen kann. Deswegen wäre hier die Bezeichnung “transluzent” meist präziser als “transparent”.

Für eine transparente Wärmedämmung kommen sowohl mineralische Substanzen als auch Kunststoffe infrage. Verwendbar sind beispielsweise gewisse Glasgranulate wie auch Wabenstrukturen von Kunststoffen mit viel Luftinhalt (etwa Acrylschaumplatten). Ebenfalls möglich ist die Verwendung von klaren oder getrübten Scheiben aus Glas oder Kunststoffen. Solche Elemente können außen auf einer Gebäudefassade angebracht werden. Transparent bzw. transluzent ist da nicht die Fassade an sich, sondern lediglich deren Wärmedämmung.

Es gibt allerdings auch Fassadenelemente, die Sonnenlicht sogar bis nach innen dringen lassen. (Man spricht dann von Tageslichtsystemen oder Direktgewinnsystemen.) Sie können ergänzend zu Fenstern oder gegebenenfalls als Ersatz dafür zur Versorgung der Räume mit Tageslicht dienen. Im Vergleich zu modernen Fenstern können Tageslichtsysteme noch bessere Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Werte) aufweisen. Die meist starke Streuung des Lichts kann insofern vorteilhaft sein, dass das Licht besser im Raum verteilt wird und somit weniger Blendeffekte auftreten. Bei großflächigen Einsatz kann der Energieaufwand für die Beleuchtung deutlich gesenkt werden – insbesondere bei Bürogebäuden mit hohem Lichtbedarf.

Eine wichtige Grundidee hinter der transparenten Wärmedämmung ist, dass die Energie von Sonnenlicht, welches von außen auf eine damit gedämmte Wand fällt, für die Beheizung nutzbar gemacht wird. Das Licht gelangt nämlich mindestens teilweise durch die Wärmedämmung auf die Wand, wo es absorbiert und dabei in Wärme umgewandelt wird. (Idealerweise sollte nicht nur sichtbares, sondern auch infrarotes Licht (Wärmestrahlung) von dem Material gut durchgelassen werden, während die gegebenenfalls beschichtete Wandoberfläche die Strahlung gut absorbieren sollte.) Diese Wärme fließt nun vorzugsweise nach innen, da der Abfluss nach außen ja durch die Wärmedämmung behindert wird. Es handelt sich somit um eine Art der passiven Solarheizung in Form eines Wandheizungssystems. Die Fassade wird dabei quasi zu einem Sonnenkollektor, der allerdings keinen Wärmetransport über einen Wasserkreislauf erfordert.

Wenn der U-Wert niedrig ist und gleichzeitig erhebliche solare Gewinne auftauchen, kann die winterliche Wärmebilanz der Fassade durchaus positiv sein.

Auf die beschriebene Weise kann die Energiebilanz einer gedämmten Wand im zeitlichen Mittel durchaus positiv sein, d. h. es dringt im Mittel mehr Wärme ein, als die Wand durch Wärmeleitung nach außen an Wärme verliert. Dies funktioniert allerdings nur, wenn eine so gedämmte Wand genügend oft vom Sonnenlicht beschienen wird (also z. B. auf einer nicht verschatteten Südfassade). Eine Schwierigkeit besteht darin, den transparenten Charakter des Materials mit einem niedrigen Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert) zu verbinden. (Typischerweise liegt der erreichbare U-Wert zwar massiv unter dem einer ungedämmten Wand, aber doch um das Doppelte oder Dreifache höher als bei einer konventionell gut gedämmten Wand.) Ein weiteres Problem liegt in den typischerweise deutlich höheren Kosten als für nicht lichtdurchlässige Dämmmaterialien.

Wegen der Speicherwirkung der Wand führen solare Gewinne der transparenten Wärmedämmung deutlich weniger als bei Fenstern zu Temperaturschwankungen.

Günstig ist der Umstand, dass die Gewinnung von Sonnenenergie bei diesem Verfahren meist mit einer Wärmespeicherung durch die Wand verbunden ist (soweit die Wärme nicht unmittelbar an den Raum abgegeben wird, z. B. wenn die Strahlung in den Raum gelangt). Dadurch wird die gewonnene Wärme mit einer gewissen Zeitverzögerung an die Innenräume abgegeben, sodass geringere Temperaturschwankungen auftreten als beispielsweise mit solaren Gewinnen nur über Fenster.

Zu bedenken ist die Gefahr der sommerlichen Überhitzung der Räume. Eine Möglichkeit der Vorbeugung dagegen is eine aktive Verschattung, die an heißen Tagen gezielt einsetzbar ist. Beispielsweise können außen liegende elektrisch verstellbare Lamellen als Sonnenschutz hierfür dienen, deren Steuerung mit einer geeigneten Regelstrategie erfolgt. Unter Umständen kann jedoch auch der Effekt genügen, dass das Sonnenlicht an den heißen Tagen meist steil einfällt und somit vertikale Fassadenelemente wesentlich weniger trifft als im Winter. Unterstützend kann hierbei ein ausreichend weiter Dachüberstand wirken.

Eine transparente Wärmedämmung kann bei einem Neubau von Anfang an vorgesehen werden. Ebenfalls möglich ist der Einsatz im Rahmen einer energetischen Sanierung eines Gebäudes.

Genügen nicht schon die Fenster für den Wärmegewinn aus der Sonneneinstrahlung?

Wenn ein Gebäude über eine gute herkömmliche (nicht transluzente) Wärmedämmung verfügt, können die Wärmegewinne durch ausreichend groß bemessene Fensterflächen an sonnigen Tagen bereits ausreichend hoch sein, um zusätzliche Heizwärme unnötig zu machen. Ein Defizit an Wärme entsteht grundsätzlich am ehesten an kalten und gleichzeitig trüben Tagen. In solchen Fällen ist der Nutzen einer transluzenten Wärmedämmung beschränkt oder kann jedenfalls die höheren Kosten schwer rechtfertigen. Anders kann die Situation jedoch sein, wenn nur geringe Fensterflächen vorhanden sind.

Siehe auch: Wärmedämmung, Wärmedämmmaterial, Sonnenenergie, Solarheizung, Beleuchtung, solare Gewinne, Sonnenschutz
sowie andere Artikel in den Kategorien Energieeffizienz, Haustechnik, Wärme und Kälte

Kommentare von Lesern

Hier können Sie einen Kommentar zur Veröffentlichung vorschlagen. Über die Annahme wird der Autor des RP-Energie-Lexikons nach gewissen Kriterien entscheiden. Im Kern geht es darum, dass der Kommentar für andere Leser potenziell nützlich ist.

Ihr Name:
(freiwillige Angabe – auch Pseudonyme sind erlaubt)
Ihre E-Mail-Adresse:
(freiwillige Angabe)
Ihr Hintergrund:
(freiwillige Angabe, z. B. Energieberater, Handwerker oder Journalist)
Ihr Kommentar:
Spam-Prüfung:   (bitte die Summe von fünf und zwölf hier als Ziffern eintragen!)

Bem.: Mit dem Abschicken geben Sie Ihre Einwilligung, Ihren Kommentar hier zu veröffentlichen. (Sie können diese später auch widerrufen.) Da Kommentare zunächst vom Autor durchgesehen werden, erscheinen sie verzögert, z. B. erst am Folgetag oder evtl. noch etwas später.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Ihr Gesamteindruck: weiß nicht unbefriedigend in Ordnung gut ausgezeichnet
Fachliche Qualität: weiß nicht unbefriedigend in Ordnung gut ausgezeichnet
Lesbarkeit: weiß nicht unbefriedigend in Ordnung gut ausgezeichnet
Verdient dieser Artikel (oder das Energie-Lexikon insgesamt) Ihrer Ansicht nach Links von anderen Webseiten?
  nein eventuell ja
Kommentar:

Vielleicht haben Sie auch konkrete Vorschläge für inhaltliche Ergänzungen, nützliche Literaturangaben etc. Falls Sie eine bessere Website für dieses Thema kennen, sind wir dankbar für einen Hinweis darauf.

Wenn Sie einen Kommentar zur Veröffentlichung auf unserer Seite vorschlagen möchten, verwenden Sie dazu bitte das Formular im Kasten "Kommentare von Lesern".

Spam-Prüfung: (bitte den Wert von 5 + 8 hier eintragen!)

Wenn Sie eine Antwort möchten, können Sie Ihre E-Mail-Adresse im Kommentarfeld hinterlassen oder direkt eine E-Mail senden. Letztere Methode führt meist zu schnelleren Antworten.

Wenn Ihnen das RP-Energie-Lexikon gefällt, möchten Sie vielleicht auch den RP-Energie-Blog als E-Mail-Newsletter abonnieren.

Teilen Sie den Link auf diesen Artikel mit anderen:

Werden Sie Sponsor!

Das RP-Energie-Lexikon wird in erster Linie als ein Dienst an der Allgemeinheit betrieben. Es wird bereits von zigtausenden von Benutzern pro Monat genutzt und dürfte vielerorts zu sinnvollen Entscheidungen beitragen.

Unterstützen Sie den weiteren Aufbau des Lexikons als Sponsor! Damit leisten Sie Ihren Beitrag zur Verbreitung hilfreicher Informationen, und viele Leser werden es Ihnen danken.

Als Sponsor erhalten Sie unter anderem ein Banner, welches in dieser Spalte mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit pro Seitenaufruf angezeigt wird.

Ansonsten können Sie auch als ein reiner Werbekunde ein solches Banner bekommen.

– Alle Banners –

– Ihr eigenes Banner! –

Die Startseite gibt Ihnen den Einstieg in das RP-Energie-Lexikon, auch mit Tipps zur Benutzung.
Hier finden Sie diverse Ratgeber-Artikel, insbesondere im Bereich der Haustechnik.
Hiermit wird Ihnen ein zufällig ausgewählter Lexikonartikel angezeigt.
Der RP-Energie-Blog präsentiert Interessantes und Aktuelles zum Thema Energie. Er ist auch als E-Mail-Newsletter erhältlich.
Hier finden Sie die Kontaktinformationen und das Impressum.
Werden Sie ein Sponsor des RP-Energie-Lexikons – des besten deutschsprachigen Energielexikons im Internet!
Hier erfahren Sie mehr über den Autor des RP-Energie-Lexikons und seine Grundsätze.
Hier können Sie die Artikel des RP-Energie-Lexikons nach Kategorien geordnet durchstöbern.
Verbreitete Irrtümer zu Energiefragen werden hier detailliert aufgedeckt.
Der Glossar fasst die Definitionen von Fachbegriffen aus den Artikeln zusammen.
Mit dem Energie-Quiz können Sie Ihr Wissen im Energiebereich testen und vertiefen.
Hier werden die Hintergründe des Projekts beschrieben, auch die gewählten Grundsätze.
Mit zigtausenden von Nutzern pro Monat ist das RP-Energie-Lexikon zu einer interessanten Werbeplattform geworden.
Vom Autor des RP-Energie-Lexikons können Sie auch Beratung erhalten, insbesondere zu Energie-Technologien.
Hier finden Sie die Liste aller Artikel zu einem bestimmten Anfangsbuchstaben.
Hier können Sie nach Artikeln suchen, deren Titel ein bestimmtes Stichwort enthalten.
(Beachten Sie auch die Volltextsuche beim Menüpunkt "Suche"!)