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Vertikale Netzlast

Definition: die Summe aller Leistungsflüsse vom Übertragungsnetz zu den Netzen der niedrigeren Ebenen oder zu direkt angeschlossenen Verbrauchern

Englisch: vertical network load

Kategorien: elektrische Energie, Grundbegriffe

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta (G+)

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 17.11.2012; letzte Änderung: 10.11.2017

Die vertikale Netzlast bezeichnet die elektrische Leistung, die insgesamt vom Übertragungsnetz (also der Höchstspannungsebene) an die niedrigeren Netzebenen und an direkt angeschlossene Großverbraucher geliefert wird. Im Wesentlichen diese Leistung zuzüglich gewisser Netzverluste muss von den an das Höchstspannungsnetz angeschlossenen Kraftwerken aufgebracht werden, wobei Stromimporte aus dem Ausland abzuziehen bzw. Exporte in das Ausland zur nötigen Kraftwerksleistung zu addieren sind.

Daten zur vertikalen Netzlast werden von den Übertragungsnetzbetreibern veröffentlicht. Sie geben Aufschluss über die Verhältnisse auf der Ebene von Großkraftwerken und Höchstspannungsnetz, nicht jedoch über Vorgänge in niedrigeren Netzebenen. Lastwerte der Verteilnetzebene zu ermitteln, wäre aufgrund der vielen Netze wesentlich schwieriger.

Die vertikale Netzlast ist nicht identisch mit der gesamten Netzlast, da kleinere Kraftwerke (z. B. Windenergieanlagen und Photovoltaikanlagen) ihre Leistung auf der Mittelspannungs- oder Niederspannungsebene einspeisen. Sie versorgen also Verbraucher in ihrer Region direkt, ohne dass diese Leistungsflüsse zur vertikalen Netzlast beitragen; im Gegenteil wird diese sogar reduziert: Die lokale Einspeisung wirkt sich im Höchstspannungsnetz genauso wie ein reduzierter Verbrauch aus. Wenn diese Einspeisungen lokal größer sind als der Verbrauch in den niedrigen Netzebenen, fließt sogar Leistung von dort in das Höchstspannungsnetz. Deshalb kann sich z. B. für den Bereich eines Übertragungsnetzbetreibers zeitweise auch eine negative vertikale Netzlast ergeben. Allerdings gibt es auch andere Definitionen, nach denen negative vertikale Netzlasten nicht möglich sind; die vertikale Netzlast ist dann eine reine Last, und zusätzlich wird ein Netto-Abfluss angegeben, der dann ggf. negativ werden kann.

In Deutschland betrug die maximale vertikale Netzlast im Winter 2011/2012 ca. 54,5 GW, deutlich weniger als die Jahreshöchstlast von gut 80 GW. Der Unterschied resultiert hauptsächlich aus der oben beschriebenen Einspeisung erneuerbarer Energie sowie von anderen Anlagen wie Blockheizkraftwerken auf der Mittel- und Niederspannungsebene.

Siehe auch: Stromnetz, Jahreshöchstlast
sowie andere Artikel in den Kategorien elektrische Energie, Grundbegriffe

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