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Wärmedämmputz

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Definition: ein Putz z. B. auf einer Außenfassade oder einer Innenwand, der deutlich zur Wärmedämmung beiträgt

Englisch: insulated render

Kategorien: Energieeffizienz, Haustechnik, Wärme und Kälte

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta (G+)

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 17.11.2013; letzte Änderung: 22.02.2017

Die Wärmedämmung von Gebäudefassaden wird meist mit Hilfe von außen angebrachten Dämmplatten erreicht (→ Wärmedämmverbundsystem), in anderen Fällen durch die Wahl von gut wärmedämmenden Baumaterialien wie z. B. Hohlziegeln. Eine andere Möglichkeit, die sich besonders auch bei der energetischen Sanierung von Gebäuden anbietet, ist die Verwendung eines Dämmputzes. Die Grundidee ist es, eine relativ dicke Putzschicht (mit mehreren Zentimetern Dicke) auf die Wand aufzutragen, die aus einem Material mit einer geringen Wärmeleitfähigkeit besteht. Der Putz kann wie üblich die Grundlage für einen Anstrich sein.

Materialien für Dämmputze

Typische Materialien für Putze sind mineralische Gemische wie z. B. Kalkzement, die allerdings keine besonders niedrige Wärmeleitfähigkeit aufweisen. Die Wärmeleitfähigkeit kann aber stark vermindert werden durch Zugabe von leichten, porösen Materialien wie z. B. Perlite, Blähglas, Bimsstein oder Kügelchen aus expandiertem Polystyrol (EPS). Allerdings ist der Anteil solcher Leichtzuschläge dadurch begrenzt, dass die mechanische Stabilität nicht zu sehr leiden darf. Deswegen ist es schwierig, ähnlich niedrige spezifische Wärmeleitfähigkeiten (λ-Werte) zu erzielen wie z. B. mit Dämmmaterialien für Dämmplatten. Besonders häufig verwendet werden EPS-Dämmputze, da diese eine bessere Dämmwirkung als rein mineralische Systeme aufweisen und meist auch viel weniger graue Energie beinhalten. Auch Recycling-Polystyrol ist hierfür verwendbar.

Mit neuartigen Aerogel-Dämmputzen sind zwar λ-Werte in der Gegend von 0,03 W / (m K) möglich – vergleichbar mit Polyurethan, besser als Polystyrol. Ihre Anwendung erfordert jedoch angepasste Methoden, damit die Dämmwirkung nicht beim Auftragen durch Beschädigung der feinen luftgefüllten Poren zerstört wird.

Da ein Putz zumindest für eine Außenfassade gut wasserbeständig sein muss, sich diese Eigenschaft aber nicht unbedingt mit einer geringen Wärmeleitfähigkeit verbinden lässt, kann man eine Kombination aus einem wärmedämmenden Unterputz und einem wasserabweisenden Oberputz verwenden.

Mit Dämmputzen erzielbare Wärmedämmwirkung

Wie oben erläutert, ist die Wärmeleitfähigkeit von Dämmputzen in der Regel deutlich höher als die von gängigen Dämmmaterialien für Dämmplatten. Hinzu kommt vor allem aber, dass Putze kaum eine Dicke von mehr als 10 cm erreichen können, meist sogar deutlich dünner sind. Deswegen ist ihre Wärmedämmwirkung in der Regel erheblich geringer als die von z. B. 10 bis 20 cm dicken Dämmplatten aus Polystyrol oder Steinwolle. Moderne Aerogel-Dämmputze sind deutlich besser als herkömmliche Dämmputze, können aber wegen ihrer geringen Dicke ebenfalls nicht die thermische Qualität eines Wärmedämmverbundsystems erreichen.

Der große Vorteil von Dämmputzen ist jedoch, abgesehen von den geringen Kosten, dass seine Verwendung auch in vielen Fällen möglich ist, wo ein Wärmedämmverbundsystem nicht in Frage kommt. Dies ist bei der energetischen Sanierung von Gebäuden häufig der Fall, z. B. bei denkmalgeschützten Fassaden oder wenn die große Dicke von Dämmplatten teure bauliche Anpassungen erfordern würde. Mit einem Dämmputz erreicht man dann zwar noch lange kein Passivhausniveau, aber immerhin eine deutliche Verbesserung gegenüber einer gänzlich ungedämmten Wand – vor allem wenn diese besonders schlechte thermische Werte aufweist. Beispielweise kann der Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert) einer 20 cm dicken Ziegelwand ca. 4 W / (m2 K) sein; ein gewöhnlicher dünner Putz senkt diesen Wert nur wenig. Wenn hierauf aber ein rein mineralischer Dämmputz z. B. auf Perlit-Basis mit 5 cm Dicke aufgebracht wird, erhält man einen U-Wert von immerhin nur noch 1,6 W / (m2 K). Mit 5 cm Aerogel-Putz wären es noch 0,52 W / (m2 K). Allerdings käme man mit 16 cm Steinwolle bereits auf 0,24 W / (m2 K), also auf einen noch weit besseren Wert.

Auch für die Innendämmung gibt es Dämmputze, die z. B. auf Kalkzement mit Perlit-Zugabe beruhen. Auch hier gilt, dass nur eine begrenzte Dämmwirkung erzielbar ist, dies aber mit relativ geringem Aufwand. Ihre rein mineralische, alkalische Konsistenz und ihre Kapillaraktivität minimiert das Risiko von Feuchteschäden. Auch Putze mit EPS-Kügelchen (siehe oben) werden im Innenbereich verwendet.

Nachteile von Dämmputzen

Abgesehen von der moderaten Wärmedämmwirkung haben Dämmputze noch andere Nachteile:

Siehe auch: Wärmedämmung, Wärmeleitfähigkeit, Wärmedämmmaterial, Wärmedämmverbundsystem, energetische Sanierung von Gebäuden
sowie andere Artikel in den Kategorien Energieeffizienz, Haustechnik, Wärme und Kälte

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