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Wärmewellenheizung

Definition: eine Elektroheizung, die hauptsächlich Strahlungswärme (Infrarotstrahlung) abgibt

Alternativer Begriff: Infrarotheizung

Allgemeinerer Begriff: Elektroheizung

Englisch: infrared heating

Kategorien: Haustechnik, Wärme und Kälte

Autor:

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 02.05.2010; letzte Änderung: 14.03.2020

Der Begriff Wärmewellenheizung (manchmal auch Infrarotheizung) wird gelegentlich verwendet für Elektro-Direktheizungen, die die Heizwärme zu einem wesentlichen Teil als Strahlungswärme (Infrarotstrahlung) anstatt z. B. durch Konvektion von Luft abgeben sollen. Es gibt solche Heizkörper in verschiedenen Formen, etwa als Elemente für die Deckenheizung, Spiegelheizung und Glasheizung, aber auch als relativ konventionelle Wandheizkörper.

Zunächst darf nicht übersehen werden, dass es sich bei der Wärmewellenheizung um eine Elektroheizung mit all den damit resultierenden Nachteilen handelt. Vor allem ist zwar der Wirkungsgrad des Heizkörpers 100 %, aber wegen der verlustreichen Stromerzeugung wird der Gesamtwirkungsgrad sehr niedrig. Dies führt zu hohen Betriebskosten pro umgesetzter Kilowattstunde und (abhängig von der gewählten Art der Stromerzeugung) häufig zu einer sehr hohen Umweltbelastung, insbesondere auch zu klimaschädlichen Kohlendioxid-Emissionen.

Zu den spezifischen Eigenschaften von Wärmewellenheizungen im Vergleich zu anderen Elektroheizungen sind mehrere Aspekte zu berücksichtigen:

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Begriff der “Wärmewellenheizung” leicht als Werbetrick erkannt werden kann, der leider manche Konsumenten irreführt und zur Verbreitung ineffizienter und umweltbelastender Elektroheizungen beiträgt. Die negative Sachlage wird häufig zusätzlich verschleiert:

Wenn ein Wärmewellen-Heizkörper (also Infrarotheizkörper) nicht zur Grundbeheizung eingesetzt wird, sondern als eine räumlich und zeitlich gezielte Zusatzheizung beispielsweise in einem Badezimmer, kann dies trotz dem schlechten Wirkungsgrad der Elektroheizung energetisch durchaus sinnvoll sein. Propagiert wird aber leider oft gerade der unsinnige Einsatz als Grundheizung, beispielsweise als Ersatz für eine Gasheizung.

Fragen und Kommentare von Lesern

31.01.2018

“Infrarotheizungen wirken angeblich vorbeugend gegen Schimmelpilzbefall. Sicher wird eine direkt beheizte Wand an dieser Stelle kaum Schimmel entwickeln, aber das gilt für jede Art von Heizung.” - Das darf doch wohl nicht wahr sein. Bei Konvektion ist immer die Luft wärmer als die Wand, weshalb es zu Kondensation und damit feuchter Wand führen kann. Bei Strahlung ist die Wand immer wärmer als die Luft, weshalb es keine Kondensation geben kann.

Antwort vom Autor:

Da liegen Sie falsch. Wenn Luft an einem Konvektion-Heizkörper aufsteigt, bleibt ihre absolute Feuchtigkeit unverändert (falls nicht etwa nasse Dinge auf dem Heizkörper liegen), und die relative Luftfeuchtigkeit sinkt. Ein solcher Heizkörper hat also einen Trocknungseffekt ganz ähnlich zu dem eines Strahlungsheizkörpers.

Es ist keinesfalls so, dass automatisch die Gefahr von Kondensation entsteht, wenn eine Wand von wärmerer Luft erreicht wird. Eine Beheizung ohne gleichzeitige Zufuhr von Wasserdampf hat immer einen trocknenden Effekt, egal ob sie per Konvektion oder durch Strahlung geschieht.

16.04.2018

Danke für diese meiner Meinung nach sehr gute Darstellung der Sachverhalte bei IR-Heizungen – im Gegensatz zu den meist wirklich erschreckend unseriösen Darstellungen durch Werbemedien. Ich denke auch, dass die Unterschiede hinsichtlich der Effizienz zwischen elektrischen Konvektoren und Radiatoren nicht sehr gravierend sind (Wirkungsgrad ist ohnehin immer 100 %).

Ein Aspekt könnte allerdings sein, dass bei Radiatoren die Strömungsdynamik in der Luft anders ist, was evtl. zu geringerer Umverteilung des Staubs von einer Seite des Raumes zur anderen bewirkt. Was meinen Sie dazu?

Antwort vom Autor:

In der Tat ist die Tendenz zur Aufwirbelung von Staub bei Strahlungsheizungen wesentlich reduziert. Auf der anderen Seite kommt es an heißen Heizkörpern und Hochtemperatur-Strahlern verstärkt zur Verschwelung von Staub, was zu unangenehmen Gerüchen führt.

07.08.2018

Leider gibt es keine neutralen Beurteilungen der Infrarotheizung. Eine Studie der Uni Kaiserslautern äußert sich sehr positiv zu Infrarotheizungen. Wir wissen aber auch, dass Gutachten nicht selten gekauft werden. So bleibt keine andere Möglichkeit, als es selber auszuprobieren.

Antwort vom Autor:

Es gibt sehr wohl seriöse Studien zu diesem Thema, beispielsweise eine von der Hochschule Luzern, die in 2011 veröffentlicht wurde. Sie hat für Infrarotheizungen im Vergleich zu Wärmepumpenheizungen einen gleichen oder höchstens marginal niedrigeren Wärmebedarf gefunden, was wegen der viel effizienteren Wärmeerzeugung mit Wärmepumpen zu einem weitaus niedrigeren Energieverbrauch der Wärmepumpenheizung führt.

Selbst wenn es keine Studie dazu gäbe, würde eine verständige Fachperson die Darstellungen diverser Fans der Infrarotheizung ohne weiteres als unseriös (unbelegt und unplausibel) erkennen.

Es gibt also m. E. keinen vernünftigen Anlass, diese Sache selbst auszuprobieren.

03.05.2019

Mit dem von Ihnen angeführtem Argument (spezifische Nachteile der Elektroheizung) könnten Sie jedes elektrifizierte System (Elektromobilität, E-Maschinen, Elektronik .....) ad absurdum führen.

Fakt wird jedoch sein, dass nur ein elektrische System, gespeist durch regenerative Energiequellen, einen feinstaubfreien und hocheffizienten Betrieb vor Ort realisieren kann.

Antwort vom Autor:

Nein, man kommt zu sehr unterschiedlichen Resultaten beispielsweise für Elektroheizungen und Elektromobilität. Beispielsweise findet man, dass eine Elektrowärmepumpe weitaus effizienter ist als eine Elektroheizung, während ein Elektroauto tendenziell effizienter ist als jede Alternative dazu (abgesehen von leichteren Fahrzeugen).

Ein hocheffizienter Betrieb in einem substanziellen Sinn ist jedenfalls nicht möglich mit einer Elektroheizung, jedoch beispielsweise mit einer Elektrowärmepumpe.

17.01.2020

Ich heize ein altes, aber gedämmtes Haus mangels eingebauter Heizanlage und mangels Platz für den Heizungsraum seit 20 Jahren ausschließlich mit Wärmewellenheizgeräten. Die Anschaffungskosten sind niedrig, bisher hab ich erst zwei Heizer ersetzen müssen (zus. 150 €), und ich zahle für Licht, Warmwasser und Heizung monatlich 200 €. Dazu besteht mein Energiemix laut Anbieter zu 100% aus Solarstrom, also null CO²-Emission. Angenehme Wärme, keine Wartungskosten, keine Modernisierung alle 10 oder 15 Jahre, kein Staat, der mir mit immer niedrigeren Grenzwerten eine neue Heizung aufnötigt. Ich bin zufrieden und kann deshalb der Verteufelung der E-Heizung nichts abgewinnen.

Antwort vom Autor:

Das mag für Sie so eine gute Lösung sein, aber leider sind die meisten alten Häuser nicht wärmegedämmt und verursachen deswegen weitaus höhere Heizkosten, und leider verwenden gerade deswegen die meisten Leute dafür keinen Ökostrom. Und dann hat man eben eine teure, starke umweltbelastende Heizung.

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Literatur

[1]“Vergleich Energieeffizienz: Infrarot-Heizung versus Wärmepumpen-Heizung”. Studie im Auftrag der Konferenz der Ostschweizer Energiefachstellen. Autoren: Sebastian Klauz, Iwan Plüss, Urs-Peter Menti, Hochschule Luzern, Technik & Architektur, August 2010

(Zusätzliche Literatur vorschlagen)

Siehe auch: Elektroheizung, Infrarotheizung, Heizstrahler, Wärmestrahlung
sowie andere Artikel in den Kategorien Haustechnik, Wärme und Kälte

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