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Zweischalenmauerwerk

Definition: ein Mauerwerk, das aus zwei Schalen mit einem Hohlraum dazwischen besteht, der mit Dämmmaterial ausgefüllt werden kann

Englisch: double layer brick wall

Kategorien: Haustechnik, Wärme und Kälte

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta (G+)

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 08.12.2012; letzte Änderung: 03.11.2018

Zweischalenmauerwerk
Abbildung 1: In einem horizontal aufgeschnittenen Zweischalenmauerwerk ist der Hohlraum gut zu erkennen. Man sieht außerdem einige Verbindungen zwischen den beiden Schalen. Quelle: www.einblasdaemmung.de

Ein Zweischalenmauerwerk, auch als Doppelschalenmauerwerk bezeichnet, ist das äußere Mauerwerk eines Gebäudes, welches zwei harte Schalen enthält:

Es erfolgt eine klare Trennung der Funktionen der drei Schichten. Da die Wärmedämmfunktion von der Kerndämmung übernommen wird, können die Ziegel massiv sein; es werden nicht unbedingt hochporöse Ziegel benötigt.

Früher wurden viele Häuser mit Zweischalenmauerwerk gebaut, bei denen der Hohlraum von z. B. 7 cm Dicke aber nicht ausgefüllt wurde. Die Dämmwirkung ist dann erheblich reduziert, da Luft im Hohlraum umgewälzt wird. Diese Luftkonvektion transportiert im Winter Wärme von der wärmeren Innenschale zur Außenschale. Der effektive U-Wert (unter Berücksichtigung der Konvektion) kann dann z. B. 1,5 W /(m2 K) betragen, also weitaus mehr als z. B. bei einem typischen Wärmedämmverbundsystem. (Natürlich hängt der genaue U-Wert von diversen Details ab.) Oft lässt sich der Hohlraum aber nachträglich mit einem Dämmmaterial ausfüllen, z. B. durch Einblasen eines leichten Perlit-Granulats oder von Cellulosefasern (→ Einblasdämmung). (Feste Dämmplatten lassen sich kaum nachträglich einfügen.) Die Funktion des Dämmmaterials ist im Wesentlichen, die Luftkonvektion zu unterbinden, wodurch der U-Wert der Wand z. B. auf 0,4 W /(m2 K) absinkt. Das Material muss je nach der Situation geeignet gewählt werden, um Bauschäden durch Feuchtigkeit zu vermeiden. Die Kosten liegen relativ niedrig, auch bei nachträglicher Dämmung.

Da die äußere Schale wesentlich größeren Temperaturschwankungen ausgesetzt ist als die innere, werden meist vertikale Ausgleichsfugen (Dilatationsfugen) angebracht. Diese können mit einem Kitt ausgefüllt werden. Heute werden auch eingefärbte Kunststoffprofile und Fugendichtungsbänder eingesetzt.

Von außen ist meist kaum erkennbar, ob ein Mauerwerk zweischalig ist, d. h. einen Hohlraum aufweist. Einen wichtigen Anhaltspunkt gibt allerdings allein schon die gesamte Dicke; wenn diese entweder bei rund 33 cm oder bei ca. 45 cm liegt, handelt es sich mit größerer Wahrscheinlichkeit als bei anderen Dicken um ein zweischaliges Mauerwerk.

Im Prinzip kann ein Einschalenmauerwerk auch nachträglich zu einem Zweischalenmauerwerk ausgebaut werden. Dies ist jedoch mit hohen Kosten verbunden, zumal viele Details angepasst werden müssen und die Gesamtdicke massiv steigt. Deswegen dürfte diese Option für eine energetische Sanierung nur selten in Frage kommen.

Belüftung und Entwässerung des Hohlraums

offene Stoßfugen
Abbildung 2: Offen gelassene Stoßfugen zwischen Ziegeln und andere Fugen, die der Belüftung dienen sollen, an windigen Regentagen aber auch jede Menge Regenwasser hereinlassen. Quelle: www.einblasdaemmung.de

Früher wurde ein zweischaliges Mauerwerk häufig mit einer Belüftung ausgeführt. Beispielsweise wurden einzelne Stoßfugen direkt unter dem Dach und andere nahe am Boden bewusst offen gelassen (siehe Abbildung 2). Dies war hauptsächlich dafür gedacht, dass zirkulierende Luft Wasser, welches gelegentlich durch Schlagregen eindringt, mit der Zeit wieder abführen kann.

Dieses Konzept hat sich allerdings als nachteilig und unnötig erwiesen:

Aus diesen Gründen sollte man auf eine solche Belüftung besser verzichten und eine möglichst luftdichte Gebäudehülle herstellen.

Übrigens kann auch Wasserdampf durch die innere Mauerschale diffundieren. Die dadurch entstehenden Wassermengen im Hohlraum sind allerdings minimal im Vergleich zu denen durch Schlagregen; sie können leicht durch Diffusion und Kapillarwirkung in der äußeren Schale abgeführt werden, auch ohne Lüftungsöffnungen.

Natürlich muss auch bei einer nachträglichen Einblasdämmung ein geeignetes Dämmmaterial verwendet werden, um keine Feuchtigkeitsprobleme zu verursachen. Beispielsweise sind Celluloseflocken anders als Polystyrolgranulate für diese Anwendung nicht freigegeben.

Vergleich mit anderen Konstruktionen

Gegenüber einem Wärmedämmverbundsystem hat das Zweischalenmauerwerk einige Vorteile:

Es gibt aber auch Nachteile:

Siehe auch: Wärmedämmung, Wärmedämmverbundsystem, Einblasdämmung
sowie andere Artikel in den Kategorien Haustechnik, Wärme und Kälte

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