RP-Energie-Lexikon
fachlich fundiert, unabhängig von Lobby-Interessen
www.energie-lexikon.info

Lastfolgebetrieb

Definition: der an der zeitlich veränderbaren Stromnachfrage orientierte Betrieb von Kraftwerken

Englisch: load following

Kategorien: elektrische Energie, Kraftmaschinen und Kraftwerke

Autor:

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 26.12.2012; letzte Änderung: 20.08.2023

URL: https://www.energie-lexikon.info/lastfolgebetrieb.html

Manche Arten von Kraftwerken sind geeignet für den Lastfolgebetrieb, bei dem ihre Leistung innerhalb eines gewissen Bereichs der jeweiligen Nachfrage auf dem Strommarkt (der Netzlast) angepasst wird.

Eignung von Kraftwerken für den Lastfolgebetrieb

Für den Lastfolgebetrieb geeignete Kraftwerke weisen in der Regel die folgenden Merkmale mehr oder weniger vollständig auf:

  • Die Erzeugung einer variablen Leistung verursacht höchstens in geringem Maße technische Schwierigkeiten oder Nachteile, die bei manchen Kraftwerken beispielsweise eine Verringerung der Lebensdauer oder einen Verlust an Wirkungsgrad bedingen würden.
  • Die mögliche Leistungsänderungsgeschwindigkeit ist oft relativ hoch.
  • Die Investitions- und Kapitalkosten sind nicht allzu hoch, so dass eine verringerte Zahl von Volllaststunden die Wirtschaftlichkeit nicht gefährdet.
  • Günstig ist es natürlich, wenn eine Reduktion der Leistung zu nennenswert reduzierten Betriebskosten führt.
  • Bei Betrieb am öffentlichen Stromnetz (und nicht etwa in einem kleinen Inselnetz) sollte zudem die Kraftwerksleistung so hoch sein, dass sich der Aufwand für den Lastfolgebetrieb im Sinne von Kommunikation und Administration lohnt.

Sehr gut geeignet für den Lastfolgebetrieb sind Wasserkraftwerke, insbesondere Wasser-Speicherkraftwerke. Ihre Leistung kann in weiten Bereichen und recht schnell der benötigten Leistung angepasst werden. Durch die Wasserzuflüsse ist ihre Jahresproduktion ohnehin begrenzt, so dass der Lastfolgebetrieb keine Einbußen bei der Amortisation bedeutet.

Wärmekraftwerke mit Dampfturbinen und/oder Gasturbinen sind für den Lastfolgebetrieb begrenzt geeignet. Eine Reduktion der Leistung ergibt eine deutliche Einsparung von Betriebskosten, allerdings auch einen gewissen Verlust beim Wirkungsgrad (v. a. bei starker Absenkung der Leistung). Die moderaten Investitionskosten stellen kein großes Problem dar.

Kaum geeignet sind Kernkraftwerke. Technisch ist der Lastfolgebetrieb zwar innerhalb gewisser Grenzen (mit moderater Leistungsänderungsgeschwindigkeit und in einem begrenzten Leistungsbereich von z. B. 50 bis 100 %) möglich. Jedoch entsteht dadurch einerseits eine erhöhte Belastung der Komponenten (Kernreaktor, Dampferzeuger und Turbinen), die die Lebensdauer reduzieren und u. U. auch die Unfallrisiken erhöhen könnte, und andererseits ergibt sich eine nur sehr geringfügige Einsparung an Betriebskosten. Zudem wird die Amortisation der sehr hohen Investitionskosten erschwert. Aus diesen Gründen wird der Lastfolgebetrieb mit Kernkraftwerken kaum realisiert.

Windenergieanlagen und Photovoltaikanlagen sind für den Lastfolgebetrieb gänzlich ungeeignet. Ihre Produktion variiert entsprechend den Wetterbedingungen. Allenfalls durch Kombination mit einem großen Speicher für elektrische Energie oder durch Integration in ein virtuelles Kraftwerk wird eine Anpassung an den Bedarf möglich.

Bedarf für Lastfolgebetrieb

In wieweit ein Bedarf für den Lastfolgebetrieb besteht, hängt einerseits von den Schwankungen der Stromnachfrage ab und andererseits von den Schwankungen der Erzeugung gewisser Kraftwerke. In Deutschland hat der zunehmende Einsatz vor allem von Windenergieanlagen dazu geführt, dass für konventionelle Kraftwerke ein deutlich stärkerer Lastfolgebetrieb benötigt wird: In Zeiten mit starkem Wind erfolgt eine so hohe Einspeisung, dass die Leistung selbst von solchen konventionellen Kraftwerken reduziert werden muss, die dafür eigentlich nicht vorgesehen waren. Da diese Kraftwerke (insbesondere Kernkraftwerke) teilweise hierfür nicht gut geeignet sind, entstehen Nachteile, die je nach Standpunkt diesen Kraftwerken zugeschrieben werden oder auch der Einspeisung erneuerbarer Energie. Jedenfalls ist klar, dass ein zunehmender Einsatz von fluktuierend einspeisenden Quellen einen weiterhin verstärkten Lastfolgebetrieb bei konventionellen Kraftwerken nötig machen wird, zusätzlich zu gezielterem Einsatz von steuerbaren Quellen erneuerbarer Energie beispielsweise mit Biogas. Dies führt zu einer Bevorzugung von flexiblen Gaskraftwerken zulasten z. B. von großen Kohlekraftwerken. Folgen hiervon sind einerseits tendenziell höhere Betriebskosten (weil Erdgas teurer ist als Kohle) und andererseits eine zusätzliche Reduktion von klimaschädlichen CO2-Emissionen.

In Frankreich besteht wegen des sehr hohen Anteils von Kernkraftwerken an der Stromerzeugung schon länger das Problem, dass für diese auch der Lastfolgebetrieb nötig ist. Dies führt zu den oben beschriebenen Nachteilen.

Entlastend würde eine wesentliche Verstärkung der Stromnetze für den überregionalen Stromaustausch wirken – im Extremfall ein europäisches Supergrid. Wenn dieses auch die großen norwegischen Wasser-Speicherkraftwerke besser einbinden würde, könnten diese einen wesentlichen Teil des Lastfolgebetriebs übernehmen, was erhebliche ökonomische Vorteile brächte.

Siehe auch: Last, Kraftwerk, Leistungsänderungsgeschwindigkeit, Gaskraftwerk, Windenergie, erneuerbare Energie

Fragen und Kommentare von Lesern

Hier können Sie Fragen und Kommentare zur Veröffentlichung und Beantwortung vorschlagen. Über die Annahme wird der Autor des RP-Energie-Lexikons nach gewissen Kriterien entscheiden. Im Kern geht es darum, dass die Sache von breitem Interesse ist.

Wegen starker Arbeitsbelastung bitten wir um Verständnis dafür, dass nicht gut passende Kommentare und Fragen nicht bearbeitet werden können, und dass die Bearbeitung oft einige Wochen benötigt.

Wenn Ihnen hier geholfen wird, möchten Sie sich vielleicht mit einer Spende revanchieren, mit der Sie die weitere Entwicklung des Energielexikons unterstützen.

Datenschutz: Bitte geben Sie hier keine personenbezogenen Daten ein. Wir würden solche allerdings ohnehin nicht veröffentlichen und bei uns bald löschen. Siehe auch unsere Datenschutzerklärung.

Wenn Sie eine persönliche Rückmeldung oder eine Beratung vom Autor wünschen, schreiben Sie ihm bitte per E-Mail.

Ihre Frage oder Ihr Kommentar:

Ihr Hintergrund (freiwillige Angabe, z. B. "Handwerker", "Journalist" oder "Schüler"):

Spam-Prüfung:

  (Bitte die Summe von fünf und zwölf hier als Ziffern eintragen!)

Mit dem Abschicken geben Sie Ihre Einwilligung, Ihre Eingaben gemäß unseren Regeln hier zu veröffentlichen.

preview

Wenn Ihnen diese Website gefällt, teilen Sie das doch auch Ihren Freunden und Kollegen mit – z. B. über Social Media durch einen Klick hier:

Diese Sharing-Buttons sind datenschutzfreundlich eingerichtet!

Code für Links auf anderen Webseiten

Wenn Sie einen Link auf diesen Artikel anderswo platzieren möchten (z. B. auf Ihrer Website, Social Media, Diskussionsforen oder in der Wikipedia), finden Sie hier den benötigten Code. Solche Links können z. B. für Worterklärungen sehr nützlich sein.

HTML-Link auf diesen Artikel:

<a href="https://www.energie-lexikon.info/lastfolgebetrieb.html">
Artikel über Lastfolgebetrieb</a>
im <a href="https://www.energie-lexikon.info/">RP-Energie-Lexikon</a>

Mit Vorschaubild (siehe den Kasten direkt über diesem):

<a href="https://www.energie-lexikon.info/lastfolgebetrieb.html">
<img src="https://www.energie-lexikon.info/previews/lastfolgebetrieb.png"
alt="Artikel" style="width:400px"></a>

Falls Sie es für angemessen halten, einen Link in der Wikipedia zu setzen, z. B. unter "==Weblinks==":

* [https://www.energie-lexikon.info/lastfolgebetrieb.html
Artikel über 'Lastfolgebetrieb' im RP-Energie-Lexikon]