Primärenergiefaktor | <<< | >>> | Feedback |
Der aktuelle Film "Bulb Fiction" über Energiesparlampen betreibt Panikmache – ein Artikel über Quecksilber in Lampen und eine Kritik des Films klären die Fakten.
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Acronym: PEF
Definition: ein Faktor zur Bewertung unterschiedlicher Energiearten
Bei Vergleichen des Energieverbrauchs z. B. verschiedener Gebäude tritt das Problem auf, dass unterschiedliche Arten von Energieträgern (also von Endenergie) eingesetzt werden, die nicht direkt miteinander vergleichbar sind, weil sie z. B. sehr unterschiedliche Eigenschaften bzgl. Versorgungssicherheit und Klimaschädlichkeit haben. Deswegen multipliziert man für solche Vergleiche den Energieverbrauch (Verbrauch an Endenergie) jeweils mit einem Gewichtungsfaktor, dem sogenannten Primärenergiefaktor (in der Schweiz auch Endenergiefaktor), dessen Wert von der Art der eingesetzten Energie abhängt. Das resultierende Produkt kann dann z. B. darüber entscheiden, ob das Gebäude einen bestimmten Energiestandard (z. B. EnEV 2009 oder Minergie) erfüllt oder nicht.
In der einfachsten Form ist der Gewichtungsfaktor einfach das Verhältnis der Mengen von Primärenergie und Endenergie, so dass man durch Multiplikation damit effektiv den Primärenergiebedarf berechnet. Jedoch bleibt auch dann das Problem, dass beispielsweise der Verbrauch einer Kilowattstunde aus Erdöl beispielsweise mit Blick auf Versorgungssicherheit und Klimagefahren völlig anders bewertet werden sollte als der einer Kilowattstunde aus Holz oder aus Sonnenenergie. Deswegen wird das System üblicherweise so modifiziert, dass die Gewichtungsfaktoren für erneuerbare Energien Null sind oder (bei Holz) zumindest recht kleine Werte haben.
| Energieträger | Primärenergiefaktor nach EnEV | Gewichtungsfaktor nach Minergie |
|---|---|---|
| Steinkohle | 1,1 | 1 |
| Braunkohle | 1,2 | 1 |
| Heizöl | 1,1 | 1 |
| Erdgas und Flüssiggas | 1,1 | 1 |
| elektrische Energie | 2,6 | 2 |
| Holz | 0,2 | 0,7 |
| Nah- und Fernwärme aus Heizwerken |
0,1 bzw. 1,3 | 1 |
| Nah- und Fernwärme aus Heizkraftwerken (mit Kraft-Wärme-Kopplung) |
0 bzw. 0,7 | 0,6 |
| Solarenergie und Umgebungswärme | 0 | 0 |
Als Beispiele gibt die Tabelle die Primärenergiefaktoren gemäß der deutschen Energieeinsparverordnung (EnEV) sowie nach dem schweizerischen Minergie-Standard an. Bei Nah- und Fernwärme gelten die kleineren Zahlenwerte bei Verwendung erneuerbarer Energieträger, die größeren bei Verwendung fossiler Brennstoffe. Es gibt auch andere Systeme wie den der schweizerischen SIA, die jeweils zwei unterschiedliche Primärenergiefaktoren angibt: einen gesamten und einen nur für die nicht erneuerbare Energie.
Bemerkenswert ist, dass das schweizerische Minergie-System für elektrische Energie (Strom) nur einen Faktor 2 verwendet, während dieser Wert im deutschen System 2,6 ist. Dies kann damit erklärt werden, dass die schweizerische Stromerzeugung hauptsächlich auf Wasserkraft und Kernenergie basiert und deswegen anders als in Deutschland kaum klimaschädlich ist. Allerdings lässt dieses Argument außer Acht, dass zusätzlicher Stromverbrauch in der Schweiz (z. B. durch zusätzliche Elektrowärmepumpen) zu einer zusätzlichen Stromerzeugung im EU-Raum (anstelle eines Ausbaus der schweizerischen Stromerzeugung) führen kann und dann bezüglich Klimaschädlichkeit effektiv nicht anders ist als in Deutschland.
Im Falle von Elektrowärmepumpen sieht man, dass zumindest in Deutschland erst eine Leistungszahl von deutlich über 3 einen gewichteten Primärenergiebedarf bringt, der erheblich niedriger liegt als z. B. für einen Erdgas-Heizkessel. Dies liegt daran, dass die Energieverluste bei der Stromerzeugung in Wärmekraftwerken einen großen Teil des Gewinns der Wärmepumpen (aus der Nutzung von Umweltwärme) wieder zunichte machen.
Im Prinzip könnten für elektrische Energie je nach deren Quelle unterschiedliche Primärenergiefaktoren verwendet werden. Beispielsweise könnte für Strom aus Photovoltaik ein Primärenergiefaktor von 0 (oder nahe 0) verwendet werden. Jedoch gibt es hier meist dieselben Zurechnungsprobleme wie auch sonst im Zusammenhang mit Ökostrom.
Siehe auch: Energie, Primärenergie, Endenergie, Klimagefahren, Versorgungssicherheit