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Standby-Verbrauch

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Definition: Verbrauch elektrischer Energie durch Geräte im Zustand der Bereitschaft

Englisch: standby consumption

Kategorien: elektrische Energie, Energieeffizienz

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 26.04.2010; letzte Änderung: 12.04.2015

Lesen Sie auch den Extra-Artikel "Standby-Verbrauch - eine neunzigköpfige Hydra"!

Der Standby-Verbrauch (auch Stillstandsverbrauch oder Leerlaufverlust) eines Geräts ist der Bedarf an elektrischer Leistung oder Energie, der selbst dann anfällt, wenn das Gerät nicht benutzt wird, sondern sich lediglich in Bereitschaft (in einem Energiesparmodus) befindet. Da viele Geräte für den größten Teil der Zeit in Bereitschaft sind, kann der Standby-Verbrauch pro Tag den Verbrauch für die Zeit der eigentlichen Nutzung deutlich übersteigen. Leider hat die Anzahl der Geräte mit beträchtlichem Standby-Verbrauch seit den 1990er Jahren stark zugenommen, wodurch die Energieeffizienz insbesondere des Stromeinsatzes in Haushalten und Büros beeinträchtigt wird. Viele neue Geräte sind inzwischen weitaus besser geworden, meist als Folge staatlicher Vorschriften (Effizienzstandards). Trotzdem sind noch sehr viele Geräte im Einsatz, die einen hohen Verbrauch verursachen.

Volkswirtschaftlich ist der massenhafte unnötige Standby-Verbrauch sehr schädlich.

Die Größe des Problems zeigt der Umstand, dass beispielsweise in Deutschland schätzungsweise 2,3 GW elektrischer Leistung allein für Standby benötigt werden. Dies entspricht etwa der Produktion von zwei bis drei großen Kernkraftwerken und Stromkosten von mehreren Milliarden Euro pro Jahr. Ein wesentlicher Teil hiervon wäre vermeidbar gewesen ohne Kosten oder mit geringen Kosten, die sich rasch amortisieren würden.

Wo und warum entsteht Standby-Verbrauch?

Das Phänomen des Standby-Verbrauchs tritt bei verschiedensten Geräten auf:

Häufig ist die Elektronik, die die eigentliche Bereitschaftsfunktion ausübt (z. B. ein Fernbedienungs-Empfänger), sehr sparsam. Jedoch muss zu dessen Betrieb auch ein Netzteil ständig in Betrieb sein. Vor allem wenn dieses für eine hohe Maximalleistung ausgelegt ist, hat es meist einen erheblichen Standby-Verbrauch. Ein separates Bereitschaftsnetzteil sehr kleiner Leistung wäre eine gute Lösung.

Standby-Verbrauch im weiteren Sinne verursachen Kaffeemaschinen und ähnliche Geräte, die über längere Zeit warm gehalten werden, um z. B. ohne vorherige Aufheizzeit einen Kaffee liefern zu können. Solche Warmhaltefunktionen sind oft besonders verbrauchsintensiv.

Einen vernachlässigbar kleinen Standby-Verbrauch zu erreichen, ist technisch in der Regel gar kein Problem, auch wenn Bereitschaftsfunktionen gewünscht werden.

Technisch ist es meist leicht möglich, gewisse Annehmlichkeiten mit einem vernachlässigbar kleinen Standby-Verbrauch anzubieten. (Warmhaltefunktionen sind hierfür eine Ausnahme.) Soweit keine entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen dies verbieten (siehe unten), werden aber vielfach schlechte Lösungen eingesetzt, die einen unnötigen Standby-Verbrauch von z. B. 10 W, manchmal gar mehr als 20 W verursachen. Dies lag vor allem in der Vergangenheit oft an minderwertigen Netzteilen, teils auch an schlechtem Design des Systems. Im Extremfall läuft das Gerät im “Standby-Modus” intern voll weiter, und nur das Display wird etwas dunkler gestellt. Häufig sind die zusätzlichen Stromkosten, die durch solch schlechtes Produktdesign im Laufe der Lebensdauer des Produkts entstehen, weitaus höher als die Mehrkosten, die ein besseres Design verursacht hätte. Trotzdem werden schlechte Designs regelmäßig eingesetzt, weil die Käufer bessere Designs mangels Information oder Problembewusstsein nicht honorieren.

Maßnahmen der Politik

Nach etlichen Jahren der Untätigkeit hat die Politik erkannt, dass bei der Problematik des Standby-Verbrauchs ein Marktversagen vorliegt. Deswegen wurden entsprechende Vorschriften, die den Standby-Verbrauch zumindest etlicher wichtiger Gerätegruppen stark begrenzen, insbesondere im Rahmen der Ökodesign-Richtlinie auf EU-Ebene ergriffen. Dadurch ist bei vielen neuen Geräten ein unnötig hoher Standby-Verbrauch inzwischen nicht mehr erlaubt. Allerdings sind noch sehr viele Geräte im Einsatz, die vor Inkrafttreten solcher Regelungen verkauft wurden, und nach wie vor werden nicht alle Geräte von den Vorschriften erfasst.

Das Problem der mangelnden Information der Käufer kann im Prinzip auch durch Kennzeichnungspflichten reduziert werden, etwa über die EU-weit vorgeschriebene Energieverbrauchskennzeichnung diverser Geräte. Jedoch ist es praktikabler, den Standby-Verbrauch von vornherein gesetzlich auf ein akzeptables Maß zu reduzieren, was meist zu allenfalls geringen Mehrkosten führt.

Technische Maßnahmen gegen unnötigen Standby-Verbrauch

Auf technischer Ebene ist es häufig leicht möglich, den Standby-Verbrauch von Geräten ganz zu vermeiden oder wenigstens auf ein unbedeutendes Maß (z. B. deutlich unter 1 W) zu senken. Beispielsweise entsteht in vielen elektronischen Geräten der größte Teil des Standby-Verbrauchs nicht in der eigentlichen Elektronik (z. B. einem Fernbedienungs-Empfänger), sondern in einem ineffizienten Transformator eines Netzteils. Dann genügt schon der Ersatz des Netzteils durch ein effizientes Schaltnetzteil, um das Problem zu lösen.

Leistungsmessgerät

Abbildung 1: Ein Gerät für die Messung der von einem Gerät aufgenommenen elektrischen Leistung sowie des Energieverbrauchs innerhalb einer gewissen Zeit.

Warmhaltefunktionen z. B. von Kaffeemaschinen sind schwer mit niedrigerem Energiebedarf zu realisieren. Hier sollte so weit wie möglich auf solche Funktionen verzichtet werden. Auf alle Fälle ist zu vermeiden, dass ein hoher Standby-Verbrauch ohne Wissen des Nutzers dauerhaft entsteht. Beispielsweise sollte eine Kaffeemaschine sich nach einer kurzen Wartezeit selbst abschalten.

Unbemerkte Standby-Verbraucher lassen sich aufspüren mit Hilfe spezieller Messgeräte (Abbildung 1) – eine Art von Stromzähler, die zwischen Steckdose und Verbraucher geschaltet werden können. Wenn ein erheblicher Standby-Verbrauch (von z. B. mehreren Watt) entdeckt wird und eine Bereitschaft des Geräts nicht notwendig ist, kann das Abschalten über eine schaltbare Steckerleiste eine Lösung sein. Beispielsweise kann eine gesamte Fernsehanlage einschließlich eines Satellitenempfängers so über Nacht abgeschaltet werden, wenn nicht ein Videorekorder empfangsbereit bleiben muss.

Praktisch können sogenannte Master-Slave-Steckdosenleisten sein, bei denen die Slave-Steckdosen automatisch abgeschaltet werden, sobald der Strombedarf des Master-Geräts einen Schwellenwert unterschreitet. So können z. B. Zusatzgeräte eines PCs oder Fernsehers automatisch abgeschaltet werden, wenn dieser nicht läuft.

Ineffiziente Steckernetzteile verraten sich schon dadurch, dass sie (auch in Bereitschaft) deutlich warm werden. Sie sollten also nicht unnötig lange in Betrieb bleiben.

Es gibt mittlerweile elektronische Geräte, die den Standby-Verbrauch von daran angeschlossenen Geräten automatisch unterdrücken können. Allerdings sind die Kosten hierfür oft beträchtlich, und in der energetischen Belastung sollte auch die graue Energie für die Herstellung solcher Geräte berücksichtigt werden.

Siehe auch: Energiesparmodus, elektrische Energie, Bereitschaftsverluste, Energieeffizienz, Netzteil, Energieverbrauchskennzeichnung
sowie andere Artikel in den Kategorien elektrische Energie, Energieeffizienz

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