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Das RP-Energie-Lexikon

Aberglauben, Halbwahrheiten und Propaganda zum Thema Energieeffizienz

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Streif Fertighäuser

Extra-Artikel

Tipp: Neben den Lexikon-Artikeln gibt es noch diverse interessante Extra-Artikel!

Quecksilber-Hysterie

Der aktuelle Film "Bulb Fiction" über Energiesparlampen betreibt Panikmache – ein Artikel über Quecksilber in Lampen und eine Kritik des Films klären die Fakten.

Alle Zeigefinger auf China?

Dieser Artikel lädt ein, Ansichten über die chinesischen CO2-Emissionen so­wie über unsere Beiträge zum Klima­schutz zu überdenken.

Siehe auch ähnliche Seiten zu den Themen Gebäude, Heizung, Stromerzeugung und Stromversorgung, erneuerbare Energie, Klimaschutz und Kernenergie.

Behauptungen:

Heizkessel sind energieeffizienter als Kraftwerke. Das sieht man am höheren Wirkungsgrad.

Kategorie: Halbwahrheiten, Äpfel mit Birnen

Richtig ist, dass Heizkessel zumindest bei Volllast recht hohe Wirkungsgrade von fast 100 % haben können, während die Wirkungsgrade von Kraftwerken sehr viel niedriger sind. Selbst mit Kraft-Wärme-Kopplung werden meist kaum mehr als 80 % Wirkungsgrad erreicht.

Jedoch ist ein höherer Wirkungsgrad nicht gleichzusetzen mit einer höheren Energieeffizienz, insbesondere wenn Äpfel mit Birnen verglichen werden – im gegebenen Fall die Stromerzeugung mit der Wärmeerzeugung.

Als Beispiel betrachte man den folgenden Vergleich eines Gaskessels mit einem Gaskraftwerk:

Ein Gas-Brennwertkessel kann einen Volllast-Wirkungsgrad von über 100 % bezogen auf den Heizwert und immerhin rund 95 % bezogen auf den Brennwert haben. Der Jahresnutzungsgrad wird je nach Umständen schlechter sein, z. B. 85 %. Dies sieht immer noch recht gut aus, aber nur auf den ersten Blick besser als bei der folgenden anderen Anlage:

Ein erdgasbefeuertes Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk hat einen Wirkungsgrad von z. B. 55 %. (Neueste Anlagen können sogar schon 60 % erreichen.) Um die Effizienz mit der eines Gaskessels vergleichen zu können, nehmen wir an, dass der erzeugte Strom für Heizzwecke verwendet wird. Wenn wir dafür eine Elektroheizung einsetzen, wird der Gesamtwirkungsgrad unter Berücksichtigung der Verluste des Stromtransports z. B. 50 % betragen. Hier liegt man also klar schlechter als mit einem guten Gaskessel.

Wir haben aber noch eine andere Möglichkeit: Verwenden wir den Strom für Elektrowärmepumpen, die bei vernünftiger Auslegung eine Jahresarbeitszahl von z. B. 3,5 erreichen. Wenn wir 50 % der Primärenergie elektrisch in die Häuser bekommen, machen die Wärmepumpen daraus 3,5 · 50 % = 175 % Heizwärme. Dies bedeutet, dass der Primärenergieverbrauch für die Beheizung der gleichen Häuser nicht einmal die Hälfte dessen ist, was man selbst mit modernen Brennwertkesseln erreichen würde. Insofern ist die Verwendung von Erdgas in (modernen, hoch effizienten) Gaskraftwerken erheblich effizienter als die Verbrennung in Heizkesseln. Und absehbare technische Verbesserungen werden die Kraftwerks/Wärmepumpen-Lösung weiter begünstigen. Noch stärker wird der Effizienzvorteil des Kraftwerks, wenn noch Kraft-Wärme-Kopplung betrieben wird.

Freilich muss man sich auch fragen, ob der Zubau von Gaskraftwerken wirklich zu einer entsprechenden Mehrnutzung von Wärmepumpen führt oder nicht einfach zu mehr Stromverschwendung. Außerdem ist klar, dass die Lösung Kraftwerk plus Wärmepumpen weitaus teurer ist als der Bau von Gasheizkesseln. Wenn man dieses Geld in bessere Wärmedämmung investiert, kann insgesamt mit dem Gaskessel doch wieder eine effizientere Lösung entstehen.

Man erkennt jedenfalls, dass sachgerechte Vergleiche nicht so trivial sind, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Man sollte Gleiches mit Gleichem vergleichen, realistische Annahmen machen und finanzielle Aspekte nicht außer Acht lassen. Und ein hoher Wirkungsgrad ist nicht immer gleichbedeutend mit hoher Energieeffizienz.

Ein Blockheizkraftwerk macht Wärmedämmung überflüssig.

Kategorie: kurzsichtiger Vergleich

Es kann zunächst kostengünstiger sein, ein Haus mit einem kleinen Blockheizkraftwerk auszustatten, als einen Vollwärmeschutz (eine umfassende Wärmedämmung) zu installieren. Allerdings ist der Schluss, dies sei deswegen die bessere Lösung, reichlich voreilig. Er übersieht, dass die Lebensdauer einer solchen Anlage weitaus kürzer ist als die einer Wärmedämmung, so dass schon die Investitionskosten langfristig höher sind. Für die Betriebskosten dürfte meist dasselbe gelten. Zudem laufen die letzteren aus dem Ruder, wenn der Brennstoff (z. B. Erdgas) sich verteuert.

Diese Problematik diskutiert ausführlicher der Artikel über "Kraft-Wärme-Kopplung – ein Ersatz für Wärmedämmung?".

Schwere Pfannen sparen Energie, weil sie mehr Wärme speichern.

Kategorie: Achtelswahrheiten

Wenn eine schwere Pfanne einmal aufgeheizt ist, bleibt sie länger warm, ohne dass man noch nachheizen muss. Nur muss man anfangs ja entsprechend mehr Wärme zuführen. Man kann also nichts gewinnen, was man nicht vorher schon investiert hat!

Im Gegenteil braucht das Kochen mit leichteren Pfannen und Töpfen weniger Energie. Sie werden schneller warm, und dass am Ende weniger von der meist nicht mehr genutzten Restwärme übrig bleibt, ist ein Vorteil, kein Nachteil.

Übrigens, hätten Sie das Folgende geglaubt: “Mit einem großen Geldbeutel lebe ich sparsamer, denn er kann mehr Geld speichern!”

Das Fahren mit 'Bleifuß' kostet viel Benzin.

Kategorie: Halbwahrheiten

Gemäß dieser verbreiteten Meinung müsste man ein Auto immer mit möglichst wenig durchgedrücktem Gaspedal fahren, um Benzin zu sparen. Nun ist dies aber tatsächlich falsch. Die sogenannte Eco-Drive-Fahrweise verlangt in etwa das Gegenteil: Das Gaspedal soll beim Beschleunigen und Bergauffahren möglichst weitgehend durchgedrückt werden. Selbst wenn nur mäßig beschleunigt werden soll, wird empfohlen, dies mit viel Gas zu tun, nur eben bei relativ niedriger Motordrehzahl, d. h. in einem hohen Gang.

Es ist verständlich, dass dies vielen Fahrern nicht einleuchtet, zumal ein Anzeiger für den Momentanverbrauch (wie ihn manche Fahrzeuge haben) auch klar zeigt: Je mehr ich das Gaspedal durchdrücke, desto höher der Verbrauch – Vorsicht: der Momentanverbrauch. Das sagt aber wenig aus: Natürlich brauche ich für weniger Motorleistung weniger Benzin pro Sekunde. Interessanter ist die Frage, wie ich eine gegebene Leistung, z. B. für mäßiges Beschleunigen, mit möglichst wenig Benzin bekomme. Die Antwort hierauf: Fast Vollgas im hohen Gang ist diesbezüglich viel besser als weniger Gas im niedrigen Gang, d. h. bei höherer Motordrehzahl. Mehr Details gibt der Artikel über Kraftstoff sparen.

Etwas Wahrheit steckt hinter der Bleifuß-Regel trotzdem: Wer sehr schnell fährt oder unnötig stark beschleunigt, kurz bevor er ohnehin durch Bremsen die erzeugte mechanische Energie wieder zerstören muss, verbraucht natürlich mehr Benzin.

Wenn alle Fahrzeuge um 10 % sparsamer wären, würden wir 10 % weniger Kraftstoffe verbrauchen.

Kategorie: Halbwahrheiten

Auf den ersten Blick erscheint diese Behauptung absolut schlüssig. Ohne Einschränkungen richtig ist die Behauptung trotzdem nicht, weil sie den Rebound-Effekt ignoriert. Wenn alle Fahrzeuge um 10 % sparsamer würden (in Bezug auf den Kraftstoffverbrauch pro 100 km), würden voraussichtlich damit mehr Kilometer gefahren. Zusätzlich würde womöglich schneller gefahren (mit weniger Rücksicht auf den Verbrauch). Dadurch würde ein wesentlicher Teil der Energieeinsparung wieder zunichte gemacht.

Natürlich ist damit keineswegs gesagt, dass die Entwicklung sparsamerer Fahrzeuge nicht sinnvoll wäre. Nur muss man wissen, dass der damit erzielte Effekt deutlich geringer ist als naiv vermutet, wenn man nicht geeignete Maßnahmen ergreift, um den Rebound-Effekt zu eliminieren oder zumindest zu vermindern. Beispielsweise kann man gleichzeitig die Kraftstoffpreise über die Mineralölsteuer oder Ökosteuer so anheben, dass die Kraftstoffkosten pro Kilometer insgesamt gleich hoch wie zuvor bleiben. Dann würde übrigens trotzdem noch ein gewisser Rebound-Effekt auftreten: Das Öko-Gewissen plagt einen weniger als früher.

Übrigens gibt es ähnliche Effekte auch bei der Sicherheit. Die Einführung von ABS (Antiblockiersystemen) hat weniger gebracht, als von der Technik her zu erhoffen war. Wenn sich die Fahrer nämlich sicherer fühlen, fahren sie schneller. Und eine nur ein wenig höhere Geschwindigkeit reicht schon aus, um den Sicherheitsgewinn von ABS wieder zunichte zu machen.

Energiesparlampen sparen zwar Strom, aber dafür braucht ihre Herstellung und Entsorgung viel mehr Energie.

Kategorie: Verhältnisblödsinn

Richtig ist, dass die Herstellung und die Entsorgung einer Energiesparlampe (Kompakt-Leuchtstofflampe) wesentlich mehr Energie braucht als die einer Glühlampe. Jedoch ist dies nur ein kleiner Bruchteil der Energiemenge, die sich im Betrieb einsparen lässt. Deswegen ändert sich nichts daran: Die Verwendung von Energiesparlampen ist definitiv wesentlich energieeffizienter.

Energiesparlampen sind gefährlich wegen des enthaltenen Quecksilbers.

Kategorie: Verhältnisblödsinn

Richtig ist zwar, dass Energiesparlampen anders als Glühlampen Quecksilber enthalten. Jedoch sind dies nach einer EU-Verordnung maximal 5 Milligramm (mg). Dies ist so wenig, dass davon keine ernsthafte Gefahr ausgeht, selbst wenn eine Lampe zerbrochen wird. Selbst wenn Sie die ganze Lampe samt allem Quecksilber verspeisen würden, wäre das vom Quecksilber her weniger belastend als eine ordentliche Portion Thunfisch. Und selbst wenn nach der Nutzung die Lampe nicht ordnungsgemäß entsorgt wird, sondern auf einer Mülldeponie oder in einer Müllverbrennungsanlage landet, wird die Umwelt weniger mit Quecksilber belastet, als wenn Sie Glühlampen verwendet hätten, weil nämlich der höhere Stromverbrauch der Glühlampen zu höheren Quecksilberemissionen in Kohlekraftwerken führt.

Zu diesem Thema gibt es einen ausführlichen Extra-Artikel zur Hysterie über die angebliche Gefährlichkeit von Energiesparlampen sowie eine Kritik des Films "Bulb Fiction".

Beleuchtung macht gerade mal 2 % des Energieverbrauchs eines Haushalts aus, also kann man hier kaum etwas sparen.

Kategorie: Halbwahrheiten, unsinnige Vergleiche

Der typische Anteil der Beleuchtung am Verbrauch elektrischer Energie eines Haushalts liegt laut Wikipedia bei 18 %, was realistisch sein dürfte. Wer das klein rechnen möchte, vergleicht mit dem gesamten Energieverbrauch einschließlich Heizungsanlage und Warmwasserbereitung; dann landet man bei rund 2 %. Das liegt daran, dass es noch viele nicht wärmegedämmte Häuser mit einem entsprechend hohen Heizwärmeverbrauch gibt. (Für ein gut wärmegedämmtes Haus ergäbe sich ein wesentlich höherer Wert, wenn hauptsächlich Glühlampen verwendet werden.)

Es ist aber grundsätzlich unsinnig, den Nutzen einer Energiesparmaßnahme dadurch klein zu rechnen, dass man mit dem Energieverbrauch für ganz andere Zwecke, die damit an sich gar nichts zu tun haben, vergleicht. Sinnvoll ist einzig der Vergleich von Aufwand und Nutzen derselben Maßnahme.

So kommt man z. B. eindeutig zum Schluß, dass die Verwendung von Energiesparlampen statt Glühlampen im Allgemeinen sinnvoll ist, weil die damit erzielte Stromeinsparung – selbst wenn sie nur einer kleiner Teil des Gesamtverbrauchs ist – deutlich höher ist als die Mehrkosten bei der Anschaffung. (Für die ökologische Bilanz gilt dasselbe.) An diesem Resultat ändert sich rein gar nichts, wenn das Haus zusätzlich noch viel Heizwärme verschleudert. Einzig folgt daraus, dass man das Augenmerk vor allem auf die großen Posten (Heizung, Warmwasser und Auto) richten sollte, weil dort mehr zu erreichen ist. Besonders beliebt scheint das “Argument” freilich bei denen zu sein, die in keinem Sektor etwas Nennenswertes für Energiesparen und Klimaschutz tun …

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