Energieeffizienz | <<< | >>> | Feedback |
Definition: die effiziente Umwandlung oder Nutzung von Energie
Der Begriff Energieeffizienz hat genau betrachtet unterschiedliche Bedeutungen:
- Manchmal wird eine quantitative Bedeutung verwendet, die sich rein an Energiemengen orientiert. Der energetische Wirkungsgrad einer Maschine gibt an, zu welchem Anteil Energie z. B. bei einer Energieumwandlung verloren geht. Hohe Energieeffizienz einer Maschine ist dann gleichbedeutend mit geringen Energieverlusten (relativ zur eingesetzten Energie) bei ihrer Verwendung. Eine erweiterte Sichtweise bezieht sich nicht auf einzelne Maschinen oder Prozessschritte, sondern auf Gesamtsysteme, beispielsweise bestehend aus Kraftwerk, Transformatoren, Hochspannungsleitung und Elektromotor.
- In anderen Zusammenhängen wird Energieeffizienz qualitativ verstanden als die Schaffung eines gewissen Nutzens (etwa das Warmhalten eines Hauses oder den Transport von Gütern und Personen) mit möglichst geringem Energieaufwand. Hier ist der Nutzen nicht als eine Energiemenge quantifizierbar, und es spielen außer technischen Wirkungsgraden auch Aspekte der Nutzung eine große Rolle. Beispielsweise kann es als extrem ineffizient angesehen werden, einen kleinen Einkauf unter Verwendung eines Transatlantikflugs vorzunehmen – selbst wenn die Triebwerke des Flugzeugs einen extrem hohen Wirkungsgrad hätten.
Energieeffizienz in diesem zweiten Sinne ist also keine rein technische Angelegenheit, sondern Gegenstand einer umfassenderen Betrachtung, die eine rationelle Energieanwendung anstrebt.
Als ein (allerdings recht grober) quantitativer Indikator für die Energieeffizienz wird manchmal die Energieproduktivität verwendet.
Eine verbesserte technische Energieeffizienz ist einer der Wege zur Realisierung des Energiesparens. Sie kann in Konkurrenz oder als Ergänzung zu anderen Wegen gesehen werden, insbesondere zum Verzicht auf energieaufwändige Dinge oder zu Verhaltensänderungen.
Motivation für das Streben nach hoher Energieeffizienz
Es gibt unterschiedliche Gründe, eine möglichst hohe Energieeffizienz anzustreben (vor allem im zweiten Sinne gemäß der obigen Unterscheidung):
- Eine effiziente Energienutzung führt zu einem verringertem Verbrauch an Energieträgern für einen gegebenen Nutzen, somit auch zu verringerten Kosten, Umweltbelastungen, politischen Abhängigkeiten, etc.
- In Situationen der Knappheit kann mit effizienter Energienutzung der maximale Nutzen aus einer begrenzt vorhandenen Menge von Energie gewonnen werden. Energieeffizienz ist auch ein Mittel zur Milderung später auftretender Knappheit, die etwa aus der Erschöpfung fossiler Energieressourcen resultieren wird.
Andererseits kann das Erreichen hoher Energieeffizienz teure Investitionen erfordern, die nicht immer betriebswirtschaftlich oder volkswirtschaftlich rentabel sind, insbesondere wenn die Preise der Energieträger niedrig sind. In anderen Fällen erfordert die Erhöhung der Energieeffizienz den Verzicht auf einen bestimmten Nutzen (Suffizienz), z. B. den schnelleren und bequemeren Transport.
Die gesamte ökonomische Bilanz ist nicht nur eine Frage des Vergleichs von Energie- und Investitionskosten, sondern hängt auch von vielen weiteren Faktoren ab, etwa von den betrachteten Zeithorizonten und von der relativen Bewertung von Kosten und Schäden für die Konsumenten und für andere Betroffene. Ebenfalls können volkswirtschaftliche Nebeneffekte von Investitionen wie höhere Beschäftigung und technische Innovation berücksichtigt werden. Eine weiter gefasste (nicht nur rein ökonomische) Betrachtung kann zusätzliche Aspekte wie die Gerechtigkeit gegenüber späteren Generationen beachten.
Faktoren, die Energieeffizienz erschweren
In der Praxis wird vielfach bei weitem nicht die technisch mögliche Energieeffizienz realisiert. Die Gründe hierfür sind vielfältig:
- Häufig mangelt es an Information. Beispielsweise wird nicht erkannt, dass Standby-Verbraucher und nicht drehzahlgeregelte Heizungs-Umwälzpumpen unnötig viel elektrische Energie verbrauchen.
- Häufig werden Produkte primär mit Blick auf die Anschaffungskosten beschafft, während Energiekosten nicht beachtet werden oder nur für einen sehr kurzen Zeithorizont.
- In manchen Situationen (z. B. beim Hausbau) ist Kapital ein besonders knapper Faktor. Dies kann dazu führen, dass Zusatzinvestitionen vermieden werden, auch wenn sie langfristig durchaus rentabel wären. Zinsgünstige Zusatzkredite durch staatliche Unterstützung (z. B. KfW-Kredite) können dieses Problem mildern.
- Energieeffiziente Lösungen, beispielsweise öffentlicher Verkehr anstelle von Individualverkehr, sind häufig weniger bequem.
- Manche Verbraucher haben sich daran gewöhnt, beispielsweise jedes Jahr erhebliche Zahlungen für den Brennstoff der Heizungsanlage zu leisten (beispielsweise tausende von Euro für ein Einfamilienhaus), und sehen weder darin noch in den dadurch verursachten Umweltbelastungen ein drängendes Problem.
- In manchen Fällen wäre der technische und evtl. auch administrative Aufwand tatsächlich zu hoch.
Ein häufig auftretendes Problem, welches die Wirksamkeit von Effizienzmaßnahmen betrifft, sind Rebound-Effekte.
Literatur
| [1] | Aberglauben, Halbwahrheiten und Propaganda zum Thema Energieeffizienz |
| [2] | E. U. von Weizsäcker, A. B. Lovins und L. H. Lovins: “Faktor vier. Doppelter Wohlstand – halbierter Verbrauch. Der neue Bericht an den Club of Rome”, Knaur (1997) |
| [3] | E. U. von Weizsäcker, M. Smith und K. Hargroves, “Faktor Fünf: Die Formel für nachhaltiges Wachstum”, Droemer/Knauer (2010) |
| [4] | P. Hennicke und M. Fischedick, “Erneuerbare Energien: Mit Energieeffizienz zur Energiewende”, 2. Auflage, C. H. Beck (2010) |
| [5] | Extra-Artikel: "Neue Energiequellen, Effizienztechnologien, oder Verzicht?" |
| [6] | www.energiesparen-im-haushalt.de |
| [7] | Deutsche Energie-Agentur |
| [8] | Initiative EnergieEffizienz, eine Informations- und Motivationskampagne für mehr Energieeffizienz insbesondere im Strombereich |
| [9] | Energie Zukunft Schweiz, eine Plattform für die Förderung erneuerbarer Energien und Energieeffizienz |
| [10] | www.energie-bewusstsein.de mit Informationen zur effizienten Energienutzung und alternativen Energiequellen |
Siehe auch: Energie, Exergie, Wirkungsgrad, Nutzungsgrad, Kraft-Wärme-Kopplung, thermodynamisch optimiertes Heizen, Kraftstoff sparen, Rebound-Effekt, Energieproduktivität, Energiedienstleistung, Energie-Contracting, Gebäudeenergieausweis