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RP-Energie-Lexikon
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Irrtümer und Propaganda

Mit fossilen Energieträgern gehen wir schon sehr lange um, und ihre Probleme sind gut bekannt. Trotzdem geistern noch viele Fehleinschätzungen in diesem Gebiet herum.

Klicken Sie einfach auf die jeweiligen Behauptungen, um Erklärungen dafür anzuzeigen bzw. wieder verschwinden zu lassen.

Kategorien: Halbwahrheiten, Propaganda

Die Behauptung ist in dem Sinne richtig, dass es mit Sicherheit auch in 100 oder 1000 Jahren noch Erdöl geben wird. Nur folgt daraus in keiner Weise, was suggeriert wird: dass wir mit der Erdölversorgung so bald keine Probleme haben werden. Massive Probleme ergeben sich nämlich etwa ab dem Zeitpunkt, an dem die globale Förderkapazität ihr Maximum erreicht: Danach nimmt nämlich das Ölangebot ab, während die Nachfrage weiter zunimmt. Die unvermeidliche Folge davon sind Preisexplosionen.

Dass ein solcher Peak Oil früher oder später eintreten wird, kann vernünftigerweise nicht bestritten werden. Wann genau er eintritt, wird man erst im Nachhinein sicher wissen. Es gibt aber gute Gründe für die Annahme, dass es sehr bald soweit sein wird.

Man bedenke, dass die beste Propaganda nicht einfach krasse Falschbehauptungen verbreitet, sondern vielmehr im Prinzip richtige Behauptungen, die etwas ganz Falsches suggerieren. Beim Erdöl haben wir wie gezeigt genau damit zu tun.

Kategorien: Irreführung

Der Begriff “bewiesene Reserven” (proven reserves) bezeichnet solche Mengen von Erdöl, Erdgas oder anderer fossiler Energieträger, die zur Zeit mit hoher Sicherheit wirtschaftlich gefördert werden könnten. Seine Verwendung suggeriert natürlich, dass solche Daten durch Unabhängige überprüfbar wären bzw. überprüft worden seien. In Wirklichkeit ist aber die Höhe der Ölreserven der wichtigsten Förderländer nicht überprüfbar; Unabhängige bekommen keinen Zugang zu den Details. Es handelt sich also nur um behauptete Beweise, deren Überprüfung verweigert wird.

Die Glaubwürdigkeit der “bewiesenen Erdölreserven” hat auch gewaltig gelitten, als zeitweise viele Ölförderländer ihre Angaben über angebliche Reserven massiv erhöhten, ohne dass dies durch entsprechende neue Funde von Lagerstätten nachvollziehbar gewesen wäre. Insbesondere im Bereich der OPEC geschah dies offenkundig deswegen, weil höhere Reserven für diese Länder bedeuteten, dass sie einen größeren Teil der geplanten Gesamtförderung übernehmen konnten, also mehr Geld verdienen konnten.

Wer also mit “bewiesenen Reserven” argumentiert, ohne diese sehr gut begründeten Zweifel ernsthaft zu berücksichtigen, begeht entweder eine absichtliche Irreführung oder ist schlicht uninformiert.

Kategorie: Fehleinschätzungen

Benzin ist keineswegs harmlos. Gut bekannt ist immerhin die Brand- und Explosionsgefahr; ein weggeworfener Zigarettenstummel, der auf Benzindämpfe trifft, kann ein Inferno auslösen. Wenige wissen dagegen, wie schädlich Benzindämpfe für die Gesundheit sind. Benzin enthält (unter vielen anderen Stoffen) nennenswerte Mengen von Benzol, welches als krebserregend gilt. An einem Arbeitsplatz in der Industrie wäre es niemals erlaubt, mit benzolhaltigen Flüssigkeiten dermaßen sorglos umzugehen, wie es an Tankstellen normal ist: Man müsste sicherlich unter einem Abzug arbeiten, Schutzhandschuhe tragen usw. An Tankstellen duldet der Gesetzgeber aber ziemlich bedenkliche Zustände, da man es für nicht praktikabel hält, dieses Problem gründlich zu lösen. Zwar müssen Zapfstellen heute über eine sogenannte Gasrückführung (mit “Saugrüssel”) in Verbindung mit geeigneten Überwachungseinrichtungen verfügen, jedoch arbeiten solche Systeme oft nicht perfekt – man kann beim Tanken trotzdem Benzindämpfe einatmen. Zudem kann bei ungeschickter Handhabung Benzin verspritzt werden.

Übrigens sind Erdgastankstellen diesbezüglich viel sicherer; dort ist beim Tanken eine Gesundheitsgefährdung kaum möglich.

Kategorien: zu kurz gedacht

Richtig ist, dass moderne Kohlekraftwerk einen wesentlichen höheren Wirkungsgrad als alte Kohlekraftwerke aufweisen und deswegen für dieselbe Menge elektrischer Energie erheblich weniger Kohle benötigen. Entsprechend weniger des klimaschädlichen Kohlendioxids wird emittiert. Hinzu kommt eine bessere Rauchgasreinigung, was ökologisch vorteilhaft ist, freilich dem Klimaschutz nicht hilft.

Leider ist die Annahme, der Bau neuer Kohlekraftwerke würde automatisch bewirken, dass entsprechend viele alte Kraftwerke außer Betrieb genommen werden, ziemlich unrealistisch. Hinzu kommt, dass mit dem Bau neuer Kraftwerke der Verbrauch riesiger Mengen von Kohle für viele Jahrzehnte festgeschrieben wird: Man muss davon ausgehen, dass solche Kraftwerke dann noch sehr lange betrieben werden, da alles andere unwirtschaftlich wäre.

Wer auf CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) hofft, kann schon gar nicht für den Bau neuer Kraftwerke plädieren, bevor CCS entsprechend zum Einsatz kommen kann. Eine Nachrüstung für CCS dürfte nämlich schwierig werden. Auch das den Kraftwerken teils verpasste Label “CCS-ready” dürfte sich häufig als Augenwischerei erweisen. Es ist in den meisten Fällen ziemlich unplausibel, dass die anfangs nicht gegebenen Voraussetzungen für die Realisierung von CCS später dann doch alle gegeben sein werden.

Kategorien: quantitative Fehleinschätzungen

Diese Hoffnung ist definitiv nicht zutreffend: Es gibt zwar nicht genug fossile Energieträger, um eine beliebig wachsende Nachfrage noch lange zu befriedigen. Es gibt aber weitaus genug davon, um das Klima auf der Erde damit komplett zu ruinieren. Deswegen ist es unabdingbar, dass wir global den Verbrauch an fossilen Energie stärker reduzieren, als es allein wegen der begrenzten Verfügbarkeit nötig wäre.

Mit anderen Worten: Ein guter Teil der Kohle, des Erdöls usw. muss aus Klimaschutzgründen unbedingt unter der Erde bleiben. Allenfalls mit CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) wäre es anders, jedoch ist es unrealistisch zu glauben, dass CCS in so großem Umfang realisierbar sein wird.

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