Aberglauben, Halbwahrheiten und Propaganda zum Thema Gebäudeheizung
Extra-Artikel
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Alle Zeigefinger auf China?
Dieser Artikel lädt ein, Ansichten über die chinesischen CO2-Emissionen sowie über unsere Beiträge zum Klimaschutz zu überdenken.
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Quecksilber-Hysterie
Der aktuelle Film "Bulb Fiction" über Energiesparlampen betreibt Panikmache – ein Artikel über Quecksilber in Lampen und eine Kritik des Films klären die Fakten.
Siehe auch ähnliche Seiten zu den Themen Gebäude, Stromerzeugung und Stromversorgung, erneuerbare Energie, Energieeffizienz und Klimaschutz und Kernenergie.
Behauptungen:
- Nachtabsenkung erhöht den Energiebedarf.
- Nachtabsenkung ist immer sinnvoll.
- Heizkörper trocknen die Luft besonders stark aus.
- Das Treppenhaus sollte man besser mitheizen.
- Moderne Elektroheizungen sind effizient.
- Elektroheizung ist klimafreundlich.
- Wärmepumpenheizung eliminiert die Energieprobleme.
- Wärmepumpenheizungen sollten nicht für Warmwasser verwendet werden.
- Mit Holzpellets sind Ölpreise für mich kein Thema mehr.
Die Nachtabsenkung bei der Gebäudeheizung ist unsinnig. Man spart zwar nachts Heizenergie, aber beim Aufheizen am Morgen braucht man mindestens die nachts eingesparte Menge zusätzlich.
Kategorie: Voodoo-Physik
Richtig ist, dass durch die Nachtabsenkung am Morgen ein höherer Bedarf an Heizleistung auftritt. Definitiv falsch ist, dass man dafür gleich viel oder sogar mehr Heizwärme braucht, als man zuvor gespart hat.
Der Grund hierfür ist leicht einzusehen. Wie viel Wärme in 24 Stunden durch die Außenwände fließt, hängt allein von der durchschnittlichen Innen- und Außentemperatur ab. Ähnliches gilt für die Lüftungsverluste. Diese Wärmeverluste nach außen werden also offensichtlich geringer, wenn die Innentemperatur nachts abgesenkt wird und damit die durchschnittliche Innentemperatur sinkt. Und die Heizung muss in 24 Stunden genau so viel weniger Wärme liefern, wie weniger Wärme nach außen entwichen ist. Das Abkühlen und Aufheizen der Wohnung spielt hierfür keine Rolle.
Eine Nachtabsenkung ist bei Wohngebäuden immer sinnvoll.
Kategorie: falsche Verallgemeinerungen
Für Gebäude ohne Wärmedämmung, die mit Heizkörpern beheizt werden, kann die Nachtabsenkung den Heizwärmebedarf meistens um einige Prozent reduzieren. Jedoch funktioniert das Prinzip der Nachtabsenkung kaum, wenn das Gebäude thermisch so träge ist, dass über die Nacht kaum eine Auskühlung stattfindet (selbst bei völligem Abschalten der Heizungsanlage), und wenn das Aufheizen am Morgen zu langsam ist (mit einer Fußbodenheizung). Die Nachtabsenkung bleibt dann also weitgehend wirkungslos und kann in manchen Fällen sogar energetisch ungünstig sein, wie im Artikel über Nachtabsenkung erklärt wird.
Das Heizen mit Heizkörpern im Gegensatz zu einer Fußbodenheizung trocknet die Zimmerluft aus.
Kategorie: Voodoo-Physik
Wenn kalte Frischluft von außen ins Haus kommt (z. B. durch Lüften) und dann auf Zimmertemperatur gebracht wird, bleibt die absolute Luftfeuchtigkeit erhalten, während die relative Luftfeuchtigkeit absinkt, weil die Luft im warmen Zustand mehr Wasserdampf aufnehmen könnte. Dies ist jedoch eine grundlegende physikalische Tatsache und hat nichts damit zu tun, auf welche Weise die Luft aufgewärmt wird.
Bestimmend für die entstehende Luftfeuchtigkeit im Haus sind ganz andere Faktoren: die eingebrachte Feuchtelast (durch Personen und ihre Tätigkeiten, Pflanzen, Luftbefeuchter, etc.) sowie der Luftdurchsatz. Eine zu niedrige Luftfeuchtigkeit entsteht, wenn das Wetter kalt und trocken ist (was zu einer niedrigen absolute Feuchtigkeit der Außenluft führt), die Feuchtelasten im Haus gering sind und der Luftdurchsatz hoch ist.
Zwei Quäntchen Wahrheit stecken allerdings doch in der genannten Meinung: Eine Fußbodenheizung erlaubt eine geringfügig niedrigere Lufttemperatur im Raum und führt deswegen zu einer geringfügig schwächeren Austrocknung. Außerdem ist die relative Luftfeuchtigkeit, die direkt über einem heißen Heizkörper gemessen wird, deutlich niedriger als weiter weg im Raum.
Das Treppenhaus heize ich besser mit, sonst verliert die Wohnung so viele Wärme.
Kategorie: Voodoo-Physik
Sicher, die Wohnung verliert keine Wärme mehr ins Treppenhaus, wenn dieses separat beheizt wird. Insgesamt braucht man so aber mit Sicherheit mehr Heizwärme, als wenn man das Treppenhaus unbeheizt lässt. Das ist leicht einzusehen: Ein Haus mit beheiztem Treppenhaus verliert mehr Wärme nach außen als eines mit kälterem Treppenhaus, und je mehr das Haus nach außen verliert, desto mehr muss die Heizungsanlage nachliefern. Somit ist klar: Der Wärmeverlust von der Wohnung ins kalte Treppenhaus ist geringer als der Aufwand, um das Treppenhaus zu heizen.
Gleiches gilt selbstverständlich für unbenutzte Wohnräume, Keller, Dachböden, etc.
Moderne Elektroheizungen sind keine Energieverschwender mehr, weil die Technik heute viel besser ist.
Kategorie: Achtelswahrheiten
(Der Ausdruck “Halbwahrheit” wäre beschönigend.)
Jede Elektroheizung erzeugt aus 1 kWh elektrischer Energie genau 1 kWh Heizwärme. Allenfalls geht davon noch etwas verloren, wenn z. B. eine unzureichend wärmegedämmte Elektrospeicherheizung im Keller steht. Nur solche Verluste lassen sich mit einer neuen Anlage reduzieren.
Das Grundproblem bleibt aber ungelöst: Die Erzeugung elektrischer Energie in Kraftwerken (und zu einem geringeren Ausmaß ihr Transport) ist mit hohen Verlusten behaftet, die mit keiner Technik im Heizkeller ausgeglichen werden kann.
Über Elektro-Infrarotheizungen wird teils behauptet, mit Ihnen sei der Heizwärmebedarf für ein Haus weitaus geringer als mit einer normalen Zentralheizung, so dass der Primärenergiebedarf trotz der ineffizienten Stromerzeugung ähnlich sei. Dies ist jedoch weder physikalisch nachvollziehbar noch, soweit es dem Autor bekannt ist, jemals mit einer wissenschaftlich überzeugenden Studie nachgewiesen worden.
Elektroheizungen sind klimafreundlich
Kategorie: Propaganda
Besonders dumm ist es, Elektroheizungen deswegen als klimafreundlich zu bezeichnen, weil im elektrisch beheizten Haus keine Abgase entstehen. Man unterschlägt damit mögliche Emissionen im Kraftwerk.
Meistens wird eher vorgebracht, für Elektroheizungen werde “sauberer” Strom aus emissionsfreien Kernkraftwerken oder Wasserkraftwerken verwendet. Elektroheizungen benötigen vor allem im kalten Winter elektrische Energie, und diese Mittellast wird z. B. in Deutschland meist weder mit Kernkraftwerken noch mit Wasserkraftwerken erzeugt, sondern eher mit Kohlekraftwerken und Gaskraftwerken. Kernkraftwerke erzeugen nämlich in aller Regel Grundlast (d. h. sie erzeugen im Sommer fast so viel wie im Winter) und Wasserkraftwerke entweder Grund- oder Spitzenlast.
Wenn viele Elektroheizungen beseitigt würden, würden nicht etwa Kernkraftwerke oder Wasserkraftwerke stillgelegt, sondern vor allem Kohle- und Gaskraftwerke. Somit sind die durch Elektroheizungen entstehenden Kohlendioxid-Emissionen in Wirklichkeit weitaus höher als z. B. die von Heizkesseln, und die Umstellung von Elektroheizungen auf effizientere Heizungen wäre sehr im Sinne des Klimaschutzes.
In Frankreich glaubt man besonders an die Mär vom sauberen Atomstrom für Elektroheizungen. Wenn es aber im Winter recht kalt wird (so geschehen z. B. im Februar 2012), muss Frankreich hohe Strommengen aus Deutschland importieren, weil die Kernkraftwerke, selbst wenn sie alle störungsfrei laufen, nicht genügend Strom für all die Elektroheizungen liefern können. In Deutschland werden dafür dann zusätzliche Kohlekraftwerke in Betrieb genommen. Das ist für das Klima um einiges schlimmer, als wenn die Franzosen mit Kohleöfen heizen würden.
Ein gewisser Zusammenhang zwischen Elektroheizung und Atomkraft besteht übrigens trotzdem. Elektroheizungen wurden besonders propagiert in einer Zeit, da viele Kernkraftwerke gebaut wurden und die Stromversorger nach zusätzlichen Absatzmöglichkeiten suchten – auch wenn diese im Falle der Elektroheizung nicht zum Grundlastcharakter von Atomkraftwerken passen. In gewissem Umfang ist es möglich, dass Atomkraftwerke z. B. Kohlekraftwerke von der Grundlast- zur Mittellasterzeugung verdrängen und auf diese indirekte Weise auch den Elektroheizungen dienen. Trotzdem: Ersetzte Elektroheizungen werden zu großen zu CO2-Emissionsreduktionen in der Stromerzeugung führen.
Mit einer Wärmepumpenheizung ist garantiert, dass der Heizenergiebedarf niedrig ist.
Kategorie: Achtelswahrheiten
Wenn der Heizwärmebedarf eines Gebäudes hoch ist (meist als Folge fehlender Wärmedämmung), löst eine Wärmepumpenheizung dieses Problem nicht. Allenfalls wird der Primärenergiebedarf ein Stück weit unter das Niveau gebracht, das man hätte, wenn auch die Heizungsanlage noch schlecht wäre. Zudem erreichen schlecht ausgelegte Wärmepumpenheizungen häufig relativ niedrige Jahresarbeitszahlen und sind somit nicht einmal unbedingt wesentlich besser als z. B. ein Gas-Brennwertkessel.
Richtig gut funktioniert eine Wärmepumpenheizung aber in einem gut wärmegedämmten Haus mit Fußbodenheizung und bei Verwendung von Erdsonden. Hier kann die Jahresarbeitszahl recht hoch werden.
Wärmepumpenheizungen sollten nicht für die Warmwasserbereitung verwendet werden, weil dies die Jahresarbeitszahl der Anlage vermindert.
Kategorie: Achtelswahrheiten
Richtig ist, dass die Jahresarbeitszahl einer Wärmepumpe etwas niedriger ausfallen kann, wenn die Wärmepumpe auch für die Warmwasserbereitung verwendet wird. Daraus folgt jedoch keineswegs, dass es besser wäre, z. B. einen Elektroboiler für das Warmwasser zu verwenden. Dieser braucht erheblich mehr Energie für die Warmwasserbereitung. Wenn man also die allein relevante Jahresarbeitszahl für das Gesamtsystem (Heizung und Warmwasser) berechnet, wird diese durch den Elektroboiler mit Sicherheit schlechter.
Im Prinzip wäre es energetisch besser, die Warmwasserversorgung z. B. über Sonnenkollektoren zu realisieren. Jedoch ist dies in den meisten Fällen klar unwirtschaftlich, außer wenn im Sommer ein sehr hoher Warmwasserbedarf besteht.
Mit Holzpellets sind Ölpreise für mich kein Thema mehr.
Kategorie: Halbwahrheiten
Leider sind die Preise von Holzpellets von den Preisen für Heizöl und Erdgas nicht wirklich entkoppelt. Wenn nämlich der Öl- und Gaspreis stark ansteigt, werden viele Hausbesitzer ihre Öl- oder Gasheizung durch eine Pelletheizung ersetzen und somit die Nachfrage nach Pellets stark erhöhen. Kurzfristig kann es zu Engpässen kommen, die sich stark auf die Preise auswirken. Längerfristig wird dies auch zur Schaffung zusätzlicher Kapazitäten (Pelletfabriken) führen, was die Preise wieder dämpft. Jedoch wird der letztere Effekt nur eingeschränkt wirksam werden, wenn die Nachfrage recht hoch wird und sich die begrenzten Potenziale der Holzgewinnung auswirken.
Dass die Nachfrage nach Pellets recht hoch werden könnte, ist ziemlich klar. Es gibt nämlich viele Altbauten, für die es kaum andere Möglichkeiten der Beheizung gibt, wenn Heizöl und Erdgas einmal ausfallen. Eine Wärmepumpenheizung kommt wegen ungünstiger Umstände (hohe Vorlauftemperatur nötig und/oder keine Erdsonde möglich) häufig nicht in Frage, und Optionen wie die für Fernwärme oder Nahwärme gibt es an vielen Standorten nicht. Auch eine energetische Sanierung ist nicht für alle Altbauten praktikabel, weswegen dann oft nur noch die “regenerative Schiene” hilft: Holz statt Öl. Gute Aussichten also für Pelletproduzenten, leider nicht so rosige für Besitzer von schwer zu sanierenden Häusern.
