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Tempolimit

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Definition: eine Beschränkung der erlaubten Geschwindigkeiten von Fahrzeugen

Englisch: speed limit

Kategorien: Energiepolitik, Fahrzeuge

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 31.01.2016; letzte Änderung: 21.02.2016

Das Wort Tempolimit ist ein sehr gebräuchlicher umgangssprachlicher Begriff für die maximal zulässige Geschwindigkeit von Fahrzeugen, meistens von Straßenfahrzeugen auf öffentlichen Straßen.

Die politisch festgelegte zulässige Höchstgeschwindigkeit auf Straßen basiert nicht einfach auf Sicherheitsüberlegungen, sondern kommt im Wesentlichen als ein Kompromiss zwischen der Verkehrssicherheit und dem Bedürfnis nach schnellem Fahren zustande.

Die zulässige Höchstgeschwindigkeit wird bisher in erster Linie als ein Kompromiss zwischen der Sicherheit der Verkehrsteilnehmer und dem Bedürfnis nach schnellem Fahren festgelegt, wobei die gesetzten Prioritäten naturgemäß auf subjektiven Bewertungen beruhen, nachdem ein wissenschaftlich basierter Vergleich von Zeitersparnis und erhöhten Risiken nicht möglich ist. In eher seltenen Fällen wird eine tiefere Höchstgeschwindigkeit vorgeschrieben, explizit um eine Reduktion der Schadstoffemissionen und -immissionen und/oder des Energieverbrauchs zu erzielen. Dabei sind die Auswirkungen der gewählten Höchstgeschwindigkeit auf Energieverbrauch und Schadstoffemissionen erheblich, wie weiter unten gezeigt wird.

Abhängigkeit der Fahrzeit von der Geschwindigkeit

Abbildung 1: Abhängigkeit der Fahrzeit pro 100 km von der gefahrenen Geschwindigkeit. Man erkennt, dass eine Erhöhung der Geschwindigkeit beispielsweise um 10 km/h bei höheren Geschwindigkeiten den Zeitbedarf immer weniger vermindert.

Gleichzeitig ist zu beachten, dass die Zeitersparnis, die aus einer hohen Fahrgeschwindigkeit resultiert, bei höheren Geschwindigkeiten immer mehr abnimmt (siehe Abbildung 1). Beispielsweise spart eine Geschwindigkeit von 60 statt 50 km/h noch 20 Minuten pro 100 km, während 110 statt 100 km/h nur noch ca. 5,5 Minuten sparen.

Einfluss von Tempolimits auf den Energieverbrauch

Der streckenbezogene Energieverbrauch beispielsweise eines Autos hängt aus physikalischen und technischen Gründen maßgeblich von der gefahrenen Geschwindigkeit ab:

Warum kann der Verbrauch bei sehr niedrigen Geschwindigkeiten sogar ansteigen? Welche Geschwindigkeit ist verbrauchsoptimal?

Bei Fahrzeugen mit elektrischem Antrieb (auch mit Hybridantrieb) ist die Abhängigkeit des Antriebswirkungsgrads von der Fahrgeschwindigkeit meist deutlich geringer als bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Deswegen liegt die verbrauchsoptimale Geschwindigkeit noch deutlich tiefer; erst bei sehr tiefen Geschwindigkeiten steigt der Verbrauch von Elektroautos wieder an.

Luftwiderstand beim VW Golf

Abbildung 2: Luftwiderstandskraft und zu deren Überwindung nötige Antriebsleistung bei einem VW Golf in Abhängigkeit von der Fahrgeschwindigkeit. (Die Antriebskraft ist bestimmend für den streckenspezifischen Energieverbrauch.) Man beachte, dass zusätzliche Energieverluste z. B. durch den Rollwiderstand nicht berücksichtigt sind; sie sind von der Geschwindigkeit kaum abhängig.

Zusätzlich gibt es indirekte Effekte, die die Energieeinsparung durch Tempolimits allesamt weiter verstärken:

Mehrere indirekte Effekte können die energiesparende Wirkung von Tempolimits noch wesentlich verstärken.

Einfluss von Tempolimits auf die Schadstoffemissionen

Die klimaschädlichen Emissionen von Kohlendioxid (CO2) sind direkt verknüpft mit dem Kraftstoffverbrauch. Die anderen Schadstoffemissionen von Verbrennungsmotoren hängen meist stark von der Fahrgeschwindigkeit ab, jedoch auch stark von der jeweils eingesetzten Technik:

Die bei hohen Geschwindigkeiten rapide ansteigende Motorleistung erhöht insbesondere die Stickoxidemissionen.

Zwar müssen heute neu zugelassene Autos viel strengere Abgasnormen erfüllen als früher, jedoch wird deren Einhaltung bisher nur mit solchen Messverfahren überprüft, bei denen hohe Motorleistungen gar nicht auftreten. Deswegen können die Schadstoffemissionen im Praxisbetrieb sehr viel höher liegen – insbesondere bei hohen Fahrgeschwindigkeiten. Tempolimits können die Diskrepanz zwischen Praxisbetrieb und Messwerten markant verringern.

Die oben genannten indirekten Effekte gelten allesamt auch für die Reduktion der Schadstoffemissionen.

Allgemeines Tempolimit auf Autobahnen

Deutschland gehört zu den wenigen Ländern, in denen auf Autobahnen kein allgemeines Tempolimit gilt. Es gibt lediglich die sogenannte Richtgeschwindigkeit von 130 km/h, deren Überschreitung für die Fahrer keine direkten Folgen hat, solange kein Unfall passiert und keine direkte Gefährdung von Verkehrsteilnehmern vorliegt. Deswegen wählt ein gewisser Anteil der Autofahrer sehr hohe Fahrgeschwindigkeiten, die einen entsprechenden Anstieg von Energieverbrauch und Schadstoffemissionen zur Folge haben, abgesehen von einem erheblichen Verlust an Verkehrssicherheit.

Naturgemäß kann der Energieverbrauch nur bei den Fahrzeugen sinken, die tatsächlich langsamer fahren. Kann das ein Argument gegen den Nutzen von Tempolimits sein?

Der Verzicht auf eine Geschwindigkeitsbeschränkung wird teils mit der Behauptung verteidigt, ein allgemeines Tempolimit erbrächte keine wesentliche Reduktion des Energieverbrauchs. Zu solchen Aussagen kommt man allerdings nur durch unangebrachte Vergleiche; beispielsweise wird manchmal die durchschnittliche Verbrauchsreduktion aller Fahrzeuge betrachtet einschließlich derer, die durch das Tempolimit gar nicht langsamer würden. Würde man den Zeitgewinn höherer Geschwindigkeiten auf die gleiche Weise bewerten, so käme man zum Resultat, dass der Zeitgewinn hoher Autobahngeschwindigkeiten vernachlässigbar ist; bezeichnenderweise wird aber bei diesem Aspekt nie so gedacht.

Welche anderen Möglichkeiten haben wir, um Klimaschutz zu negativen Kosten zu bekommen?

Ein allgemeines Tempolimit auf Autobahnen wäre in Deutschland eine der wenigen Möglichkeiten, um ohne Kosten und sogar noch mit erheblichen positiven Nebenwirkungen (weniger Verkehrstote und Verletzte, weniger Stress beim Fahren) die Abhängigkeit von Erdölimporten zu verringern, einen Beitrag zum Klimaschutz zu erzielen (mit negativen CO2-Vermeidungskosten) sowie eine Reduktion der gesundheitsschädlichen Luftverschmutzung.

Siehe auch: Kraftstoff, Kraftstoff sparen, Luftwiderstand, Rollwiderstand, Volllastanreicherung, Messverfahren für Kraftstoffverbrauch und Abgaswerte, Luftverschmutzung, Energiepolitik
sowie andere Artikel in den Kategorien Energiepolitik, Fahrzeuge

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