www.energie-lexikon.info, enlex.info
RP-Energie-Lexikon
fachlich fundiert, unabhängig von Lobby-Interessen

Wärmepumpenheizung

<<<  |  >>>  |  Feedback

Definition: ein Heizsystem basierend auf einer oder mehreren Wärmepumpen

Englisch: heat pump heating system

Kategorien: Haustechnik, Wärme und Kälte

Autor: Dr. Rüdiger Paschotta

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 21.03.2010; letzte Änderung: 22.10.2016

Wärmepumpen sind besonders geeignet für die Beheizung von Gebäuden, vor allem wenn das benötigte Temperaturniveau der Heizwärme (die Vorlauftemperatur eines Zentralheizungssystems) relativ niedrig ist und ein geeignetes Wärmereservoir zur Verfügung steht. Ähnliches gilt für die Beheizung von Schwimmbädern.

Grundlegende Aspekte von Wärmepumpen wie das Funktionsprinzip, die Energie- und Exergiebilanz sowie der Vergleich mit anderen Methoden der Wärmeerzeugung werden im Artikel über Wärmepumpen behandeln. Der vorliegende Artikel konzentriert sich auf den Einsatz von Wärmepumpen speziell für Heizzwecke.

Mit Heizungswärmepumpen nutzbare Wärmequellen

Heizungswärmepumpen können unterschiedliche Quellen von Umweltwärme oder Abwärme nutzen:

Erdwärmesonden

Erdwärmesonden sind eine effiziente und zuverlässige Wärmequelle für Wärmepumpen.

Häufig werden Erdwärmesonden eingesetzt, die z. B. 100 m oder 200 m tief in das Erdreich eindringen. Eine frostgeschützte Flüssigkeit (ein Wasser-Glykol-Gemisch, oft ungenau als Sole bezeichnet) zirkuliert zwischen Erdwärmesonde und der Sole/Wasser-Wärmepumpe. Die Flüssigkeit (das Kältemittel) ist im Betrieb etwas kühler als das Erdreich, entzieht diesem also Wärme, die sie dann an den Verdampfer der Wärmepumpe abgibt. Typischerweise liegt die Temperatur der Sole auch im Winter bei z. B. 5 °C, was gute Leistungszahlen ermöglicht, oder zumindest nicht tiefer als 0 °C.

Die Länge und Anzahl der benötigten Erdwärmesonden richtet sich nach der benötigten maximalen Heizleistung und ein Stück weit auch nach der Bodenbeschaffenheit. (Feuchter, lehmiger Boden ist besser als trockener Sand.) Ein typischer Richtwert ist eine Länge von 15 m pro kW Heizleistung.

Sole-Erdwärmesonden sind im Sommer auch gut für die Kühlung (Klimatisierung) des Hauses nutzbar. Erdsonden werden im Sommer manchmal auch benutzt, um überschüssige Wärme einer Solaranlage in den Boden zu leiten.

Es gibt auch spezielle Erdwärmesonden, die mit Kohlendioxid (CO2) anstelle einer Sole als Wärmeträger arbeiten. Hier wird das Prinzip der Direktverdampfung realisiert: CO2 wird bei Wärmeaufnahme in der Sonde verdampft und oben in einem Wärmeübertrager wieder kondensiert; die Sonde arbeitet also als Wärmerohr (“heat pipe”). Die Energieeffizienz solcher Anlagen ist recht hoch. Allerdings ist die Installation auch eher teuer, und die Nutzung für die Kühlung im Sommer ist nicht möglich.

Eine weitere Variante von Erdwärmesonden sind Energiepfähle, die zusätzlich auch eine statische Funktion für das Gebäude haben. Auf solche Energiepfähle kann ein Baufundament abgestützt werden.

Erdregister und Erdwärmekörbe

Wenn beim Neubau ein Garten neu angelegt wird, kommt die Verlegung eines Erdregisters für eine Wärmepumpenheizung in Frage. Erdwärmekörbe lassen sich evtl. auch später noch einbauen, da wesentlich weniger Fläche benötigt wird.

Ebenfalls gebräuchlich sind in geringer Tiefe von z. B. 1,5 m flächig verlegte Erdregister, die z. B. unter einem Garten liegen können, und Erdwärmekörbe (auch Spiralkollektoren). Sie haben bezüglich Effizienz und Kosten ähnliche Eigenschaften wie Erdwärmesonden.

Die Verlegung von Erdregistern erfordert häufig größere Erdarbeiten und kommt deswegen eher bei Neubauten in Frage. Eine Voraussetzung ist eine ausreichende Grundstücksfläche; die nötige Fläche des Erdregisters beträgt ca. 30–60 m2 pro kW Heizleistung. Eine unerwünschte Nebenwirkung kann etwas verzögertes Pflanzenwachstum in einem Garten sein, welches die Abkühlung des Bodens verursacht.

Wärmequellen für Wärmepumpenheizungen

Abbildung 1: Wärmepumpenheizungen können verschiedene Wärmequellen nutzen: Erdwärme über Erdsonden, Erdregister oder Erdwärmekörbe, Wärme aus Grundwasser und Umgebungsluft.

Grundwasser

Grundwasser ist relativ warm und daher eine ausgezeichnete Wärmequelle für Wärmepumpen. Seine Nutzung lohnt sich allerdings in der Regel nur für größere Anlagen. Die Kosten hängen wesentlich weniger stark von der Leistung ab als z. B. bei Erdwärmesonden.

In manchen Fällen kann oberflächennahes Grundwasser genutzt werden, welches in einem Brunnen gewonnen, in einem Wärmeübertrager abgekühlt und dann wieder versickert wird (Reinfiltration). Wenn ein Fluss oder Bach in der Nähe verläuft, kann das Wasser auch dort eingeleitet werden.

Da das Grundwasser häufig eine höhere Temperatur von z. B. 12 °C aufweist, kann eine Grundwasser-Wärmepumpe im Prinzip deutlich effizienter arbeiten als eine Sole/Wasser-Wärmepumpe. In der Praxis ist jedoch oft das Gegenteil der Fall, weil der Wärmeübergang im Grundwasser-Wärmeübertrager durch Verschmutzung behindert werden kann und weil der Betrieb der Pumpe für die Grundwasserumwälzung erhebliche Mengen elektrischer Energie benötigen kann, insbesondere wenn die Anlage nicht sorgfältig ausgelegt ist. Pro Kilowatt Heizleistung müssen stündlich ca. 300 bis 400 Liter Wasser gefördert werden.

Der Einsatz von Grundwasser-Wärmepumpen ist wegen der Gefahr von Grundwasser-Verschmutzungen nicht überall erlaubt und mancherorts nur für etwas größere Anlagen (etwa zur Beheizung von großen Wohnblocks), um die Zahl der zu kontrollierenden Zapfstellen übersichtlicher zu gestalten.

Das Anlegen eines Grundwasserbrunnens ist häufig zu teuer für ein einzelnes Wohnhaus. Da die Kosten aber relativ wenig von den benötigten Wassermengen abhängen, ist die Wirtschaftlichkeit für größere Anlagen besser.

Flusswasser oder Seewasser

Einem Fluss oder einem See kann mit Hilfe von Wärmepumpen über geeignete Wärmeübertrager eine sehr hohe Wärmeleistung entnommen werden, ohne dass dies spürbare Auswirkungen hat. Die Wassertemperatur ist im Winter meist einige Grade niedriger als beim Grundwasser, kann aber immerhin 0 °C nicht unterschreiten. Somit dürfte die Energieeffizienz für das Heizen meist zwischen der von Grundwasser- und Erdsondenanlagen liegen. Die größte Begrenzung für den Einsatz von Fluss- oder Seewasser ist natürlich, dass nur wenige Standorte Zugang dazu haben.

Außenluft

Luft/Wasser-Wärmepumpen sind populär, weil sie relativ kostengünstig installiert werden können. Leider werden sie an kalten Wintertagen aber ziemlich ineffizient. Zumindest monovalente Anlagen erreichen deswegen keine sehr vorteilhafte Jahresarbeitszahl.

Luft/Wasser-Wärmepumpen nutzen meist Außenluft. Diese ist immer und überall ohne großen Aufwand verfügbar, auch wo z. B. Erdwärmesonden nicht erlaubt sind. Der Nachteil ist jedoch, dass die Außenluft gerade dann besonders kalt ist, wenn für eine Heizung viel Wärme benötigt wird. Hinzu kommt, dass solche Geräte vor allem bei Außentemperaturen um 0 °C und nebligem (feucht-kaltem) Wetter zur Vereisung des Verdampfers neigen. Dies macht regelmäßige Abtauvorgänge notwendig und senkt die Leistungszahl weiter (typisch um ca. 10–15 %). Man beachte, dass bei von Herstellern genannten Leistungszahlen die Abtauvorgänge teils nicht berücksichtigt sind, z. B. indem mit sehr trockener Außenluft gemessen wird.

Aus den genannten Gründen arbeiten Luft/Wasser-Wärmepumpen meistens erheblich weniger effizient als z. B. Sole/Wasser-Wärmepumpen; die Jahresarbeitszahl liegt häufig deutlich unter 3. Dagegen ist ihre Installation kostengünstiger, da keine Erdwärmesonden o. ä. benötigt werden. Verglichen mit einem Erdgas-Brennwertkessel sind die durch Luft/Wasser-Wärmepumpen verursachten CO2-Emissionen häufig höher, was allerdings auch vom verwendeten Strommix abhängt.

Luft/Wasser-Wärmepumpen können im Keller oder auch im Freien aufgestellt werden. Bei manchen Geräten verursacht der Ventilator am Außenluft-Wärmeübertrager in der Umgebung eine störende Lärmbelastung. Viele neue Geräte sind jedoch recht leise.

Die Installationskosten für ein System mit Luft/Wasser-Wärmepumpen liegen wesentlich niedriger als z. B. bei solchen mit Erdwärmesonde, obwohl die Wärmepumpe selbst hier teurer ist. Es ist allerdings zu beachten, dass ein Erdsondensystem normalerweise sehr langlebig ist und der Austausch der Wärmepumpe (z. B. nach einer Betriebszeit von 15 bis 25 Jahren) bei solchen Systemen wesentlich kostengünstiger ist, als wenn eine Luft/Wasser-Wärmepumpe ausgetauscht werden muss. Hinzu kommt, dass die Lebensdauer einer Luft/Wasser-Wärmepumpe eher kürzer ist.

Abwärme

Ideale Verhältnisse liegen oft vor, wenn Abwärme von Anlagen oder Gebäuden zur Verfügung steht, z. B. in Form warmer (selbst nur lauwarmer) Abwässer oder warmer Abluft in ausreichender Menge.

Solare Wärme

Wärmepumpen erleichtern stark die Gewinnung und Speicherung von Solarwärme. Allerdings brauchen solare Systeme ohne Wärmepumpen natürlich viel weniger elektrische Energie.

Sonnenkollektoren können direkt (auch ohne eine Wärmepumpe) nutzbare Wärme für Heizung und Warmwasser liefern. Jedoch ist von ihnen im Sommer erzeugte überschüssige Wärme schwer in größeren Mengen speicherbar. Hier hilft das Konzept des Eisspeichers, bei dem die Wärme auf einem niedrigen Temperaturniveau (meist um 0 °C) gespeichert wird. Es ist dann eine Wärmepumpe nötig, um ein für die Nutzung ausreichendes Temperaturniveau zu erreichen. Der Artikel über Eisspeicher erklärt die Technik und diskutiert ihre Vor- und Nachteile im Vergleich zu rein solaren Anlagen wie auch zu anderen Wärmepumpensystemen.

Der Artikel über Solar-Wärmepumpen-Systeme gibt einen ausführlichen Überblick über Möglichkeiten, Wärmepumpen mit Solarthermie zu verbinden.

Andere Wärmequellen

Weniger gebräuchlich sind in Dachziegel integrierte Wärmeübertrager. Dasselbe gilt für sogenannte Energiezäune, bei denen eine Sole durch ein Geflecht von Schläuchen geleitet wird, welches einen Zaun (beispielsweise an einer Grundstücksgrenze) bildet.

Manche Passivhäuser besitzen eine Warmluftheizung, bei der eine Wärmepumpe bei Bedarf die Zuluft nachheizen kann, wobei z. B. die Abluft als (freilich nicht sehr ergiebige) Wärmequelle dient.

Bei manchen Tunnelbauten (beispielsweise in den Alpen) fällt lauwarmes Wasser an, welches mithilfe von Wärmepumpen beispielsweise für Heizungszwecke genutzt werden kann.

Eine weitere Möglichkeit bietet die Nutzung von Abwässern von Gewerbebetrieben oder auch Wohngebieten. Hier sollte die Abkühlung des Abwassers allerdings nicht so stark sein, dass dadurch die biologische Reinigung in der folgenden Kläranlage beeinträchtigt wird.

Hybridwärmepumpen

Der Begriff Hybridwärmepumpe wird mit völlig unterschiedlichen Bedeutungen verwendet, die im entsprechenden Lexikonartikel erläutert und diskutiert werden.

Typen von Wärmepumpen

Elektrowärmepumpen sind für kleine Anlagen in der Regel die beste Lösung. Für größere Anlagen gibt es aber auch interessante Optionen.

Im Prinzip kommen für Heizungszwecke alle Arten von Wärmepumpen in Frage. Jedoch werden in der Praxis bisher zum größten Teil Kompressionswärmepumpen verwendet. Bei kleineren Anlagen ist der Elektroantrieb die einzig praktikable Option (→ Elektrowärmepumpe), während größere Wärmepumpen auch mit einem Gasmotor oder Dieselmotor angetrieben werden können (→ Gas-Wärmepumpe), wobei die Abwärme des Motors ebenfalls für die Heizung nutzbar ist und eine höhere Vorlauftemperatur erlaubt.

Absorptionswärmepumpen kommen bisher meist im hohen Leistungsbereich (hunderte von Kilowatt oder sogar viele Megawatt) zum Einsatz, z. B. zur Speisung von Fernwärmenetzen unter Verwendung von Abwärme eines Industriebetriebs auf einem relativ hohen Temperaturniveau. Es gibt aber auch kleinere gasbefeuerte Absorptionswärmepumpen für die Beheizung von Mehrfamilienhäusern. Die Energieeffizienz ist dann wesentlich höher als mit einem Heizkessel, wenn auch geringer als mit der Kombination von Gasmotor und Kompressionswärmepumpe. Dafür ist der technische Aufwand geringer, auch der Wartungsaufwand, und die Lebensdauer dürfte höher sein.

Wärmepumpen für Heizungsanwendungen sollten modulierend sein, um eine hohe Effizienz auch im Teillastbetrieb zu erreichen.

Da der Bedarf an Wärmeleistung im Heizbetrieb sehr stark schwankt (praktisch zwischen 0 und 100 % der vollen Leistung), erlaubt der Einsatz von modulierenden (stufenlos oder in Stufen leistungsgeregelten) Wärmepumpen in der Regel eine deutlich erhöhte Energieeffizienz. Leider arbeiten die meisten heute verkauften Elektrowärmepumpen jedoch immer noch im ineffizienten Taktbetrieb. Man beachte, dass die üblichen Angaben der Leistungszahl für den Volllastbetrieb gelten, so dass der wichtige Aspekt der Effizienz im Teillastbetrieb hieraus nicht erkennbar ist und deswegen häufig übersehen wird.

Monovalente und bivalente Wärmepumpen-Heizsysteme

Die meisten Wärmepumpenheizungen arbeiten monovalent, d. h. ohne zusätzliche Wärmeerzeuger. Bei großen Anlagen kann aber eine bivalente Lösung durchaus sinnvoll sein.

Vielfach werden monovalente Wärmepumpen eingesetzt, die die gesamte Heizenergie liefern, abgesehen evtl. von dem kurzzeitigen Einsatz eines Notheizsystems (z. B. mit Elektroheizstab). Jedoch gibt es auch bivalente Systeme, bei denen die Wärmepumpe z. B. mit einem Heizkessel unterstützt oder von diesem ganz ersetzt wird, sobald die Außentemperaturen zu tief werden (den sogenannten Bivalenzpunkt unterschreiten). Falls Wärmepumpe und Heizkessel gleichzeitig betrieben werden, dient häufig die Wärmepumpe zu einer Vorwärmung des Heizwassers, und der Heizkessel hebt die Temperatur dann weiter an. Eher gebräuchlicher ist aber der bivalent-alternative Betrieb, bei der unterhalb einer bestimmten Außentemperatur nur der Heizkessel genutzt wird, darüber nur die Wärmepumpe.

Der monovalente Einsatz hat offenkundige Vorteile betreffend die Investitions- und Wartungskosten sowie den Platzbedarf. Es gibt jedoch auch Nachteile:

Die Vorteile des bivalenten Betriebs:

Tendenziell werden bei Einfamilienhäusern und kleineren Mehrfamilienhäusern eher monovalente Anlagen eingesetzt. Bivalenter Betrieb kommt eher für größere Anlagen in Frage.

Warmwasserbereitung

In der Regel ist es sinnvoll, die Warmwasserbereitung von der Heizungswärmepumpe mit erledigen zu lassen.

Viele Heizungswärmepumpen sind auch für die Bereitung von Warmwasser geeignet. Das Anlagengehäuse enthält dann häufig zusätzliche Komponenten wie Rohranschlüsse zur Verbindung mit dem Wärmeübertrager eines externen Warmwasserspeichers, Schaltventile und Ergänzungen der eingebauten elektronischen Regelung. Es gibt auch Kompaktgeräte, bei denen der Warmwasserspeicher im gleichen Gehäuse sitzt wie die Wärmepumpe, was tendenziell kostengünstiger ist und Bereitschaftsverluste reduziert.

Der Artikel über Brauchwasserwärmepumpen beschreibt Geräte, die nur für die Warmwasserbereitung (nicht für die Heizung) eingesetzt werden.

Energetisch und ökologisch am günstigsten dürften Systeme sein, bei denen soweit vorhanden Solarwärme verwendet wird und eine Wärmepumpe den Restbedarf deckt. Jedoch ist auch ein reines Wärmepumpensystem, wenn es gut ausgelegt ist, sehr effizient.

Ein Elektroboiler neben einer Wärmepumpe ist in der Regel nicht die richtige Lösung für das Warmwasser.

Es kommt leider vor, dass Wärmepumpenheizungen mit einem Elektroboiler ergänzt werden in der Meinung, dies sei energetisch sinnvoll, weil so die Jahresarbeitszahl der Wärmepumpe höher wird und Nachtstrom genutzt werden kann. Die einzig relevante Größe für die Energieeffizienz ist jedoch die Jahresarbeitszahl des Gesamtsystems (Heizung und Warmwasserbereitung), und diese ist deutlich höher, wenn die Warmwasserbereitung über die Wärmepumpe erfolgt. Zudem spart die Verwendung von Nachtstrom zwar häufig Kosten ein, die einen guten Teil des Effizienzverlusts finanziell wettmachen, ist aber nicht unbedingt ökologisch vorteilhaft.

Akzeptabel kann der Einsatz eines zusätzlichen Elektro-Durchlauferhitzers sein, wenn eine ausreichend hohe Warmwassertemperatur mit der Wärmepumpe allein nicht erreicht wird. Dies kann z. B. nötig sein, wenn ein veraltetes Warmwasser-Zirkulationssystem relativ hohe Temperaturen benötigt, um einen Legionellen-Befall zu verhindern.

Ökonomische Aspekte

Die Investitionskosten für den Bau einer Wärmepumpenheizung sind meist beträchtlich. Außer der Wärmepumpe selbst können die benötigten Erdwärmesonden, Erdregister oder Grundwasserbrunnen erhebliche Kosten verursachen. Andererseits ist die Lebensdauer solcher Anlagen meist sehr hoch, jedenfalls für die wichtigsten Komponenten. Außerdem entfallen dafür andere oft teure Komponenten wie z. B. ein Schornstein, ein Erdgasanschluss oder ein Heizöltank mit entsprechendem Tankraum. Zudem gibt es mancherorts auch staatliche Zuschüsse für Wärmepumpen, zumindest wenn sie gewisse Effizienzanforderungen erfüllen.

Die Betriebskosten liegen typischerweise recht niedrig, vor allem bei Systemen mit hoher Jahresarbeitszahl. Auch der Wartungsaufwand ist für Elektrowärmepumpen deutlich geringer als z. B. bei Systemen mit Heizkesseln.

In der Schweiz haben sich Wärmepumpen wesentlich stärker durchgesetzt als in Deutschland – zum Teil wegen der niedrigeren Strompreise.

Für die Amortisation von Elektrowärmepumpen ist natürlich der Stromtarif von entscheidender Bedeutung. In Deutschland ist die Amortisation oft schwierig, insbesondere in Konkurrenz zu Erdgas-Heizkesseln. Solange Erdgas vergleichsweise günstig ist (z. B. 7 ct/kWh), kann eine Elektrowärmepumpe mit einer Jahresarbeitszahl von z. B. 3,5 nur mit einem besonders günstigen Stromtarif (z. B. einem Wärmepumpentarif) von unter 22 ct/kWh niedrigere Betriebskosten ermöglichen – wobei es für die Amortisation der höheren Investitionskosten noch deutlich weniger sein muss. In der Schweiz sind die Verhältnisse für Wärmepumpen günstiger: Die Strompreise sind deutlich niedriger, während die Gaspreise ähnlich wie in Deutschland sind. Dies dürfte ein wesentlicher Grund dafür sein, dass Wärmepumpen in der Schweiz wesentlich stärker verbreitet sind.

Ökologische Bilanz

Sind Wärmepumpenheizungen ökologisch günstig? Die Stromerzeugung hat ja auch Umweltbelastungen zur Folge!

Für die Bewertung der ökologischen Bilanz von Wärmepumpenheizungen sind hauptsächlich die folgenden Aspekte zu berücksichtigen:

Die folgenden Beispiele zeigen die Klimabilanz von Wärmepumpenheizungen im Vergleich zu anderen Heizungsarten:

Vorsicht: Den durchschnittlichen Strommix des Landes für Wärmepumpenstrom heranzuziehen, ist nicht realistisch.

Eine gründliche energetische Sanierung spart meist weit mehr CO2 als der Übergang zu einer Wärmepumpenheizung – außer wenn diese mit echtem Ökostrom betrieben wird.

Selbstverständlich ist auch die Höhe des Wärmeverbrauchs wichtig. So mag ein unsaniertes Einfamilienhaus aus den 1950er Jahren jährlich 50 000 kWh Heizwärme benötigen, was mit einer modernen Gasheizung 10 Tonnen CO2 bedeutet. Eine gründliche energetische Sanierung könnte den Wärmebedarf z. B. auf 15 000 kWh drücken, so dass die Gasheizung noch 3 Tonnen CO2 jährlich emittiert. Die dann niedrigere Vorlauftemperatur des Heizungssystems (auch ohne Umrüstung auf Fußbodenheizung) ermöglichst dann eine Wärmepumpenheizung z. B. mit einer Jahresarbeitszahl von 3,5 oder vielleicht sogar 4, was den CO2-Ausstoß allerdings nicht stark ändert – außer wenn dafür dann echter Ökostrom eingesetzt wird.

Zusätzliche, quantitativ meist weniger bedeutsame Aspekte sind

Natürlich ist die ökologische Bilanz jeweils mit der von anderen Heizungssystemen zu vergleichen. Ersetzt beispielsweise eine Wärmepumpenheizung eine Elektroheizung, dürfte dies ökologisch gesehen praktisch immer eine massive Verbesserung bedeuten. Dagegen können diverse andere Möglichkeiten unter Umständen auch ökologisch günstiger sein, z. B. die Wärmegewinnung aus Holzpellets. Ebenfalls kann die energetische Sanierung einer Gebäudehülle vorteilhafter sein als der Ersatz einer Gasheizung durch eine Wärmepumpenanlage.

Klar ist jedenfalls, dass der Slogan “Heizen mit erneuerbarer Energie” (oder z. B. zu drei Vierteln mit erneuerbarer Energie) oft irreführend verwendet wird. Auch wenn drei Viertel der Heizwärme (bei einem COP von 4) aus kostenloser Umgebungswärme stammen, wird ein Viertel hochwertige Antriebsenergie verwendet, die oft aus einem Vielfachen von Energie aus fossilen Energieträgern gewonnen wird. Deswegen kann ernsthaft von “Heizen mit erneuerbarer Energie” nur die Rede sein, wenn Elektrowärmepumpen mit Ökostrom betrieben werden.

Empfehlungen

Einige Wertungen und Empfehlungen für den Einsatz von Wärmepumpen in Heizungssystemen:

Neubauten sollten unbedingt mit Niedertemperaturheizungen ausgestattet werden, was die Beheizung mit einer Wärmepumpe sehr erleichtert.

Bei der Altbausanierung ist es oft wesentlich schwieriger, eine Wärmepumpenheizung zu realisieren: Die Kosten sind meist höher als beim Neubau, während die Effizienz aufgrund hoher Vorlauftemperaturen geringer ist.

Eine optimale Auslegung von Wärmepumpenheizungen ist sehr wichtig, allerdings nicht ganz einfach.

Literatur

[1]Ratgeber Wärmepumpenheizung: So finden Sie die richtige Variante!
[2]Faktor-Themenheft 15 “Wärmepumpen”, http://www.faktor.ch/artikel/category/buecher/article/waermepumpen.15.html, Herausgeber: Bundesamt für Energie
[3]“Erdwärmesonden, Leitfaden zur Nutzung von Erdwärme mit Erdwärmesonden”, http://www.geothermie.de/fileadmin/useruploads/wissenswelt/gesetze/Leitfaden/Sachsen_Leitfaden-Erdwaerme.pdf des Landesamts für Umwelt und Geologie in Sachsen
[4]Simone Bassetti und Ernst Rohner, “Projekt Handbuch Erdwärmekörbe”, http://www.bfe.admin.ch/php/modules/enet/streamfile.php?file=000000008968.pdf&name=000000250051.pdf, im Auftrag des Bundesamts für Energie BFE
[5]Forschungsprojekt Wärmepumpen-Effizienz, http://wp-effizienz.ise.fraunhofer.de/german/index/, Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, mit Ergebnissen von Feldtests
[6]Ergebnisse eines Feldtests für Elektrowärmepumpen, http://www.agenda-energie-lahr.de/leistungwaermepumpen.html von der Lokalen Agenda-Gruppe 21

(Zusätzliche Literatur vorschlagen)

Siehe auch: Wärmepumpe, Erdwärmesonde, Erdregister, Brauchwasserwärmepumpe, Sole/Wasser-Wärmepumpe, Wasser/Wasser-Wärmepumpe, Luft/Wasser-Wärmepumpe, Luft/Luft-Wärmepumpe, Hybridwärmepumpe, Zentralheizung, Fußbodenheizung, Flächenheizung, Eisspeicher, Anergienetz, Solar-Wärmepumpen-System
sowie andere Artikel in den Kategorien Haustechnik, Wärme und Kälte

Kommentare von Lesern

Hier können Sie einen Kommentar zur Veröffentlichung vorschlagen. Über die Annahme wird der Autor des RP-Energie-Lexikons nach gewissen Kriterien entscheiden. Im Kern geht es darum, dass der Kommentar für andere Leser potenziell nützlich ist.

Ihr Name:
(freiwillige Angabe – auch Pseudonyme sind erlaubt)
Ihre E-Mail-Adresse:
(freiwillige Angabe)
Ihr Hintergrund:
(freiwillige Angabe, z. B. Energieberater, Handwerker oder Journalist)
Ihr Kommentar:
Spam-Prüfung:   (bitte die Summe von fünf und zwölf hier als Ziffern eintragen!)

Bem.: Mit dem Abschicken geben Sie Ihre Einwilligung, Ihren Kommentar hier zu veröffentlichen. (Sie können diese später auch widerrufen.) Da Kommentare zunächst vom Autor durchgesehen werden, erscheinen sie verzögert, z. B. erst am Folgetag oder evtl. noch etwas später.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Ihr Gesamteindruck: weiß nicht unbefriedigend in Ordnung gut ausgezeichnet
Fachliche Qualität: weiß nicht unbefriedigend in Ordnung gut ausgezeichnet
Lesbarkeit: weiß nicht unbefriedigend in Ordnung gut ausgezeichnet
Verdient dieser Artikel (oder das Energie-Lexikon insgesamt) Ihrer Ansicht nach Links von anderen Webseiten?
  nein eventuell ja
Kommentar:

Vielleicht haben Sie auch konkrete Vorschläge für inhaltliche Ergänzungen, nützliche Literaturangaben etc. Falls Sie eine bessere Website für dieses Thema kennen, sind wir dankbar für einen Hinweis darauf.

Wenn Sie einen Kommentar zur Veröffentlichung auf unserer Seite vorschlagen möchten, verwenden Sie dazu bitte das Formular im Kasten "Kommentare von Lesern".

Spam-Prüfung: (bitte den Wert von 5 + 8 hier eintragen!)

Wenn Sie eine Antwort möchten, können Sie Ihre E-Mail-Adresse im Kommentarfeld hinterlassen oder direkt eine E-Mail senden. Letztere Methode führt meist zu schnelleren Antworten.

Wenn Ihnen das RP-Energie-Lexikon gefällt, möchten Sie vielleicht auch den RP-Energie-Blog als E-Mail-Newsletter abonnieren.

Teilen Sie den Link auf diesen Artikel mit anderen:

Eine Quiz-Frage

vom Energie-Quiz:

Die Kosten der Stromerzeugung mit Photovoltaik liegen pro Kilowattstunde inzwischen in ähnlicher Höhe wie die Kosten der Wärmeerzeugung durch Solarthermie. Mithilfe einer Wärmepumpe können pro Kilowattstunde Strom mehrere Kilowattstunden Wärme erzeugt werden. Folgt daraus, dass die beste Methode der solaren Beheizung nicht mehr auf Solarthermie basiert, sondern auf Photovoltaik und Wärmepumpen?

(a) Ja, denn damit ergeben sich eindeutig die niedrigsten Kosten pro erzeugter Kilowattstunde Wärme, und die Kosten waren immer das entscheidende Hindernis für die Solarheizung.

(b) Nein, weil die Stromproduktion mit Photovoltaik weitgehend in Zeiten fällt, in denen kaum Heizwärme benötigt wird.

Wenn Sie Antworten auswählen und dann diesen Knopf betätigen, bekommen Sie weitere Erklärungen auf der linken Seite.

– Alle Banners –

– Ihr eigenes Banner! –

Die Startseite gibt Ihnen den Einstieg in das RP-Energie-Lexikon, auch mit Tipps zur Benutzung.
Hier finden Sie diverse Ratgeber-Artikel, insbesondere im Bereich der Haustechnik.
Hiermit wird Ihnen ein zufällig ausgewählter Lexikonartikel angezeigt.
Der RP-Energie-Blog präsentiert Interessantes und Aktuelles zum Thema Energie. Er ist auch als E-Mail-Newsletter erhältlich.
Hier finden Sie die Kontaktinformationen und das Impressum.
Werden Sie ein Sponsor des RP-Energie-Lexikons – des besten deutschsprachigen Energielexikons im Internet!
Hier erfahren Sie mehr über den Autor des RP-Energie-Lexikons und seine Grundsätze.
Hier können Sie die Artikel des RP-Energie-Lexikons nach Kategorien geordnet durchstöbern.
Verbreitete Irrtümer zu Energiefragen werden hier detailliert aufgedeckt.
Der Glossar fasst die Definitionen von Fachbegriffen aus den Artikeln zusammen.
Mit dem Energie-Quiz können Sie Ihr Wissen im Energiebereich testen und vertiefen.
Hier werden die Hintergründe des Projekts beschrieben, auch die gewählten Grundsätze.
Mit zigtausenden von Nutzern pro Monat ist das RP-Energie-Lexikon zu einer interessanten Werbeplattform geworden.
Vom Autor des RP-Energie-Lexikons können Sie auch Beratung erhalten, insbesondere zu Energie-Technologien.
Hier finden Sie die Liste aller Artikel zu einem bestimmten Anfangsbuchstaben.
Hier können Sie nach Artikeln suchen, deren Titel ein bestimmtes Stichwort enthalten.
(Beachten Sie auch die Volltextsuche beim Menüpunkt "Suche"!)